Fräse aus England: Wiblingwerder Firma kauft 325.000 Euro teure Maschine 

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Die neue Fräse zeigt Firmenchef Udo Wachsmuth.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Konjunktur hat ihre Talsohle noch nicht erreicht. Doch in Wiblingwerde wird fleißig investiert: 325.000 Euro für eine neue Fräse. Für die wurde sogar umgebaut.

Die heimischen Unternehmen sind zuversichtlich bezüglich der wirtschaftlichen Lage. Kurzarbeit ist beispielsweise weder bei den Walzwerken Einsal noch bei Wachsmuth in Sicht. 

Das Werkzeugbau-Unternehmen in Wiblingwerde hat in dieser Woche eine neue Maschine bekommen, für die das Gebäude an der Harpkestraße sogar umgebaut werden musste. 18 Stunden war der Lkw unterwegs, um die 325 000- Euro-Maschine von England ins Höhendorf zu transportieren. 

Ein riesiges Tor musste zuvor gebaut, eine Wand komplett rausgerissen werden, um die 19 Tonnen schwere Errungenschaft – 5,50 Meter breit, drei Meter hoch – in die Halle hieven zu können. Und doch gab es vor Ort noch einige Probleme. 

Auf dem neuen Fräs-Bearbeitungszentrum können Stahlplatten mit bis zu 3000 Millimetern Länge gebohrt bzw. fräst werden. So gibt es den Vorteil, dass keine Zwischenschritte und kein Umbau mehr nötig sind. „Wir machen große Werkzeuge und mussten immer stückeln, umdrehen, wieder aufspannen“, erklärt Udo Wachsmuth, Geschäftsführender Gesellschafter, die notwendige Investition. 

Die Auftragslage ist aber auch in Wiblingwerde ein Thema: „Es ist etwas ruhiger geworden“, sagt Udo Wachsmuth. Investitionen und Entscheidungsfreudigkeit seien aktuell grottenschlecht. 

Aber an der neuen Maschine sei Arbeit für die nächsten Monate gesichert. „Und dann geht es wieder mit der Wirtschaft.“ 

Die Firma Wachsmuth hat Kunden weltweit. „In fast jedem Land haben wir unsere Werkzeuge stehen.“ Der große Vorteil ist die breite Vielfalt. „Wir sind nicht automobillastig, haben von unserem Gesamtumsatz vielleicht fünf Prozent im Bereich Automobil, der Rest ist im Lebensmittel- und Pharmabereich“, sagt Udo Wachsmuth. 

Ein Beispiel: der Müller-Becher zum Knicken. Dieser wird mit den Werkzeugen aus Wiblingwerde hergestellt. Ebenso Werkzeuge für Brems- oder Airbagteile. Zehn Patente hat die Firma, die für fast 15 000 Euro im Jahr verlängert werden, damit kein anderer Zugriff auf „made in Wiblingwerde“ hat.

 „Wir haben eigentlich ständig Verbesserungen bei den Werkzeugen – mit automatisch einstellbaren Messern beispielsweise. Die Kunden verlangen Innovation. Auch sie müssen sich von anderen abheben können“, erklärt Udo Wachsmuth, der 1987 seine Lehre als Werkzeugmechaniker im Wiblingwerder Unternehmen gemacht hat. Der Meistertitel kam 1995. 

Als der Vater sich mehr und mehr zurückzog, übernahm Udo Wachsmuth die Leitung. Im Juni 2018 wurden seinem Bruder und ihm die Firmen in Wiblingwerde und Lüdenscheid überschrieben. 

39 Mitarbeiter – die meisten Werkzeugmacher – sind bei Wachsmuth in Wiblingwerde beschäftigt. Es gibt zwei Auszubildende zum Werkzeugmacher und eine Produktdesignerin in Ausbildung. Der Facharbeitermangel ist durchaus existent, sagt der Firmenchef, der seinen Schreibtisch nicht irgendwo in der oberen Etage hat, sondern direkt bei seinen Leuten. Kurze Wege, schnelle Informationen. 

Aktuell sucht er gute Mitarbeiter, „weil drei Leute in den nächsten zwei Jahren in Rente gehen.“ Dass der Standort ein Problem ist, um Fachleute zu locken, glaubt der 48-Jährige übrigens nicht. 

Der große Vorteil des Familienunternehmens liegt im Miteinander. Apropos Standort: Nach dem Bau des Verwaltungsgebäudes sind die räumlichen Erweiterungsmöglichkeiten in Wiblingwerde erschöpft. „Wir müssen hier mit dem Platz, den wir haben, zurechtkommen“, sagt Udo Wachsmuth. 

Der Aufbau der neuen Maschine wird etwa eine Woche dauern. Dass die Maschine aus England angeliefert wurde, bringt automatisch das Thema Brexit auf den Plan. „Dann hätte sie zwei Tage länger gebraucht, weil sie im Zoll gestanden hätte“, schätzt Udo Wachsmuth. Die Engländer, so sagt der Firmenchef, können gar nicht ohne Europa. Er glaubt: „Die gehen unter.

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