Vor der Haustür wachsen schmackhafte Kräuter

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Friedrich Petrasch hatten den Nachrodter Frauen einige Töpfe mit heimischen Wildkräutern mitgebracht, die er über den langen Winter gerettet hatte.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Ursprünglich hatte die Katholische Frauengemeinschaft St. Josef geplant, eine Expedition in die freie Natur zu unternehmen, um heimische Kräuter kennen zu lernen. Doch bisher hat es kaum ein Kräutlein durch den gefrorenen Boden geschafft.

Friedrich Petrasch, den die Nachrodter Frauen als Experten eingeladen hatten, hatte deshalb am Dienstag Kostproben seiner persönlichen Wildkräutersammlung ins Katholische Vereinshaus gebracht. Dort lauschten 15 Frauen mit großem Interesse den Ausführungen des Naturschützers zur heimischen Kräuterwelt.

Eine Tasse heißer Brennnessel-Tee, dessen Zutaten Friedrich Petrasch tapfer selbst gesammelt hatte, bildete die perfekte Einstimmung in den kleinen Ausflug in die heimische Kräuterwelt. Noch während des Einschenkens ließ der Nachrodter Naturfreund Töpfe mit heimischen Wildkräutern herum gehen, die er selbst über den Winter gerettet hatte. Darunter die Knoblauch-Rauke, die botanisch nichts mit den berühmten Knollen zu tun hat, aber wie der Bärlauch einen ähnlichen Geschmack an die Speisen zaubert. „Und man hat hinterher kein Fähnchen“, erklärte Petrasch lachend. Das Scharbockskraut, ebenfalls hier beheimatet, eigne sich ebenfalls als gutes Gewürz. Der Name, so Petrasch, sei auf die Seemannskrankheit Skorbut zurückzuführen. „Die Pflanze enthält viel Vitamin C. Ein Mangel davon löste einst Skorbut aus.”

Von den zwei Kressesorten, die Petrasch mitgebracht hatte, war eine eine echte Rarität: Das plötzliche Auftreten von Brunnenkresse auf einem vom Naturschutzbund gepflegten Teich in Rennerde wird selbst von den erfahrenen Naturschützern als kleine Sensation betrachtet. „Auf einmal war sie da“, erklärte Petrasch. Weitaus weniger selten sind Bitteres Schaumkraut und Rauhe Kresse in unseren Gefilden anzutreffen.

Wer seine Rezepte mit selbst gesammelten Kräutern anreichern will, der sollte vorher nachsehen, wie die Kräuter vor der Blüte aussehen. „Danach sind sie nämlich ungenießbar“, erklärte der Referent. Gleiches gelte für die Blätter heimischer Bäume wie der Linde und der Buche. Im Selbstversuch hatte Petrasch sich auch an junge Haselnussblätter gewagt: „Filzig, aber essbar”, berichtete er von seiner ungewöhnlichen kulinarischen Erfahrung.

Der schmackhafte Bärlauch und das giftige Maiglöckchen sehen sich zwar sehr ähnlich, doch die Verwechslungsgefahr tendiere gen Null, weil das Maiglöckchen viel später wachse, beruhigte Petrasch die Frauen. Er selbst traut sich persönlich nur nicht mehr an den Wiesenkerbel, weil dieser anderen giftigen Arten zu ähnlich sehe.

Im heimischen Garten könnten die Frauen durchaus mal Ausschau halten nach Giersch, Gundermann oder Löwenzahn. „Viele durchaus schmackhafte Kräuter und Gewächse werden als störende Unkräuter abgetan. Wenn Sie sich das nächste Mal ärgern, verbrauchen Sie die Kräuter doch einfach mal“, riet Petrasch, der auch zwei Dressings aus heimischen Kräutern vorbereitet hatte, die er den Damen zur Verkostung anbot.

Die Kräuter-Expedition in die Natur ist übrigens noch nicht vom Tisch: Im nächsten Jahr, so hofft die Frauengemeinschaft, wird der Frühling milder und die Sammlung unter fachkundiger Leitung in freier Natur kann dann doch noch stattfinden. ▪ Ina Hornemann

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