Die Taube bei Laune halten

Sie fliegen wieder: Corona-Pause bereitet Taubenzüchtern Probleme

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Nachrodt-Wiblingwerde – Seit zehn Tagen sind Brieftauben wieder auf der Reise. Auch die Taubenzüchter blieben von den Corona-Maßnahmen nicht verschont. Diese Einschränkungen gab es.

Rund ums Haus fliegen war erlaubt, aber keine Distanzflüge, bei denen die Tiere in einer großen Entfernung zu ihrem Schlag freigelassen werden und sie dann eine lange Strecke zurückfliegen, wie es bei Wettkämpfen üblich ist. Jetzt ist das zwar unter bestimmten Bedingungen wieder möglich, der Rhythmus ist jedoch sehr durcheinandergeraten.

„Normalerweise hätten die ersten Übungsflüge schon Anfang April stattgefunden“, erklärt Martin Blach, Vorsitzender des Brieftaubenzuchtvereins Heimatliebe Nachrodt und Geschäftsführer der Reisevereinigung (RV) Lennetal-Letmathe, zu der der Verein gehört. Das Training hat sich wegen der Corona-Pandemie nun um mehr als einen Monat verschoben. Vergangene Woche wurden die Tauben zum ersten Mal eingekorbt, einen Tag später fand der erste Übungsflug von Freudenberg aus statt.

„Es ist alles sehr gut gelaufen. 60 Kilometer ist eine mittlere Entfernung“, erklärt der Vorsitzende. Er selbst ist seit vergangenem Jahr nicht mehr aktiv, sein Vereinskollege und Flugleiter der RV, Dietmar Wiggenbröker, setzte jedoch 100 Tauben zum ersten Flug frei. Insgesamt starteten in der Reisevereinigung 800 Tauben.

„Die Tauben litten nicht darunter, dass sie in den letzten Wochen nur am Haus fliegen durften. Aber es fand kein geregeltes Training statt, um sie an die Distanzflüge zu gewöhnen“, sagt der Vorsitzende. Und das ganze Jahr ist auf die Flüge und den Wettbewerb abgestimmt. Alles ist terminiert: Wann die Tauben ihre Elternaufgaben beenden, wann sie vor der Trainingsphase zugefüttert werden müssen und wann die Geschlechter getrennt werden.

Brieftaubenzüchter.

„Jetzt ist alles durcheinandergeraten. Den Rhythmus wie die Jahre zuvor gibt es nicht. Jeder musste sich in dieser Übergangszeit etwas einfallen lassen, um seine Tauben bei Laune zu halten und irgendwie einen Rhythmus beizubehalten“, berichtet Martin Blach. Die Taubenzüchter mussten zum Beispiel darauf achten, dass die Tiere nicht zu früh in Topform sind und sie diese wieder verlieren. Am Freitag fand der zweite Trainingsflug mit einer Distanz von 100 Kilometern statt und ein weiterer ist in diesen Tagen mit 150 Kilometern.

Am kommenden Wochenende kann der erste Preisflug von Aschaffenburg aus stattfinden – mit einer Entfernung von 190 Kilometern. Bis zum Ende der Saison steigern sich die Wertungsflüge normalerweise bis zu einer Distanz von 600 Kilometer – von Enns in Österreich zurück nach Hause. „Das ist der wichtigste Flug für die meisten, um Deutscher Meister werden zu können“, sagt Martin Blach.

Dieses Mal hängt die Durchführung nicht nur vom Wetter ab, sondern auch vom Flugplan. Dieser wurde schon vor der Coronakrise erstellt. Eventuell könnte die Saison verlängert werden, aber sie einfach beliebig nach hinten auszudehnen, sei nicht möglich. „Die Tauben beginnen irgendwann zu mausern. Wenn das zu weit fortgeschritten ist, haben sie nicht mehr die optimalen Flügel“, erklärt der Vorsitzende das Problem. Zeitnah wird ein neuer Reiseplan erstellt.

Und noch immer läuft nicht wieder alles seinen gewohnten Gang. Auch die Taubenzüchter müssen Hygiene- und Verhaltensvorschriften einhalten und dem Regionalverband ein zusätzliches Einsatzkonzept vorlegen. Laut Vorgabe sollen das Einkorben der Tauben in den Kabinenexpress, aus dem sie losfliegen, in allen Einsatzstellen immer die gleichen Sportfreunde, mit maximal vier Personen übernehmen.

„Normalerweise kommen alle Taubenzüchter gleichzeitig an, und die Körbe werden an zwei Teams der Uhreneinsatzkommission übergeben“, sagt Martin Blach. Jetzt müsse jeder in seinem Wagen warten, bis er an der Reihe ist, die Körbe werden einzeln übergeben. Zudem wird eine Person zur Überwachung der Verhaltens- und Hygieneregeln abbestellt, eine weitere überwacht den Zugang zur Einsatzstelle. „Beim ersten Flug haben sich die Taubenzüchter auch immer viel zu erzählen, wie sie durch den Winter gekommen sind“, sagt Martin Blach. Doch nicht nur die Geselligkeit falle durch die Schutzmaßnahmen weg.

Die Einsatzzeit dauert durch die neuen Regeln auch doppelt so lange. Dadurch ergeben sich höhere Kosten für den Fahrer des Kabinenexpresses. Bisher sei noch offen, ob die Mehrkosten jeder Züchter selbst tragen muss oder der Verband sie übernimmt. Ein Bereich, in dem die Verhaltensregeln leichter einzuhalten sind, ist die Übertragung der Ankunftszeiten der Tauben einzelner Züchter.

„Die elektronisch erfassten Ankunftszeiten werden üblicherweise am Rückkehrtag der Tauben von den Züchtern zur Einsatzstelle in Lasbeck gebracht und dort in den Hauptcomputer eingelesen“, berichtet Martin Blach. Mittlerweile sei allerdings auch eine andere Datenübertragung möglich: ein Fernabschlag. Die Wettbewerbsteilnehmer können damit die Ankunftszeit ihrer Tauben von Zuhause aus an die Einsatzstelle übermitteln. Martin Blach sagt: „Gerade jetzt in Zeiten von Corona ist das eine super Sache.“

Alle Informationen zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region, lesen Sie hier in unserem Live-Ticker für den Märkischen Kreis.

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