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Für den Bau eines Radwegs: Wichtige A45-Umleitung wird für ein Jahr zur Baustelle

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Dieser Radweg soll erst noch einer werden. Dass Handlungsbedarf besteht, steht außer Frage. Doch dass ausgerechnet im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden soll, versteht in Nachrodt niemand.
Dieser Radweg soll erst noch einer werden. Dass Handlungsbedarf besteht, steht außer Frage. Doch dass ausgerechnet im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden soll, versteht in Nachrodt niemand. © Fischer-Bolz, Susanne

Auf der Palme. Das sind die Nachrodt-Wiblingwerder alle. Verständnis für die Ankündigung, dass im kommenden Jahr ein Radweg zwischen der katholischen Kirche und ehemals Böhland gebaut werden soll, hat niemand.

Denn: Dafür soll es eine halbseitige Sperrung an der B236 geben. Als Wanderbaustelle. Für ein ganzes Jahr.

„Unfassbar, bei der jetzigen Situation noch einen Radweg bauen zu müssen. Bisher hatte ich kein Problem, mit dem Rad in Nachrodt von A nach B zu kommen, Autofahren dagegen ist nur noch nervenaufreibend“, sagt Maike Bormann-Engels. Und Sebastian Michalski fragt sich, warum man den neuen Fahrradweg nicht schon während der Zeit der Sprengungen hätte machen können, „wo die B236 eh schon gesperrt war? Aber da gab es die Formulare wahrscheinlich nicht. Deutschland 4.0 kann ich nur dazu sagen.“

Zahlen, Daten und Fakten zum Radweg kann Andreas Berg, Pressesprecher von Straßen.NRW im Moment nicht liefern, denn vom 27. Dezember bis zum 2. Januar bleiben die Dienstgebäude von Straßen.NRW in Gelsenkirchen und an den acht Standorten der Regionalniederlassungen zur Energieeinsparung geschlossen. Nur die Straßenmeistereien und die Landesverkehrszentrale sind besetzt. Andreas Berg bittet dennoch für den Bau des Radweges um Verständnis: „Wir können ja jetzt fünf Jahre oder mehr, bis die Rahmedetalbrücke fertig ist, nicht nichts machen.“

Lokalpolitiker schlagen Alarm

Verkehrssituation hin oder her. Dass die Nachrodt-Wiblingwerder gerade erst eine dreimonatige Vollsperrung hinter sich haben, spielt augenscheinlich keine Rolle, ebenso wenig die halbseitige Sperrung der Lennebrücke. „Wir müssen versuchen, das zu verhindern“, sagt Petra Triches, Fraktionssprecherin der UWG, und ist entsetzt über den Radwegebau zum jetzigen Zeitpunkt. „Das ist eine Katastrophe. Ich weiß nicht, was Straßen.NRW da geritten hat. Wenn die neue Lennebrücke gebaut wird, könnte man das mitmachen. Aber jetzt erneut eine halbseitige Sperrung einzurichten, wo es in Nachrodt ohnehin aufgrund der Verkehrssituation kaum vorwärts geht, ist nicht hinnehmbar.“

Petra Triches befürchtet Schlimmeres, wenn auch noch mehr Lkw-Verkehr aufgrund des geplanten Durchfahrtsverbotes in Lüdenscheid durch die kleinste Kommune des Kreises rollt. Obwohl: Rollen wird da wohl nichts mehr. Stillstand heißt es dann erneut in 2023.

Kritik in den sozialen Medien

Darüber, dass in den sozialen Medien Bürgermeisterin Birgit Tupat für das bevorstehende Dilemma verantwortlich gemacht wird, kann Petra Triches nur den Kopf schütteln. „Die Leute müssten doch eigentlich wissen, dass es eine Bundesstraße ist und die Entscheidungen nicht in Nachrodt getroffen werden. Die FDP sollte lieber ihren Parteifreund Volker Wissing, Bundesminister für Verkehr, kontaktieren. Auf unsere Schreiben reagiert er nicht“, so Petra Triches.

Deutliche Worte findet auch Gerd Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD: „Wir haben uns in den letzten Jahren kaputt gespart und versuchen jetzt, alles auf einmal zu machen. Das geht so nicht. Berechtigte Kritik muss auch mal ausgesprochen werden. Man muss mit dem Radwegenetz dort anfangen, wo die Verkehrsbelastung nicht so groß ist, und nicht dort, wo sie am größten ist. Dass in Nachrodt die Nerven blank liegen, verstehe ich gut.“

CDU: Gespräch mit Entscheidungsträgern suchen

Es gibt nur eine Möglichkeit, das Bauvorhaben auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben: „Wir müssen mit den Entscheidungsträgern das Gespräch suchen“, sagt Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU. Natürlich habe man vor Jahren schon einen Radweg gewollt, „und langfristig ist das sicher auch eine tolle Sache, aber bei der aktuellen Verkehrssituation ist eine weitere Sperrung nicht mehr zumutbar.“ Nach dem ganzen Pech rund um die Sprengung der Felsnase, der halbseitigen Brückensperrung und dem A45-Kummer werde ein Radwegebau noch „on top“ die Situation extrem verschlimmern. „Man muss sich heute schon täglich überlegen, wann man fährt und wie lange man vor der Brücke im Stau steht. Die Menschen beschweren sich zurecht, sind traurig und entsetzt. Man darf sie nicht noch zusätzlich belasten“, findet Jens-Philipp Olschewski.

Fakt ist: Der vorhandene, sehr „spärliche“ Rad- und Gehweg zwischen zwei Leitplanken in Höhe der gesprengten Felsnase an der B236 soll ausgebaut werden. Dazu müssen ein Bauwerk und eine Stützwand errichtet werden, um Platz zu schaffen. Im Juni 2021 wurden deshalb Baugrunduntersuchungen für die geplanten Fundamente durchgeführt. „Zunächst soll der Bewuchs gefällt werden“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Aber auch sie kann aktuell nichts Genaues über den Bauzeitenplan sagen.

Planungen laufen seit vielen Jahren

Die Radwegeplanung ist eigentlich ein alter Hut. „2013/2014 gab es mal einen Termin vor Ort, auch mit der Oberen Wasserbehörde, weil man für den Radweg relativ weit in den Lennebereich bauen wollte. Doch dann ist das Ganze wieder auf Eis gelegt worden. Jetzt gibt es entsprechende kleinere Planungen, die man vor dem Brückenbau umsetzen will“, so Birgit Tupat. Dann würde also der neue Radweg auf die neue Brücke führen und dort fortgesetzt.

„Schön ist anders“, sagt die Bürgermeisterin über den Zeitpunkt des Baus. „Aber der jetzige Radweg entspricht ja überhaupt nicht mehr den Vorgaben. Das ist viel zu eng dort. Niemand darf dir dort entgegen kommen. Und wenn man die Lenneroute irgendwie voranbringen will, muss man Lücken schließen und so etwas instandsetzen, so dass es den heutigen Radfahrer-Ansprüchen gerecht wird.“ Dass den Menschen eine neue Baustelle schwer positiv zu verkaufen ist, sieht auch Birgit Tupat so.

Masterplan Radverkehrsnetz

Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden arbeitet der Märkische Kreis am „Masterplan Radverkehrsnetz MK“. Die Ziele sind klar: sichere und komfortable Radwege auch über Kommunen hinweg zu bauen sowie touristische und überregionale Radverbindungen zu erschließen, wie zum Beispiel die Lenneroute oder den Volmetal-Radweg. An der Gestaltung des kreisweiten Masterplans waren alle 15 Städte und Gemeinden eng beteiligt. Auch die Bürger wirkten aktiv mit, um die Alltagstauglichkeit der Radwegeinfrastruktur zu verbessern. Mehr als 700 verwertbare Rückmeldungen kamen aus einer Online-Bürgerbeteiligung, darunter neben Vorschlägen und Anregungen auch Hinweise zu möglichen Gefahrenstellen. Die Kosten für die Umsetzung des Masterplanes werden bei etwa 149 Millionen Euro liegen.

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