Vor allem ein Pickup fehlt

Für Hochwasser: Feuerwehr wünscht sich mehr Ausstattung

Ein Sorgenkind beim Unwetter war die B236 an der Abzweigung Bahnübergang Helbecke.
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Ein Sorgenkind beim Unwetter war die B236 an der Abzweigung Bahnübergang Helbecke.

Nach der Unwetterkatastrophe ist vor der Unwetterkatastrophe. Starkregen-Ereignisse werden zunehmen. Da sind sich inzwischen fast alle Forscher einig. Taktisch und technisch muss die Feuerwehr dafür optimal aufgestellt sein. Ist sie das?

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Unwettereinsätze wurden gut gemeistert, die Feuerwehr fühlt sich ebenso gut von der Gemeinde unterstützt und ausgestattet. Und doch gibt es eine Wunschliste. „Schmerzlich aufgefallen ist uns, dass wir kein kleines, wendiges Einsatzfahrzeug haben“, sagt Wehrleiter Mark Wille. Mit dem Bulli waren die Fahrten durch unwegsames Gelände grenzwertig. Ein Pickup dagegen, geländegängig mit Allrad, hätte den Einsatzkräften gute Dienste leisten können.

„Natürlich hat auch ein Pickup seine Grenzen, aber wenn es sehr schmal wird, niedrig und eng, wenn das Bankett weggespült ist, dann könnte so ein Kommandowagen helfen“, ist sich Mark Wille sicher. Das Fahrzeug wäre übrigens auch bei Brandeinsätzen zum Beispiel auf Klaras Höhe eine riesige Hilfe. Man könnte die Ausrüstung nämlich auf den Wagen bringen und dann bis zum Wendeplatz im Wald fahren. Heute tragen die Feuerwehrmänner und -frauen alle Utensilien schweißtreibend steil berghoch.

92 Einsätze haben Mark Wille und seine Mannschaft im Unwetter abgearbeitet. Der Kampf gegen die Wassermassen war kräftezehrend. Eine Tatsache, die auch die CDU-Fraktion zum Anlass nahm, einen Antrag zu stellen. Die Verwaltung, so der Wunsch, soll gemeinsam mit der Wehrleitung der Feuerwehr prüfen, ob eine angemessene und ausreichende Ausrüstung der Feuerwehr für Einsätze bei Naturkatastrophen vorhanden ist. Und genau dies steht auch während der Sitzung des Rates am Montag, 6. September, ab 17 Uhr in der Sekundarschule auf der Tagesordnung.

Zum Teil mussten im Unwetter übrigens Pumpen ausgeliehen werden, sodass die Feuerwehr jetzt zwei sogenannte Mini-Chiemsee anschafft. Eine gehört bereits zur technischen Ausstattung der Nachrodt-Wiblingwerder Wehr. „Chiemsee“ ist eine mobile Abwassertauchpumpe für stark verschmutztes Schmutz- und Abwasser mit Schlamm und Feststoffen wie Laub, Holzstücken, Textilien oder Plastikfolien. „Sie schafft 1500 Liter pro Minute“, sagt Mark Wille.

Und auch bei der Anzahl der Flutboxen soll aufgerüstet werden. „Wir haben fünf und wollen fünf weitere kaufen“, so der Feuerwehrchef. Eine Flutbox kann ein kleiner Segen sein. Denn wenn die Feuerwehr bei Hochwasser ausrücken muss, ist es nicht nur ein Keller, der ausgepumpt werden muss, sondern immer sind viele Gebäude betroffen.

Dann muss sich die Feuerwehr irgendwann verabschieden und zum nächsten Einsatz, inklusive der gerade eingesetzten Pumpen. Durch die Flutboxen ist die Feuerwehr in der Lage, die Pumpe vor Ort zu lassen. Sie schaltet sich durch den Regelschalter automatisch ein und aus. Das kann beruhigend für die Hausbewohner sein.

Dass beim Unwetter jede Einsatzkraft in wenigen Minuten pitschnass ist, überrascht natürlich nicht. Und so wünscht sich die Feuerwehr auch Regenbekleidung, die es bis bislang nur für jeden dritten Feuerwehrmann gibt. Jetzt soll jeder eigene Wetterschutzkleidung bekommen und jeder eigene Gummistiefel.

Wichtig findet Mark Wille auch Personenschutzschalter und Spannungswarner. Selbst bei einem Standardeinsatz „Keller unter Wasser” kann eine lebensbedrohliche Gefährdung durch überflutete Elektroinstallationen bestehen, die man nicht auf den ersten Blick erkennen kann. Der Spannungswarner ist ein Prüfwerkzeug zur Warnung vor gefährlicher Spannung in überfluteten Elektroanlagen, Schächten, Kellerräumen und Industrieanlagen.

„Das hängt an einem langen Kabel und man wirft es ins Wasser“, erzählt Mark Wille und weiß auch, dass solche Apparaturen viel Geld kosten. Die Wunschliste ist angesichts der Wetterlagen ein Blick in die Zukunft, um sich den Gefahren besser stellen zu können. Sehr geeignet wäre auch ein transportabler Hochwasserschutz.

Bei Sturzregen und Überflutungen muss innerhalb von kürzester Zeit reagiert werden, um größere Schäden an Häusern und Betrieben zu verhindern. Das wird meist mit Sandsäcken erreicht. Aber diese müssen sehr aufwendig gelagert, gefüllt, transportiert und verbaut werden. In Nachrodt halfen viele Menschen beim Unwetter mit, eben diese Sandsäcke zu füllen. Dagegen ist ein mobiler Hochwasserschutz mit einem Doppelkammerschlauch schneller zu handhaben und hält auch „ein Flüsschen zurück“, sagt Mark Wille.

Und sonst? Einen kleinen Wunsch gibt es doch noch: Absperrmaterial für Straßen. „Da ist so viel kaputt gefahren worden“, sagt Mark Wille.

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