Gartenhallenbad: 2,2 Millionen Euro für Sanierung beantragt

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Einige Schwachstellen gibt es im Gartenhallenbad.

Nachrodt-Wiblingwerde – Bis in den letzten Winkel im Keller krochen die Kommunalpolitiker. Während sich oben die Badegäste vergnügten, lernten die Besucher unten die komplizierte Technik kennen, die für ein Schwimmbad nötig ist. Dass im Rahmen der Immobilien-Tour auch das Gartenhallenbad auf der Agenda stand, versteht sich von selbst. 

Schließlich wurde ein Förderantrag aus dem Topf „Soziale Integration im Quartier“ in Höhe von 2,2 Millionen Euro bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt. Das besonders Attraktive an diesem Programm ist, dass die Förderung 90 Prozent der Investitionssumme beträgt. Dass baulich Einiges im Argen liegt, steht außer Frage, wenn auch die Dramatik der Mängel durchaus unterschiedlich bewertet wird.

Neuer Motor für die Lüftung

 „Immer wieder fällt unsere Lüftungsanlage aus“, erzählt Sabine Karisch, Vorsitzende des Trägervereins Gartenhallenbad, der seit 2013 das Schwimmbad mit großem Erfolg unter seinen Fittichen hat. 

Es gibt drei Lüftungsanlagen, zwei fürs Schwimmbad, eine für die Turnhalle, die seit einem dreiviertel Jahr gar nicht läuft. Aktuell werden für 14 000 Euro neue Motoren eingebaut. Am 12. Juni 1969 wurde das Gartenbad eröffnet. Heute sieht der Betrachter von außen eine abgeblätterte Fassade. Die Dämmplatten wurden einst unsachgemäß angebracht. 

Die Gemeinde blieb auf dem Schaden sitzen, weil es die ausführende Firma nicht mehr gibt. „Dann haben wir versucht, den Architekten an den Hammelbeinen zu ziehen, das hat aber leider auch nicht funktioniert“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding. 

Turnhalle ohne Fassaden-Schäden

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Blick auf die Turnhalle: gleiches Verfahren, keine Schäden an der Fassade. Ein Hauptproblem ist augenscheinlich die Dichtigkeit von innen nach außen. „Es gibt zwei Wege, wie sich Wasser ausbreiten kann. Das ist einmal durch Konvektion und Diffusion. 

Die Unterwasser-Beleuchtung ist defekt.

Viel eklatanter ist die Konvektion, die viel größere Luftmengen und damit feuchte Mengen in ein Bauteil hineinträgt. Das führt dann dazu, dass im Winter an der Fassade hinter der Dämmung die Eiszapfen herauswachsen“, erklärt Ingenieur Holger Selve. Das sehe man besonders auf den Dächern. 

Karisch: "Nichts bewiesen"

Gegenwind bekommt er von Sabine Karisch: „Das ist vermutet, aber nicht bewiesen. Ich habe das so noch nicht gesehen, und das ist ja auch in Frage gestellt. Deswegen wird es auch ein anderer Ingenieur noch weiter untersuchen.“ Sabine Karisch zweifelt nicht die Schäden an, sagt aber: „Was bedeutet das?“ 

Fakt ist: Im Förderantrag wurden alle Schwachstellen aufgelistet. Mangelhafte, defekte Fensteranschlüsse und die Luftdichtigkeit des Gebäudes ist nicht ausreichend. Dadurch kann warme, feuchte Luft aus dem Inneren die Dämmung zerstören. 

Kampf um Erhalt

Zudem gibt es einen Alterungsprozess beim Beton. „Man kann was machen, kann es aufhalten. Nicht jeder Betonbau muss abgerissen werden“, sagt Sabine Karisch. Den Förderantrag zu stellen, mache Sinn. Darin sind mehr als eine halbe Million Euro für die Betonsanierung eingeplant. „Wenn man das regelmäßige Begehen und die Vorsorgemaßnahmen einhält, und dafür auch Rückstellungen hat, hat man alles richtig gemacht“, meint Holger Selve. 

Doch nichts sei für die Ewigkeit. „Wenn wir die Förderung bekommen könnten, wäre es das Beste, was passieren könnte“, sagt SPD-Ratsherr Ronny Sachse. Denn: „Wir kämpfen nicht um Verschönerung, wir kämpfen um den Erhalt des Bades“, sagt Sabine Karisch. 

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