Gegen das Vergessen

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Die 16-jährige Alina Huckschlag trug ein Gedicht von Josef Albert Stöckl vor. ▪

NACHRODT-W‘WERDE ▪ Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedachten gestern Mittag am Ehrenmal in Nachrodt rund 50 Frauen, Männer und Kinder. Bei trübem Novemberwetter versammelten sie sich am Volkstrauertag, um die Mahnung zum Frieden durch eine Feierstunde äußerlich sichtbar zu machen.

Die 16-jährige Alina Huckschlag trug das Gedicht „Friedhof der steinernen Schwerter“ von Josef Albert Stöckl vor. „Denn im Wissen um die Opfer sämtlicher Kriege und um die Opfer aller Gewalt menschlichen Handelns schuldet Ihr uns Erinnerung für ewige Zeiten und die Pflicht Gewalt und Krieg für immer zu verhindern!“ Alina hatte sich freiwillig für diesen Vortrag gemeldet. „Es ist mir eine Freude und es ist mir wichtig, mich hier einzubringen“, erklärte die Schülerin der Albert-Schweitzer-Hauptschule ihre Motivation.

Die Gedenkrede hielt Pastor Wolfgang Kube. Er verdeutlichte, dass der Gedanke „Tod dem Andersdenkenden“ eine Losung sei, die ins Elend führe. Was kann man dem entgegen stellen? „Vielleicht den Gedanken der Toleranz“, so seine Antwort. Denn Toleranz bedeute Respekt vor dem Andersdenkenden, Andersartigen und Andersglaubenden. Dieser Respekt werde durch Wissen und miteinander reden gefördert. Toleranz sei nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische. Vor allem sei Toleranz eine aktive Einstellung, die sich auf die Menschenrechte stütze und auf die Freiheiten der Grundwerte. „Toleranz hält Demokratie und Rechtsstaat zusammen“, so Kube.

Das Anliegen des Volkstrauertages sei das Erinnern. Warum die Schrecken, warum immer wieder Opfer? „Zumeist ist die Ursache fehlende Toleranz. Die Meinung des anderen wird nicht akzeptiert, seine Hautfarbe, seine Nationalität, sein Glauben.“ Auch heute gebe es Opfer der Intoleranz, sei es durch tägliche Ausgrenzung und Abwertungen. Deswegen sein Appell, die Augen aufzumachen und nicht wegzuschauen. Der MGV Frohsinn verlieh Kubes Worten mit den gesungenen Zeilen „Schenkt allen Menschen Freude und Zuversicht und Hoffnung auf Menschlichkeit“ noch mehr Nachdruck.

67 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges erinnerte Pfarrer Dr. Thorsten Jakobi in Wiblingwerde rund 50 anwesende Gäste daran, dass es auch heute noch Menschen unter uns gebe, die die Kriegszeit noch miterlebt hätten. Und viele dieser Menschen würden sich auch heute noch die Frage stellen, was gewesen wäre, wenn sie ihre Heimat nicht hätten verlassen müssen.

Wie wäre es gewesen, wenn der geliebte Mann nicht an die Front hätte ziehen müssen und dort fiel? Der Volkstrauertag ist ein Tag, an dem der Gefallenen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gedacht wird. Denn dort zogen Väter ins Feld, die nie wieder in die Heimat zurückkehrten. Die Erinnerung an sie soll aufrecht erhalten bleiben. Die Kranzniederlegung erfolgte durch die Freiwillige Feuerwehr. Musikalisch wurde die Veranstaltung, die am Mahnmal in Wiblingwerde stattfand, vom Männergesangverein Wiblingwerde und vom CVJM-Posaunenchor begleitet. ▪ Von Ilka Kremer und Hartwig Bröer

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