Freilaufende Hunde jagen angeblich Rinder

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Freilaufende Hunde bleiben ein brisantes Thema in der Doppelgemeinde. Aber nicht nur Jäger ärgern sich über die Rücksichtslosigkeit einiger Hundehalter. Auch die Landwirte zeigen sich zunehmend genervt. Denn nicht nur Hundekot im Viehfutter oder tobende Hunde im Getreide sind ein Ärgernis. In den vergangenen Wochen sollen freilaufende Hunde nicht nur Wild gejagt haben, sondern auch Rinder, die sich derzeit auf den Sommerweiden befinden.

„Ich bin stinksauer und habe die Schnauze voll“, beschwert sich Dieter Simon. Der Landwirt aus Haste ist einer der Betroffenen. „Jedes Wochenende renne ich mit meiner Familie durch den Wald um meine Tiere wieder einzufangen. Das ist doch nicht normal“, berichtet er. Seit Ende Mai sind die Rinder auf der Weide. Ein Teil der Rinder grast in Nähe der Brenscheider Ölmühle. Der Rest unterhalb des Waldstückes. Beide Wiesen liegen an beliebten Wanderrouten, die an sonnigen Tagen von zahlreichen Spaziergängern genutzt werden. „Wir können davon ausgehen, dass spätestens am Sonntag ein Anruf kommt, dass unsere Tiere wieder einmal unterwegs sind“, erzählt der Landwirt.

Für das Weglaufen von Rindern gibt es verschiedenste Gründe: Zu wenig Futter oder schlechte Zäune sind häufig ein Grund. Nicht so in diesem Fall. „Dieters Zäune sind top in Ordnung und stabil. Besser geht es kaum. Daran kann es nicht liegen“, so Nachbar Ernst-Jörg Pühl. Und auch Futter sei noch in großem Maße vorhanden.

„Die Art, wie die Tiere weglaufen, zeige, dass sie in großer Panik waren“, erklärt Simon. So seien sie einmal beispielsweise bergauf über einen Zaun gesprungen, hinter dem sich sogar noch eine hohe Böschung befindet. Drei Zaunstickel seien dabei ausgerissen worden und der Draht gerissen. „So etwas macht ein Tier nicht einfach so.“ Auf den Weiden finde er immer wieder Stöckchen von den Hunden. „Die Rinder liegen normalerweise friedlich auf der Wiese, kommt aber ein Hund auf die Wiese gerast, der beispielsweise ein Stöckchen sucht, springen sie auf. In dem Moment ist der Jagdtrieb in dem Tier geweckt“, so Simon, das sei schließlich nur natürlich. Allerdings unterschätzten viele Hundebesitzer das Jagdpotenzial ihres Vierbeiners. Sind die Rinder einmal in Panik ans Laufen kommen gibt es kein Halten mehr. „Die können in der Aufregung weit rennen. Ich hoffe, dass sie nie auf die L692 oder gar die A45 laufen, beide sind nicht weit entfernt“, erklärt er sorgenvoll.

Abgesehen davon tragen die jungen Tiere nicht nur einen Schock fürs Leben mit davon, sondern auch so manch eine Verletzung. „Wir hatten schon ein Tier mit Bisswunden an den Hinterbeinen. Andere haben Schnittwunden an den Mäulern, der Brust und den Vorderbeinen von den Zäunen“, berichtet er. Dabei seien die Rinder einiges gewohnt. „Sie wachsen hier direkt an der Straße auf und kennen Hunde, Fußgänger, Trecker und Pferde. Da muss schon mehr passieren, dass sie derart in Panik geraten“, so Simon.

Unverständnis bei manchen Hundehaltern

Simon ist selbst Hundebesitzer und kann die Ignoranz der Hundehalter nicht nachvollziehen. „Ich mag Hunde. Mein Hund darf auch frei herumlaufen, allerdings nur zu Hause. Im Wald gehören die Tiere an die Leine. Ich kann nicht verstehen, wo da das Problem liegt.“ Ihm geht es in keiner weise darum, den Hunden ein langweiliges Leinenleben zu verschaffen. Viel mehr geht es ihm um den Schutz seiner Tiere und möglicher Dritter, die durch die in Panik geratenen Tiere verletzt werden könnten.

„Irgendwann reicht es auch mal. Meine Frau und ich wollten am vergangenen Samstag ins Theater. Und was war, bis abends um neun musste ich wieder meine Tiere suchen. Das kann es doch nicht sein“, beschwert er sich. Er selbst hat bereits probiert, Hundehalter mit freilaufenden Tieren auf das Problem aufmerksam zu machen. „Dann kommt entweder „Mein Hund macht so etwas nicht“, oder ich werde direkt aggressiv angegangen. Es ist Zeit für ein Umdenken. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.“ -lm

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