Backsaison beginnt mit einem neuen Mann vor dem Ofen

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Hans-Otto Camphausen und seine Mannschaft backen ab dem 3. Mai in der Brenscheider Kornmühle wieder an jedem ersten Samstag im Monat frisches Brot.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ab Samstag, 3. Mai, wird im Backhaus der Brenscheider Kornmühle wieder regelmäßig gebacken. An jedem ersten Samstag im Monat wird dann der große Steinbackofen angeheizt, um darin etwa 150 rustikale Brote zu backen.

„Schon am Tag vor dem ersten Backtag bringen wir die im Winter ausgekühlte Backstube auf Temperatur“, erklärte Hans-Otto Camphausen, der selbst schon seit 30 Jahren vor dem Ofen steht und an den Backtagen von einem fünfköpfigen Helferteam unterstützt wird. Neben seiner Ehefrau Barbara sind das ebenfalls schon seit vielen Jahren Raimund und Gabi Krajcy sowie Rosi Schiller. Neu hinzu kommt in diesem Jahr Franz Grünewald. Camphausens Sohn stellte den Kontakt zu dem gelernten Bäcker aus Kirchhundem her, der daraufhin im vergangenen jahr schon einmal zum Probebacken in der Brenscheider Mühle war. „Das hat schon Spaß gemacht“, sagt Grünewald über die Brotherstellung nach alter Väter Sitte. Der 48-Jährige hat in den 1980er Jahren eine Bäckerlehre gemacht, wechselte später aber in die Industrie. An der Seite von Hans-Otto Camphausen will er nun von Mai bis Oktober einmal im Monat sein erlerntes Handwerk wieder ausüben.

Gebacken wird nach dem Traditionsrezept von Fritz Stechele aus Sundern. Der unterrichtete vor rund 30 Jahren als Lehrer an der Bäckerfachschule in Lüdenscheid und brachte das Rezept für das Körnerbrot ins einsame Brenscheider Tal. Damit das Brot gelingt, geht es am Morgen bereits um 6 Uhr los, denn die Vorbereitungen dauern fast drei Stunden: Der Brotteig muss zubereitet und der Backes auf eine Temperatur von 290 bis 300 Grad aufgeheizt werden. „Nur dann kann man darin Brot backen“, weiß Camphausen, der sich in diesem Jahr eigentlich aus der Backstube zurückziehen wollte, es sich dann aber doch anders überlegt hat. „Ich bin zwar schon 71, aber ich fühle mich noch so fit, dass ich jetzt doch noch weitermache“, erzählt er.

Nach einer Stunde Backzeit kommen gegen 10 Uhr die ersten Steinofenbrote frisch aus dem Ofen. Ein zweiter Backgang endet gegen 14 Uhr. Die etwa ein Kilo schweren Laibe werden jeweils noch ofenwarm für 3,50 Euro pro Stück verkauft. Ein akzeptabler Preis, wie Camphausen meint. „Wir wollen daran ja nicht viel verdienen. Eigentlich backen wir nur zur Brauchtumspflege“, sagt der Besitzer der gut 400 Jahren alten Mühle.

Rund um die Backtage an jedem ersten Samstag im Monat findet auch immer ein kleiner Landmarkt statt. Dort können sich die Kunden, die längst nicht mehr nur aus der Doppelgemeinde, sondern aus dem weiten Umkreis zur Brenscheider Mühle kommen, unter anderem mit frischen Eiern und hausgemachten Wurstspezialitäten eindecken.

Übrigens: Wer die Wartezeit auf frisches Brot überbrücken will, kann das im Brenscheider Bachtal gut mit einer Wanderung tun. Rund um die Mühlen gibt es fünf themenbezogene Wanderwege: den Forellenweg (20 Minuten, 2 Kilometer), den Eulenweg (60 Minuten, 4 Kilometer), den Wildschweinweg (120 Minuten, 6 Kilometer), den Fuchsweg (120 Minuten, 6 Kilometer) und den Genießerweg (Tagestour, 21 Kilometer). - Volker Griese

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