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Für wen sind Wärmepumpen sinnvoll? Das sagen Experten

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Bernd (links) und Johannes Fischer (Firma Fischer) im Interview zu Wärmepumpen, Gasheizungen und Solarthermie.
Bernd (links) und Johannes Fischer (Firma Fischer) im Interview zu Wärmepumpen, Gasheizungen und Solarthermie. © Fischer-Bolz, Susanne

Handeln, handeln, handeln? Sehr viele Menschen sehen ihr Heil in der Energiekrise in der Umrüstung von der Gasheizung auf eine Wärmepumpe. Doch ist das immer der Weisheit letzter Schluss? Unsere Redaktion sprach darüber mit den Experten Johannes und Bernd Fischer, die sich in ihrer Firma in Nachrodt auch um Wartung, Instandhaltung und Erweiterung aller Heizungssysteme kümmern.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es kommt darauf an, mitten in der Verunsicherung Ruhe zu finden –- und Besonnenheit. Doch angesichts der Tatsache, dass die Energiepreise kaum noch einzufangen sind, die Angst vor einem flächendeckenden Stromausfall sogar vom Städte- und Gemeindebund geschürt wird, die Sorge vor einer Eskalation in der Gas-Krise groß ist und niemand die Entwicklung vorhersehen kann, möchten viele Menschen jetzt handeln. Vorsorgen. Sie setzen auf Solaranlagen (mittlerweile gibt es mehr als zwei Millionen Photovoltaikanlagen auf Häusern und Grundstücken in Deutschland), oder auf Balkonkraftwerke mit zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter). Das große Thema für viele: Umrüstung von der Gasheizung auf eine Wärmepumpe. Doch ist das grundsätzlich klug?

Gasheizung ab 2025 praktisch verboten

Fakt ist: Der Einbau einer Öl- oder Gasheizung als alleiniges Heizungsgerät wird in Deutschland zum 1. Januar 2025 praktisch verboten. Der Grund: Jede neue Heizung muss dann mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einkoppeln. Das wäre beispielsweise eine Hybridlösung, mit Einsatz einer Wärmepumpe.

Wie lange muss man auf eine Wärmepumpe warten?

Wer heute eine Wärmepumpe bestellt, muss grob geschätzt ein dreiviertel Jahr warten. Das ist herstellerabhängig. Gründe sind fehlende Teile, oder auch, weil die Werke nicht für die Massen ausgelegt sind, die sie produzieren sollen.

Der große Vorteil einer Wärmepumpe?

Wir kommen weg von den fossilen Energien, von Öl und Erdgas, und stoßen so weniger CO2 aus, immer unter der Voraussetzung, dass der Strom auch immer mehr grün erzeugt wird.

Behauptet wird, dass eine Umrüstung nur sinnvoll ist, wenn man eine Fußbodenheizung hat.

Eine Fußbodenheizung hat natürlich den Vorteil, dass sie per se mit niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben wird. Es ist theoretisch aber auch machbar, Heizkörperanlagen mit einer Wärmepumpe zu betreiben, wenn die Heizkörper so ausgelegt sind, das sie auch mit niedrigen Temperaturen auskommen.

Dann müssten die Heizkörper deutlich größer werden?

Oft ja. Aber viele Heizkörper sind vor vielen Jahren eingebaut worden. Möglicherweise hat man damals gar nicht genau gerechnet, sondern gesagt: Die bauen wir dahin, weil sie dahin passen. Vielleicht sind die ja schon zu groß. Und: Wenn in den Jahren am Haus schon etwas verbessert wurde, Fenster, Wärmedämmung, die Heizkörper aber geblieben sind, kann ich die auch mit etwas niedrigeren Vorlauftemperaturen betreiben und bekomme mein Haus trotzdem warm. Deshalb muss man individuell gucken, mit welchem Aufwand der Umbau vernünftig gestaltet werden kann.

Wann ist eine Wärmepumpe effizient?

Bei den Wärmepumpen, die jetzt vertrieben und eingebaut werden, liegt man bei der Effizienz einigermaßen auf dem gleichen Level. Eine Wärmepumpe läuft effizient bis zu einer Vorlauftemperatur von 50 /55 Grad. Dann ist das Verhältnis zwischen aufgewandtem Strom und daraus erzeugter Wärme noch gut. Wenn es über diese Temperaturen hinaus geht, dann ist es erst mal so, dass technisch die reine Wärmepumpe gar nicht mehr auf die Temperaturen kommt, sondern durch die elektrischen Heizstäbe nachgeheizt wird.

Braucht man denn eigentlich mehr, also 65 oder 70 Grad?

Die Auslegungstemperatur bei uns in der Gegend ist minus 10 Grad. Bei dieser Temperatur muss ich die höchste Vorlauftemperatur erreichen. Minus zehn Grad, 70 Grad Vorlauf. Bei minus fünf Grad brauche ich diese 70 Grad nicht mehr. Aber nicht jede bestehende Anlage benötigt auch die 70 Grad Vorlauftemperatur.

Aber es gibt immer mehr Wetterkapriolen, vielleicht also auch heftige Winter.

Ja, es wird auch mal so kalt sein, aber nur an wenigen Tagen im Jahr.

Wenn es minus 20 Grad wird?

Dann wird es sowieso eng bei uns, dann ist möglicherweise auch die Heizung nicht groß genug, die Heizkörper, weil wir bei uns nicht von minus 20 Grad, sondern nur von minus 10 Grad ausgehen. Die niedrigste Außentemperatur, die am häufigsten vorgekommen ist, das kam bei einem Seminar zur Sprache, lag bei fünf Grad plus. Das ist die Zeit, wo am meisten geheizt wird. Da brauche ich nicht die hohen Vorlauftemperaturen.

Der Nachteil von Wärmepumpen ist doch, dass die Anlagen sehr laut sind und vor der Tür stehen. Der Nachbar wird sich bedanken.

Ja und nein. Die Anlagen machen natürlich Geräusche, aber auch da sind die Geräte in den letzten Jahren erheblich verbessert worden. Wenn sie vernünftig aufgestellt werden, nimmt man sie kaum wahr. Ich sollte sie nicht unbedingt vorm Schlafzimmerfenster aufstellen. Da könnte einer, der empfindlich ist, doch reagieren. An den Vorgaben, dass die Geräte drei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt sein müssen, wird, so munkelt man, schon gearbeitet. Denn bei einem kleinen Grundstück gibt es ja durchaus das Problem: Wo stelle ich die Anlage hin?

Was kostet eine Wärmepumpe ungefähr?

Zwischen 25 000 und 50 000 Euro ist vieles möglich, das hängt aber an den Nebenarbeiten. Ich betrachte nicht alleine die Wärmepumpe, sondern den Gesamtaufwand.

50 000 Euro ist auch eine Summe, die wahrscheinlich die Mehrheit nicht auf dem Sparbuch hat.

Das stimmt, aber es gibt auch eine Förderung von der BEG, Bundesförderung für effiziente Gebäude. Der Basisförderung für eine Wärmepumpe liegt bei 25 Prozent, plus Heizungstausch-Bonus 10 Prozent. Bei der vorherigen Förderung, die schlagartig zum 15. August gekippt wurde, wurden auch noch Hybrid-Systeme gefördert, die sind jetzt herausgenommen. Und auch beim Holz wurde stark reduziert.Übrigens: Solarthermie-Anlagen erhalten nur noch 25 Prozent Förderquote. Bisher lag diese bei 35 Prozent. Besonders stark fällt die Reduktion bei Holzkesseln aus. Anstelle einer früheren maximalen BEG-Förderung von 55 Prozent sind es jetzt nur noch 20 Prozent. Die Förderung der Gas-Hybridheizung-in BEG-Förderung endete im August 2022. Gasheizungen erhalten nun auch als Gas-Hybridheizung keine Förderung mehr. Dafür gibt es den Heizungstausch-Bonus von 10 Prozentpunkten nun auch, wenn man einen Gaskessel durch eine Heizung mit erneuerbaren Energien ersetzt. (Quelle Solarserver)

Wenn ich zu meiner Gasheizung eine Wärmepumpe ergänze, wird dies also nicht gefördert?

So würde ich es auslegen.

Muss man in 2025 verpflichtend umrüsten?

Nein, die jetzt in Betrieb befindlichen Heizungen dürfen weiter laufen. Die Vorgaben sollen dahin gehen, dass 30 Jahre eine Heizung betrieben werden darf.

Wäre es möglich, die alte Gasheizung das nächste Jahr auszutauschen, und schafft man das noch?

Möglicherweise schafft man es deswegen, weil die Lieferfähigkeit bei Gasbrennwertgeräten besser geworden ist. Die Lieferfähigkeit von Wärmepumpen aber nicht. Möglicherweise werden also mangels Verfügbarkeit für Handwerksunternehmen Zeiten entstehen, die sie dann füllen können.

Wenn Sie jetzt eine schon lang geplante Gasheizung einbauen, sind die Menschen doch bestimmt verunsichert, oder?

Ja natürlich. Aber auch wir können im Moment nicht in die Zukunft gucken. CO2 -Einsparung, weg vom Gas und Öl. Aber man muss auch die Kosten und die finanziellen Möglichkeiten der Menschen im Auge behalten. Da kann es durchaus sein, dass für den einen oder anderen eine Gas- oder Ölheizung im Bezug auf die Investitionskosten noch die bessere Alternative ist.

Kommen wir kurz zur Solarthermie. Was kann sie?

Die Energie wird aus der Sonne in Wärme umgewandelt und dann in einen Warmwasserspeicher mit einem entsprechenden Volumen geleitet, der dann aus der Sonnenenergie heißes Wasser macht. Das Volumen des Speichers wird größer ausgelegt als man es benötigt, damit man Wärme speichern kann und am nächsten Tag noch nutzen kann. Auch die Solarthermie benötigt aber natürlich Betriebsstrom.

Das funktioniert aber nur, wenn die Sonne scheint.

Das ist der Nachteil einer heizungsunterstützenden Solar-Thermieanlage. Wenn ich die meiste Sonne habe, brauche ich die wenigste Heizwärme.

Lohnt sich also zur Unterstützung der Warmwasseraufbereitung, aber nicht für die Heizung?

In einem Bestandsgebäude ist die Heizungsunterstützung sehr schwierig. Auch die Warmwasserbereitung lässt sich nur schön darstellen, wenn man entsprechend positiv rechnet. Denn der Warmwasserenergieverbrauch ist ja der geringere Teil des Energieverbauchs. Wir sind davon ausgegangen, dass bei uns in der Gegend übers Jahr gesehen 60 Prozent des Warmwassers bei entsprechender Dachausrichtung über die Solarthermie abgedeckt wird. Was ich an Gas an mein Warmwasser stecke, kann ich um ca. 60 Prozent reduzieren. Das ist aber der geringe Teil an Gasverbrauch. Der Energieaufwand für die Warmwasserbereitung liegt durchschnittlich bei 600 bis 800 kWh pro Jahr und Person. Und dann muss man überlegen, was man für so eine Anlage ausgibt. Ich habe eine Kundenanfrage von einer einzelnen Person, da haben wir deutlich gesagt, dass sich eine Amortisation der Warmwassersolaranlage nicht einstellen wird. Aber das ist letztendlich von der Entwicklung der Energiekosten abhängig, die wir alle nicht einschätzen können.

Kommen wir noch zu Notstromaggregaten. Sollte man sie kaufen, da der Deutsche Städte- und Gemeindebund davor warnt, dass es zu flächendeckenden Stromausfällen kommen könnte?

Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland flächendeckenden Stromausfall erleben. Meines Wissens ist die Stromproduktion so groß, dass wir Strom ins Ausland abgeben. Und wo sollen zig Millionen Aggregate herkommen? So einfach ist das übrigens nicht: Eine moderne Haustechnik kann nicht ohne Weiteres über ein Notstromaggregat betrieben werden, weil die Elektroniken der Heizung darauf empfindlich reagieren und auch kaputt gehen können. Notstromaggregate liefern oftmals nicht gleichmäßige Sinuskurven und können somit in modernen Elektroniken zu Problemen führen. Da muss auf jeden Fall ein Fachmann hinzugezogen werden

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