Von Zartphones und natürlichen Weichmachern

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Frieda Braun in typischer Pose, besorgt um das Sauerland.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Den Startschuss für einen ganz anderen Umgang der Bewohner von Nachrodt-Wiblingwerde und Umgebung miteinander gab am Donnerstagabend Frieda Braun in der Rastatt.

Erfolgreich erprobte sie mit einem der wenigen Männer unter den Besuchern den charmanten Begrüßungsdialog: „Manfred, du bist schön“ – „Frieda, du bist schön!“ Und fast hätte die Kabarettistin aus dem Hochsauerland Manfred am Ende noch dazu gebracht, die versammelten Frauen entsprechend zu verabschieden. Das klappte nicht so ganz, aber den Charme der Idee eines solchen Umgangs miteinander (und mit sich selber), nahmen viele Besucherinnen mit nach Hause. „Man soll sich selber jeden Tag ein Kompliment machen.“ Für die ganz Mutigen gab es eine weitere Empfehlung: Ab vor den Spiegel, am besten im Nachthemd – ohne Nachthemd werde es möglicherweise schwierig.

Die Schönheit, ihr Verblassen und was Frau dagegen tun kann – das waren wichtige Themen an diesem Kabarettabend, zu dem die SPD Nachrodt-Wiblingwerde eingeladen hatte. Der Saal war so voll, wie er nur sein konnte, und er bebte häufig an diesem Abend. Denn natürlich präsentierte Frieda Braun ihre Themen mit sprachlichem Witz und jener Bodenständigkeit, die dem Sauerländer gemeinhin nachgesagt wird („Er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden drin!“). Schwer entflammbar sei dieses Geschlecht – außer durch natürliche Weichmacher: „Warsteiner, Veltins, Krombacher“. Nachrodt-Wiblingwerde betrachtete Friedas dabei noch als ihr Zuhause: „Ihr seid noch Sauerländer. Ihr lebt am Grenzstreifen.“

Niemand wollte an diesem Abend eine Mauer bauen. Und so fühlten sich viele sehr gut verstanden, als es um die kleinen Probleme des Alltags ging: „Wie kann man Menschen helfen, die nur noch an ihren Beruf denken?“ „Wie viele Ehen gehen auseinander, weil sie zu schlau geworden ist?“ Damit eng verbunden war ein weiteres Thema: „Welches Kraut aus dem Garten kann ich gebrauchen, wenn ich mal jemanden loswerden möchte?“ Ganz plötzlich tauchte der demographische Wandel auf: „Es gibt immer weniger Sauerländer.“ Frage also: „Wie kann man Zugelaufene hierhalten?“ Und es folgte als Antwort eine jener zarten Umschreibungen, die Frieda Braun meisterlich beherrscht: „Durch Zweisamkeit. Ich denke jetzt mal nicht an tagsüber. Und dass man nicht nur ans eigene Vergnügen denkt, sondern auch ans Sauerland.“

Solche staatstragenden Vorschläge machten Spaß – genauso wie die Fülle an Sprachspielen und Verballhornungen dessen, was die „Generation Technik“ an Neudeutsch so drauf hat: Läpptoops und Zartphones, gegurgeltes Wissen und getoastete Nachrichten forderten die Lachmuskeln aufs Schönste. ▪ Thomas Krumm

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