Sturm kommt langsam, aber mit Macht

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Die Kraft des Sturms: In Wörden wurde dieser Pferdetransporter von einem Dachteil einer Reithalle getroffen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Keine Panik. Das war am Donnerstag die Devise. Und doch war auch den Hartgesottenen mulmig. Und mit Recht. Bäume stürzten auf die Straßen, wie an der Hagener Straße und auf der L693. Äste brachen ab, ein Wellblechdach verabschiedete sich, Autos wurden beschädigt, ein Pferdetransporter in Wörden. Dabei schlich sich der Orkan Friederike förmlich heran.

Während in Nachrodt die Bäume gerade mal im Wind schaukelten, hob schon das erste Dach auf den Höhen ab. Um 10.30 Uhr besetzte die Feuerwehr die Gerätehäuser in Nachrodt und Wiblingwerde, richtete eine eigene Kommandozentrale für die Gemeinde ein und war in höchster Alarmbereitschaft.

Und kurze Zeit später ging es auch schon los. Acht Einsätze bis zum Mittag - Höchstanstrengungen für die Feuerwehrmänner und -frauen, die dann ein Fahrzeug mit Besatzung zur Unterstützung der Iserlohner Kollegen abkommandierten. Menschen wurden nicht verletzt. Die Brachtenbecke zwischen der L692 und Altena musste kurzzeitig komplett gesperrt werden - ebenso die B236 zwischen Nachrodt und Letmathe, da ein Baum in Höhe Hagener Straße 150 auf der Bundesstraße lag. Um 13.45 Uhr hatten die Feuerwehrkräfte bereits 13 Einsätze hinter sich. Bei der Firma Mella flog das Dach daher, in der Klingestraße waren es Fassadenteile eines Hauses, in Rennerde stürzte ein großer Ast auf ein Auto, am Branten Hahn wirbelte ein Weidezelt durch die Gegend, in Wiblingwerde machten sich Mülltonnen selbstständig, Schilder und Zäune knickten um, an der Seka-Zufahrt lagen Bäume auf der Straße

Schon frühmorgens war allerorts diskutiert worden: „Kann ich mein Kind zur Schule schicken?“ - „Soll ich zur Arbeit fahren?“ Meterologen hatten vor Orkanböen bis zu 160 Stundenkilometern gewarnt. Gedanken an Kyrill vor exakt genau elf Jahren kamen nicht von ungefähr. Unter anderem hatte es damals die Lennehalle mächtig erwischt. In Wiblingwerde waren Bäume auf das Dach des Waldkindergartens gestürzt. In den Serpentinen lag alles in Schutt und Asche.„Wer damals dabei war, hat heute noch Gänsehaut“, meinte Wehrleiter Mark Wille, der sich gestern schon morgens sehr sicher war: „Da kommt was auf uns zu.“ Aber wie schlimm würde es tatsächlich werden? Nicht so schlimm wie damals. In Vorbereitung auf „Friederike“ war das Personal in der Kreisleistelle verdreifacht worden. Bürgermeisterin Birgit Tupat schickte die Kollegen nach Hause, nur noch die Führungskräfte waren im Amtshaus. „Alles andere ist unverantwortlich“, so Birgit Tupat.

„Wir haben auch über die Whatsapp-Gruppen empfohlen, die Kinder nicht zur Schule zu schicken“, so Sekundarschulleiterin Anne Rohde, die gestern mit ihrem Kollegium eigentlich Unterricht anbieten wollte. Alle Lehrer waren vor Ort. Und 60 Kinder kamen tapfer zum Holensiepen. „Aber der Sturm baut sich so auf, dass später vielleicht keine Busse mehr fahren. Deshalb haben wir die Kinder angehalten, zu Hause anzurufen und sich nach Möglichkeit abholen zu lassen.“ Nach der zweiten Stunde war Schluss. Alleine sollte aber auf keinen Fall ein Kind unterwegs sein. Und so wurden auch Fahrgemeinschaften gebildet. Eltern mussten sich als Organsiationstalente beweisen. Kinder, die keine Möglichkeit hatten, nach Hause zu kommen, wurden betreut. „Ich bleibe, bis der Letzte aus dem Haus ist“, schmunzelte Anne Rohde, die auch die Lehrer nach Möglichkeit Richtung Heimat schickte. „Viele kommen ja von weit her.“

Auch an der Grundschule wurde umsichtig gehandelt. 63 Mädchen und Jungen kamen zum Standort Ehrenmalstraße, 46 in die Grundschule Wiblingwerde. Alle Lehrkräfte waren da. Aufgrund der Unwetterwarnung endete der Unterricht nach der zweiten Stunde - was über Whatsapp-Gruppen, Telefonketten und auf der Internetseite angekündigt war. OGS und Betreuung wurden angeboten. Grundsätzlich entschieden im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg die Eltern, ob der Weg zur Schule für die Kinder zumutbar war, oder ob er aufgrund der Sturmbedingungen als zu gefährlich erschien.

Und gefährlich war es. Auf jeden Fall. Dass sich Leute trotz Warnung sogar in den Wald begaben, wundert Förster Christof Schäfer nicht. Er selbst konzentrierte sich gestern auf Büroarbeiten. „Die Bäume festbinden kann man ja nicht“, schmunzelte er. Beim letzten Sturm Anfang Januar seien einige Bäume gefallen und man sei fast fertig mit den Aufbauarbeiten. „Vielleicht müssen wir wieder von vorne anfangen“, so Schäfer.

„Ich denke aber, dass die Böden nicht mehr so durchgeweicht sind.“ Das wirkliche Ausmaß von „Friederike“ könne man erst am Freitag sehen, meint Schäfer. Beim Forstamt wurde übrigens eine Rufbereitschaft eingerichtet - In Notfällen für Waldbesitzer und Feuerwehr.

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