Friseurin nutzt Lockdown zur Renovierung ihres Salons

Heike Starke (rechts) engagiert sich gerne und schneidet zum Beispiel beim Hallentrödel (wenn der denn mal wieder stattfinden darf) Haare für den guten Zweck.
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Heike Starke (rechts) engagiert sich gerne und schneidet zum Beispiel beim Hallentrödel (wenn der denn mal wieder stattfinden darf) Haare für den guten Zweck.

Ansatzspray gegen die grauen Haare, vorsichtig den Pony schneiden und ansonsten: lieber ein bisschen verlottern, durchhalten und abwarten. Das rät Heike Starke. Denn bald, so ist die Friseurin vorsichtig zuversichtlich, werden die Salons wieder öffnen dürfen. Sie selbst sitzt auf heißen Kohlen, hofft auf den 14. Februar für einen Re-Start.

Nachrodt-Wiblingwerde – Im Moment renoviert sie „Salon Ilona“, den einzig noch verbliebenen Friseursalon in Nachrodt-Wiblingwerde, mit Unterstützung ihres Mannes in Eigenregie – es gibt neue Farbe an den Wänden, ein paar andere Möbel. „Mein Chef hat mir erlaubt, das zu machen“, sagt die 59-Jährige. Als vor fünf Jahren ihre Chefin verstarb, hat deren Bruder das Geschäft übernommen. Er lebt im US-Bundesstaat Virgina und hat Heike Starke als Geschäftsführerin angestellt. Als solche wuppt sie den Salon mit einer Aushilfe, die drei Mal in der Woche kommt.

Der Lockdown trifft die Branche hart. Den Friseuren in Deutschland – 80 000 Betriebe mit 240 000 Mitarbeitern – steht nach eigenem Bekunden das Wasser bis zum Hals. Bei vielen sind alle Rücklagen aufgebraucht. Am Dienstag gab es deshalb einen Notruf des Zentralverbandes des Deutschen Friseur-Handwerks. Und: Die Sorge vor Schwarzarbeit wächst. „Unmoralische Angebote“ hat auch Heike Starke schon bekommen. „Ich treffe Leute, die dann fragen, ob ich mal auf einen Kaffee vorbei kommen kann. Das mache ich natürlich nicht. Irgendwann sickert das durch und ich kann den Salon nicht mehr öffnen, nur weil einige die Haare schön haben wollen“, erzählt die Friseurin. Sie versteht allerdings, dass viele langsam aber sicher verzweifeln.

Haare selber schneiden

In der ersten Corona-Welle, als die Friseure in Deutschland sechs Wochen zwangsweise geschlossen hatten, hat jeder siebte Bundesbürger sich selbst die Haare geschnitten, wie damals eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. So manch einer greift auch jetzt selbst zu Schere, Rasierer und Farbe. „Viele Männer haben sich eine Haarschneidemaschine gekauft und manchmal helfen sich auch Arbeitskollegen gegenseitig“, weiß Heike Starke. Aber während man vorn den Pony noch irgendwie selbst hinkriegt, sollte man „hinten die Finger von lassen“, sagt die Frisörin schmunzelnd. Farbe könne man sich zur Not auch im Drogeriemarkt kaufen und dann Scheitel für Scheitel ziehen und die Farbe mit Handschuhen auftragen. Ansonsten: Haare einfach wachsen lassen, „dann kommt man mal wieder zu anderen Frisuren“, empfiehlt die Nachrodterin, die sich für den Neustart wappnet. „Die Nachfrage wird sicher sehr groß sein, deshalb öffnen wir dann bis 21 Uhr abends“, verspricht die Friseurin und hofft inständig, dass es Mitte Februar wieder losgehen kann. Die Zwangs-Schließung des Salons empfand sie als krass, weil alle Hygienemaßnahmen ernst genommen und umgesetzt wurden und auch beim Neustart, wann immer er ansteht, an erster Stelle stehen werden. Angst vor einer Ansteckung hat die Friseurin gar nicht und auch alle Kunden können sich sicher fühlen. „Wir tragen FFP2-Masken und haben Trennwände.“

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