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Trägerverein Gartenhallenbad: Vorsitzende zieht die Reißleine

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Möglicherweise macht Sabine Karisch als Badleiterin weiter.
Möglicherweise macht Sabine Karisch als Badleiterin weiter. © Fischer-Bolz, Susanne

 Sabine Karisch zieht die Reißleine: Die langjährige Vorsitzende des Trägervereins Gartenhallenbad stellt ihr Amt zur Verfügung. Auch ein weiteres wichtiges Vorstandsmitglkied tritt kürzer. Ersatz wird nun dringend gesucht.

Nachrodt-Wiblingwerde - Idealist sein heißt: Kraft haben für andere. Für eine Vision, für ein besonderes Vorhaben. Zehn Jahre hat Sabine Karisch als „Herz und Seele“ des Trägervereins Gartenhallenbad für das einst totgesagte Schwimmbad gekämpft, es über Wasser gehalten und für die Zukunft aufgestellt. Jetzt stellt sie ihren Posten als Vorsitzende zur Verfügung und zieht die Reißleine. Denn die Kraft schwindet.

Während der Jahreshauptversammlung am 27. September ab 19 Uhr in der Aula der Sekundarschule wird nun über die Zukunft des Trägervereins Gartenhallenbad entschieden. Nach vielen emotionalen Tagen mit Hochs und Tiefs, vielen Tränen und Verzweiflung ist Sabine Karisch heute gefasst. „Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Man hat mir den Job der Badleiterin angeboten“, erzählt sie. Und Christian Pohlmann, derzeit Stellvertreter, wird für den Vorsitz kandidieren. Allerdings nur, wenn nicht in den nächsten Tagen und Wochen andere Kandidaten aus dem Hut gezaubert werden können.

Dringender Appell

Die Verantwortung und die anfallenden Aufgaben sollen nun auf viele Schulter verteilt werden. „Diese fast zehn Jahre haben natürlich den Verein verändert. Die Menschen sind älter geworden und können, auch aufgrund gesundheitlicher Probleme, den Verein nicht mehr so unterstützen wie sie es eigentlich gerne würden. Einige sind weggezogen oder tatkräftige Mitglieder wie zum Beispiel Jochen Seckelmann, der sich immer um die Außenanlagen gekümmert hat, sind mittlerweile verstorben. Das Gras auf der Liegewiese müsste eigentlich dringend mal gemäht werden“, sagt Christian Pohlmann und schickt einen Appell an alle Nachrodt-Wiblingwerder, die Geschicke des Trägervereins in der Notlage zu unterstützen und tatkräftig mitzuhelfen.

Zukunft am seidenen Faden?

Sabine Karisch wird zwar den Vorsitz abgeben, aber das Bürgerbad weiterhin unterstützen. Möglicherweise als Badleiterin in Festanstellung. Roland Wachtmeister, bisheriger Kassenwart, wird sich ebenfalls aus der ersten Reihe der Vereinsgeschäftsführung zurückziehen, möchte aber weiterhin im erweiterten Vorstand tätig sein. Er möchte gerne als Schriftführer zur Verfügung stehen und somit weiterhin eine tragende Säule des Bürgerbads bleiben.

Es gibt wieder ein öffentliches Schwimmen:  mittwochs und freitags von 6.30 Uhr bis 8 Uhr; sonntags von 14 bis 18 Uhr.
Es gibt wieder ein öffentliches Schwimmen: mittwochs und freitags von 6.30 Uhr bis 8 Uhr; sonntags von 14 bis 18 Uhr. © Fischer-Bolz, Susanne

„Nun müssen sich andere Menschen finden, die unser Bürgerbad weiter in die Zukunft tragen. Der Trägerverein unseres Bürgerbads benötigt also dringend zwei Personen, die bereit sind, sich im vordersten Vorstand zu engagieren, einen Kassenwart sowie ein weiteres Vorstandsmitglied. Sollte sich bis zur nächsten Jahreshauptversammlung kein neuer geschäftsfähiger Vorstand gefunden haben, so sieht es um die Zukunft unseres Bürgerbads wirklich schlecht aus. Ohne eine Geschäftsfähigkeit würde der Verein abgewickelt werden müssen und das Bürgerbad stünde vor dem Aus“, malt Christian Pohlmann dunkle Farben an die Wand.

„Die anderen wollen mich beschützen“

Auch für die Bereiche Technik, Elektro, Personalwesen und Vermarktung werden dringend engagierte Bürger gesucht, die mithelfen, damit es weiter gehen kann. Und Sabine Karisch? „Die anderen wollen mich beschützen, sehen, dass ich an mein Limit komme“, sagt sie nach einer mehrstündigen Zusammenkunft am vergangenen Sonntag, die offenbar sehr emotional war und bei der sich zum Schluss alle in den Armen gelegen haben. „Wir haben konstruktive Ideen entwickelt, wie es weitergehen kann“, findet Christian Pohlmann und ergänzt: „Wir wuppen das schon. Sabine hat sich in den ganzen Jahren mit allen Kräften für das Bad eingesetzt und einen Job gemacht, für den man hauptberuflich bestimmt 20 bis 30 Stunden in der Woche arbeiten muss. Sie ist total am Anschlag.“ Und ja, er würde dann für den Vorsitz kandidieren, aber „ich habe mit der SPD ausreichend zu tun, meine Kinder sind neun und elf Jahre alt, ich arbeite im Schichtdienst. Liebend gern können das auch andere Leute machen, wenn wir welche finden.“ Wer sich vorstellen kann, das Bürgerbad in den genannten Bereichen zu unterstützen, wird dringend gebeten, sich zu melden: 01 71 / 70 22 099 oder christian.pohlmann@buergerbad.net.

Turbulente Tage, nicht nur intern

Es sind turbulente Tage für das Schwimmbad, nicht nur intern. Nachdem Christian Pohlmann „die Keule herausgeholt“ und im Planungs- und Bauausschuss von einer „einschneidenden Einschränkung der Betriebsmöglichkeiten“ des Bades aufgrund des geplanten Umbaus der Umkleidekabinen an der Turnhalle Holensiepen gesprochen hatte (das AK berichtete), ist Bürgermeisterin Birgit Tupat wenig amüsiert. Die massive Kritik an der Verwaltung findet sie so gar nicht angebracht. „Dem Trägerverein waren die Pläne bekannt. Und Christian Pohlmann ist auch Ratsmitglied. Wenn man das Protokoll der letzten Ratssitzung liest, wird deutlich, dass die Verwaltung Pläne für eine Sanierung im Bestand erarbeiten soll, sollten wir die Förderung nicht bekommen. Und plötzlich kann sich keiner mehr daran erinnern. Auch in der interfraktionellen Sitzung waren die Pläne Thema. Die Fraktionen wussten Bescheid. Da werde ich in der nächsten Ratssitzung noch etwas zu sagen“, so Birgit Tupat.
Apropos Fraktionen: Christian Pohlmann hatte vor der Planungs- und Bauausschusssitzung SPD und CDU „auf kleinem Dienstweg“ ins Schwimmbad eingeladen. Die UWG allerdings nicht. Letztlich wurde der Beschlussvorschlag aber einstimmig von allen Fraktionen abgelehnt.

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