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Gartenhallenbad: Der Kapitän verlässt das Schiff

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Uli Knoop (links) und Sabine Karisch bedanken sich bei Hans Wehr für sein Engagement im Förderverein Gartenhallenbad.
Uli Knoop (links) und Sabine Karisch bedanken sich bei Hans Wehr für sein Engagement im Förderverein Gartenhallenbad. © Susanne Fischer-Bolz

Der Kapitän hat die Brücke verlassen: In stürmischer See und eigentlich kurz vorm Untergang des Gartenhallenbades hatte Hans Wehr das Ruder übernommen, wurde 2007 Vorsitzender des Fördervereins.

Nachrodt-Wiblingwerde – Jetzt konnte Wehr das Kommando eines auf Hochglanz polierten Bootes im mehr oder weniger ruhigem Fahrwasser an Ulrich Knoop übergeben.

Und, um im Bild zu bleiben: Aus der Jolle ohne jeglichem finanziellen Puffer ist ein Viermaster geworden, der die Segel für die Zukunft setzen kann. Nach der offiziellen Jahreshauptversammlung des Fördervereins Gartenhallenbad gab es deshalb nun von Sabine Karisch und Uli Knoop ein ganz persönliches Dankeschön.

Schon lange bevor der Trägerverein das Hallenbad unter seine Fittiche nahm, versuchte der Förderverein, das Schwimmbad am Holensiepen vor der Schließung zu bewahren. Die Bädergesellschaft Iserlohn hatte damals das Zepter übernommen, „und wir haben dumm aus der Wäsche geguckt“, erzählt Hans Wehr.

Erste größere Anschaffung war die Rutsche, die es heute noch im Schwimmbad gibt. „Wir hatten noch gar keine Kasse. Herr Clever und ich haben die Rutsche erst einmal aus eigener Tasche gekauft und am Jahresende hat jeder sein Geld wiederbekommen.“

Damals gab es nur einen einzigen Wasserbewegungskurs und von Schwimmzeiten an den Wochenenden konnten alle nur träumen. Doch Hans Wehr wollte das Kentern des schönen Schwimmbades nicht miterleben, fühlte sich eng verbunden, weil er als junger Mann im Gemeinderat war, als der Bau des Schwimmbades beschlossen und in die Tat umgesetzt wurde.

Als dann der Trägerverein vor neun Jahren gegründet wurde, Förderverein als auch Trägerverein gemeinsam alle Hebel für ein modernes Bad in Bewegung setzten, konnten die Rettungswesten in den Spinden verschwinden.

Heute gibt es 13 Rehakurse, Babyschwimm- und Kleinkindkurse, Präventions- und Seepferdchenkurse und viele andere Angebote. „Aber wenn der Trägerverein nicht eingestiegen wäre, gäbe es all’ das nicht“, sagt Hans Wehr und ergänzt: „Was Sabine Karisch da macht, hätten wir alle nicht für möglich gehalten.“

Sabine Karisch als Vorsitzende des Trägervereins, Hans Wehr als Vorsitzender des Fördervereins waren ein Dream-Team, das auch mal unterschiedliche Wege gehen wollte. „Die Männer wollen immer Technik“, erinnert sich Sabine Karisch schmunzelnd an die Idee eines automatisches Kassensystems fürs Schwimmbad. Das wurde nicht eingeführt. „Sabine hat gesagt, wir schaffen das so. Und sie hat Recht behalten“, so Hans Wehr.

Vom gegenseitigen Respekt geprägt, das gemeinsame Ziel vor Augen, konnte immer eine Lösung gefunden werden. „Das Schönste war, als das Hallenbad wieder zum Gartenhallenbad wurde“, erzählt Hans Wehr. Sigi Müller und Thorsten Vogel waren mit von der Partie, als der Rasen verlegt wurde – und auch ganz vorn dabei die Jedermänner, die bis heute helfen, wo sie können.

„Wir hatten noch Rasen übrig. Da bin ich nach Wiblingwerde ins Neubaugebiet Niggenhuser Hof gefahren und habe Rasen für eine Spende angeboten“, erinnert sich Sabine Karisch lachend. Leute direkt ansprechen, auf sie zugehen, „das konnte ich nie so, das kann nur Sabine“, lobt Hans Wehr seine Mitstreiterin. Er dagegen ist der Planer, der, der immer gern wissen will, „wo vorne und hinten ist.“ Deshalb war es ihm auch wichtig, das Amt rechtzeitig und in „gute Hände“ abzugeben.

„In meinem Alter kann man ja nie wissen“, sagt der 83-Jährige schmunzelnd. Sein Nachfolger Uli Knoop bekommt nicht zehn Aktenordner, denn bei Hans Wehr läuft alles modern papierlos. Mit der Steuererklärung darf „der Neue“ anfangen.

„Ich freue mich darauf, die Aufgabe so gut zu machen, wie der Hans sie gemacht hat“, sagt Uli Knoop schmunzelnd. Im Moment sparen alle auf den großen Umbau des Schwimmbades, den die Gemeinde stemmt. Der Förderverein möchte mögliche Lücken stopfen. Die Kosten explodieren, sodass die 70000 Euro, die in der Kasse sind, sicher dringend benötigt werden.

Das Edelstahlbecken könne man aber wahrscheinlich vergessen, bei 70 Prozent Preissteigerung. „Doch es ist nachgewiesen, dass das Gebäude noch mal für 20 Jahre zu refreshen ist“, sagt Sabine Karisch und wartet auf den Startschuss.

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