Freude über Alltagsdinge ist riesengroß

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Ingrid Plaga und Heinrich Hülle berichteten bei der Evangelischen Frauenhilfe Wiblingwerde über die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Es geht darum, Kindern, die sonst wenig Freude in ihrem Leben haben, einmal eine kleine Freude zu bereiten“, sagt Hermann Hülle. Seit acht Jahren organisiert er mit seiner Ehefrau Inge in der Doppelgemeinde die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Am Mittwoch berichtete der Rennerder davon bei der Evangelischen Frauenhilfe Wiblingwerde.

Für den Vortrag hatte sich Hülle Verstärkung mitgebracht: Ingrid Plaga aus Plettenberg, die selbst schon einmal bei einer Verteilung der Weihnachtsgeschenke in Slowenien dabei war, berichtete von ihren Erlebnissen. In den großen Städten sei dort von der Armut zwar nicht viel zu sehen, sagte sie. „An den Stadträndern herrschen aber Zustände, wie man sie in Europa nicht für möglich hält“, berichtete sie von den ärmlichen Verhältnissen, in denen die Kinder dort aufwachsen müssen. Mit einem Film zeigte Plaga in bewegenden Bildern auch die erschütternden Lebensumstände in Rumänien auf: Jeder vierte Einwohner der EU-Landes muss dort von weniger als einem Euro pro Tag leben, und selbst wer arbeitet, verdient nicht mehr als 300 bis 400 Euro im Monat.

Den Kindern in solchen Ländern einmal im Jahr, zu Weihnachten, ein Geschenk zu überreichen, hat sich die Berliner Organisation „Geschenke der Hoffnung“ zur Aufgabe gemacht. Unterstützung erhält der Projektträger dabei aus vielen Teilen Deutschlands, auch aus Nachrodt-Wiblingwerde. In der Doppelgemeinde widmen Hermann und Inge Hülle mit einigen Helfern einen großen Teil ihrer Freizeit dafür, von der spendenbereiten Bevölkerung gefüllte Schuhkartons entgegenzunehmen, unter zollrechtlichen Gesichtspunkten zu überprüfen und auf den Weg in eins der insgesamt 100 Empfängerländer zu bringen. Manche Karton füllen die Hülles auch selbst mit Geschenken, die sie von gespendetem Geld günstig erstehen. „In diesem Jahr waren wir schon vier Mal einkaufen“, berichtete Hermann Hülle von den Fahrten, bei denen er und seine Frau unter anderem Textilien, Schreibgeräte und Süßigkeiten besorgt haben. Den weitaus größten Teil der oft mit buntem Papier beklebten Schuhkartons erhalten sie jedoch bereits gefüllt: Wärmende Mützen, Schals und Handschuhe haben die Menschen aus Nachrodt-Wiblingwerde und Umgebung ebenso hineingepackt wie Spielsachen, Stifte, Hygieneartikel und ganz oft auch ein Kuscheltier. „Der Inhalt sollte immer eine bunte Mischung sein“, hatte Ingrid Plaga am Mittwoch einen Rat für die Wiblingwerder Frauen parat. Sie weiß sehr gut, worüber sich die Kinder in Osteuropa, aber auch in Haiti und Afrika freuen. „Die Freude über Alltagsdinge ist riesengroß, weil sich die Familien oft die banalsten Dinge nicht leisten können“, schilderte Ingrid Plaga. „Für manche Kinder ist das das erste und einzige Geschenk in ihrem Leben. Das bleibt in Erinnerung“, sagte sie weiter. Die meisten Pakete seien übrigens immer für Mädchen zwischen fünf und neun Jahren, die wenigsten für Jungen zwischen zwei und vier und zwischen 10 und 14 Jahren bestimmt.

Aus der Doppelgemeinde sind seit 2004 schon 2320 Päckchen auf den Weg gegangen, im vergangenen Jahr waren es 338. Auch dieses Mal sollen wieder mindestens 300 Geschenkkartons gepackt werden, hat sich Hermann Hülle zum Ziel gesetzt. „Wir gehen in jedes Haus, zu jeder Familie“, verrät er sein Rezept, die Menschen für die Idee zu begeistern, fremden Kindern in den armen Ländern der Erde eine Freude zu bereiten. Und fast immer kommen die Spender aus Nachrodt-Wiblingwerde und Umgebung auch für die anfallenden Transportkosten auf. „Sechs Euro kostet der Transport eines Schuhkartons in die Empfängerländer. Dafür haben wir selbst nicht ausreichend Geld“, sagt Hülle und freut sich deshalb, dass viele Spender auch diese Summe noch auf das Paket drauflegen.

Die Aktion beginnt in Nachrodt-Wiblingwerde Anfang Oktober. Bis zum 15. November nehmen Hermann und Inge Hülle (Tel. 0 23 52/3 23 05), aber auch die Wiblingwerder Küsterin Barbara Böhland gefüllte Schuhkartons entgegen. Außerdem können die Spenden im Evangelischen Gemeindehaus in Wiblingwerde abgegeben werden. Die Ansprechpartner halten auch Flyer bereit, aus denen genau hervorgeht, was in die Schuhkarton hineingepackt werden darf. Außerdem beinhalten die Informationsblätter kleine Aufkleber, die auf den Paketen befestigt werden müssen, damit schon von außen sichtbar ist, für welche Altersgruppe der Inhalt bestimmt ist und ob sich ein Junge oder ein Mädchen darüber freuen kann. ▪ vg

http://www.weihnachten-im-schuhkarton.de

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