Frühe Erkenntnis: Nicht jeder Vogel ist ein Buchfink

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An Andreas Welzels Haus in Wiblingwerde und insbesondere an jedem Baum in seinem Garten befinden sich Nistkästen. Selbst Fledermäusen hat er ein Heim geben können. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Andreas Welzel aus Wiblingwerde ist Ornithologe mit Leib und Seele. Obwohl zunächst einmal alles darauf hindeutete, dass er dieses Hobby möglicherweise niemals würde ausüben können. Schuld daran war eigentlich sein Vater.

„Papa, was ist das für ein Vogel?“, hatte der kleine Andreas seinen Vater immer wieder gefragt. Und der hatte jedesmal nur die eine Antwort parat gehabt: „Das ist ein Buchfink“. Im Laufe der Zeit wunderte sich Welzel junior allerdings über die vielfältigen Größen, Farben und Gewohnheiten der Buchfinken. Er begann sich für dieses Thema zu interessieren. Und als er eines Tages seinen Vater erneut fragte, welche Vogelart denn wohl im heimischen Garten zu beobachten sei und mit dem Hinweis auf den Buchfinken beschieden wurde, konnte er verbesserten:. „Das ist kein Buchfink, sondern eine Blaumeise“. Von diesem Tage an hatte Andreas Welzel sein Hobby gefunden, und er übt es mittlerweile seit fast 40 Jahren aus.

Damit verband er dann auch eine weitere Leidenschaft, das Fotografieren der gefiederten Tiere. „Vögel bieten sich dazu an“, erklärt er. „Sie sind in der Regel bunt und agil.“ So kaufte er sich als 15-Jähriger eine gebrauchte Kamera und einen tragbaren Kassetten-Rekorder. Denn er hatte sich vorgenommen, die jeweilige Vogelart nicht nur optisch, sondern darüber hinaus auch akustisch erkennen zu können. Die ersten Versuche, die Vogelstimmen mit dem in den Kassetten-Rekorder eingebauten Mikrofon aufzunehmen, waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Doch Welzel war erfinderisch. Er baute sich aus einem alten Parabolspiegel ein Richtmikrofon. In Vorträgen über die heimische Vogelwelt, die Andreas Welzel später hielt, unterlegte er Fotos von Vögeln dann mit dem passenden Gezwitscher.

Mittlerweile hat sich der Hobby-Ornithologe so weit in die Materie einarbeiten können, dass er schon mehrfach vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz als Sachverständiger hinzu gezogen wurde, wenn es darum ging, statistisch Vogelkunde zu betreiben. So war er schon 2002 für diese Institution im Gebiet um Herlsen unterwegs. Die Untersuchungsfläche umfasste rund einen Quadratkilometer und reichte etwa vom Ahorn bis zum VCP-Heim; mittendrin lag Herlsen. Er hatte innerhalb dieser Fläche festzustellen, welche Vogelarten dort existieren, wie viele einzelne Tiere gezählt werden konnten und wie viele Brutpaare dort ansässig waren. Hierbei galt es, unter anderem das Verhalten der einzelnen Vogelarten im Hinblick auf den Klimawandel und die Beeinträchtigung durch den Menschen zu dokumentieren.

Welzel ist auch Mitverfasser eines Buches über die meisten bekannten Vogelarten. Es erschien im Jahre 2009 unter dem Titel „Die Brutvögel Hagens“. Während Welzel für die Beschreibung der einzelnen Gattungen verantwortlich zeichnete, erstellte der Fotograf Stephan Sallermann die Fotodokumentation. Karl-Heinz Tacke ist es zwischenzeitlich gelungen, sich der fachmännischen Beratung und der Mitarbeit Welzels am Projekt „Waldlehrpfad“ zu versichern. ▪ hb

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