„Funkverbindung ist eine Notlösung, aber eine gute“

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Internet-Frust in Veserde: Eben schnell einen Film oder einfach nur Musik im Internet herunterladen, wichtige Geschäftsunterlagen per E-Mail senden: All dies ist dort kaum möglich. Denn keine Vermittlungsstelle ermöglicht bisher eine Versorgung mit DSL-Anschlüssen.

Da eine finanzierbare Kabellösung auch nach Jahren intensiver Nachforschungen und Angebotsanfragen nicht realisierbar erscheint, blieb nur noch eine Lösung: Internet per Funk. Mit „das Netz“ wurde ein Betreiber gefunden, der ein WiMax-Projekt in und um Wiblingwerde realisieren möchte. Hierzu soll eine Richtfunkverbindung von Dortmund aus zum Sendemasten in der Nähe des Waldkindergartens eingerichtet werden. „Dieses Signal wird dann wie mit einer Gieskanne weiterverteilt“, erklärte Andreas Bendler von „das Netz“ jüngst während der Einwohnerversammlung am Freitag. Das Netzwerk wird als WiMax (Worldwide Interoperability for Microwave Access) - Breitband Funknetz realisiert. WiMax funkt im Mikrowellenbereich. Das bedeutet, dass sich auf größere Entfernung eine höhere Bandbreite erzielen lässt. Dadurch können an eine Sendeanlage mehrere hundert Teilnehmer geschaltet werden.  „Wir können alle Haushalte im Sichtfeld problemlos versorgen“, so Bendler. Doch Hinterveserde, Deierte und Teile von Veserde liegen nicht im Sichtfeld. Aber auch hier wurde eine Lösung gefunden. „Wenn die Verbindung nicht reicht, wird eine weitere Einrichtung auf dem Dach der alten Schule in Veserde installiert“, beruhigte Jürgen Röll von der Gemeindeverwaltung. Bei weiter entfernten Anschlüssen ist eventuell die Montage Außenantenne notwendig.

Zu Hause wird das kleine WiMax-Modem mit einer Antenne und RJ45-Stecker ausgestattet. Positioniert wird das Modem oberirdisch an einem Fenster, ausgerichtet zum Sendemast. Das Modem ist voreingestellt und es muss nur noch an den Computer beziehungsweise Laptop angeschlossen werden.

Während sich die meisten Bewohner freuen, endlich eine Lösung präsentiert zu bekommen, äußern einige Bedenken: „Wir haben bereits einiges ausprobiert, dann hat es nicht den gewünschten Erfolg und wir hatten die Verträge, aus denen wir nicht raus kamen!“ Andere, wie Elektriker Gundermann, haben die mangelnden Internetverbindungen als Standortproblem erkannt und hätten gar überlegt ihr Büro in eine Nachbarstadt zu verlegen. Sie seien darauf bedacht, dass diese Lösung funktioniere und hätten keinerlei Zweifel daran. In fünf weiteren Städten und Gemeinden sei die Funkverbindung bereits ein voller Erfolg.

Doch in den fünf aufgeführten Gemeinden wird das auf Nachfrage eher kritisch gesehen. In Boppart beispielsweise trat das ein, was viele Wiblingwerder fürchten. „Es waren nicht genug Verträge da, mittlerweile hat hier die Telekom das Netz ausgebaut. Ob es hier überhaupt noch WiMax-Kunden gibt, weiß ich nicht“, erklärte Thorsten Strubel von der Stadt Boppart. Die Stadt habe aber auch Fördermittel vom Land Rheinland-Pfalz für den Ausbau erhalten. Die Stadt Geisenheim im Rheingau hat ihren Ortsteil Stephanshausen mit dem Funk-System an schnelleres Internet angebunden. „Funk ist für uns eine Notlösung“, erklärt Kurt Stievermann von der Stadt. Sie funktioniere, allerdings klagten die Leute, dass nicht immer die volle Leistung da sei. Gerade Sonntagabends, wenn viele das Internet nutzen würden. Filme herunterladen sei grundsätzlich nicht möglich. „Aber es ist besser als alles, was vorher da war. Für den normalen Gebrauch reicht es.“ Zu bedenken ist jedoch, dass Stephanshausen gerade einmal eine Verbindung bis zu einem mbit versprochen bekommen hat. In und um Wiblingwerde wären bis zu acht möglich. „Klar, dass unter gewissen Umständen keine volle Leistung abgerufen werden kann, allerdings immer noch deutlich mehr als vorher. Topographisch ist Wiblingwerde da deutlich besser dran“, verspricht Andreas Bendler von „das Netz“. Als Referenz wird außerdem die Stadt Werneuchen genannt. Hier heißt es von der Verwaltung jedoch, dass sie nie wirklich mit „das Netz“ zu tun gehabt hätten, da es Ärger bei der Kundenakquise gegeben habe. Dies sei in Nachrodt-Wiblingwerde jedoch nicht zu befürchten. Denn den Vertrieb übernehmen die Stadtwerke. „Wir haben bereits Vorverträge und natürlich zuvor eine Umfrage gemacht“, erklärte Thomas Dirks von den Stadtwerken Iserlohn. 100 Verträge müssten abgeschlossen werden, damit sich das Netz für den Betreiber rentiert. „Uns würden 80 Kunden erst einmal reichen“, erklärt Bendler. Dirks hingegen ist sich sicher: „Das werden über 100 Kunden.“ Problematisch nur, dass sich viele bereits eigene Lösungen, wie beispielsweise mit Vodaphone, gesucht haben. Und nun bereits an Verträge gebunden seien. Technisch haben die Verantwortlichen keine Bedenken: „Das technische Konzept ist schlüssig. Die Sache wird ein Erfolg, da bin ich mir sicher. Klar, eine Funkverbindung ist eine Notlösung. Aber eine gute. Und von 340kb auf 8 Mbit ist schon eine riesige Verbesserung“, erklärte Andreas Griehl, Geschäftsführer der Telemark. Sie wird künftig der Servicepartner sein. Auch die Sicherheit sei gegeben. Das Netz an sich - ähnlich wie beim Handy - sei verschlüsselt. ▪ Lydia Machelett

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