Ein Hektar Wald gerodet

Fichtentod in Finkingsen: Ganzes Waldstück verschwunden

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Das Waldstück direkt an der Lenne ist kein optimaler Standort für Fichten. Das war vor 60 Jahren, als diese bei Finkingsen gepflanzt wurden, aber noch nicht bekannt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Fichten sind in großer Bedrängnis: Trockenheit und der Borkenkäfer setzen den Nadelbäumen über Gebühr zu. Das gilt auch für einen Bestand bei Finkingsen, der jetzt der Motorsäge zum Opfer gefallen ist. 

Es handelt sich nach Angaben von Förster Christoph Schäfer um eine Fläche von rund einem Hektar, deren Bewuchs etwa 60 Jahre alt ist. Ein Hektar entspricht 10 000 Quadratmeter – oder etwas mehr als einem Fußballfeld.

Der Bestand gehört den Stadtwerken Iserlohn und liegt in unmittelbarer Nähe von deren Wasserversorgungsanlage. Gefällt wurde er von einem privaten Forstwirt im Auftrag des Revierförsters. Es handelt sich um eine sogenannte Auenlage unmittelbar an der Lenne. 

Gerodet: Rund ein Hektar Wald wurde in Finkingsen gefällt. Die Fichten waren abgestorben.

Kein optimaler Standort für Fichten, das ist Förster Christoph Schäfer klar. Eschen oder Hainbuchen seien hier aus heutiger Sicht eher Bäume der Wahl. Vor 60 Jahren habe man das aber anders gesehen, da sei es schlicht um die Verfügbarkeit von Bauholz gegangen.

Friedrich Petrasch, Pressesprecher des Naturschutzbundes im Märkischen Kreis, spricht sich dafür aus, im unmittelbaren Uferbereich der Lenne auf Weiden als Neuanpflanzung zu setzen. 

Im östlichen Bereich seien Buchen und Eichen zu empfehlen. „Da gehört keine Fichte hin“, sagt der Nachrodt-Wiblingwerder. Diesen Standpunkt habe er im Landschaftsbeirat schon lange vertreten. "Jetzt hat mir der Borkenkäfer die Arbeit abgenommen."

Fichten unterliegen doppeltem Stress 

Zwei sehr trockene Sommer – 2018 und 2019 – haben dafür gesorgt, dass so gut wie alle Bäume Schwierigkeiten haben, aber die Fichten hat es ganz besonders hart erwischt. Die auch als „Brot-und-Butter-Baum“ beschriebene Pflanzengattung aus der Familie der Kieferngewächse kämpft vielerorts ums Überleben. Für zahlreiche Bäume ist es aber bereits zu spät. Zu sehen ist das fast überall. Die Kronen oder der ganze Baum sind braun, kein Lebenszeichen mehr. Neben dem Wassermangel setzen der Fichte Schädlinge wie der Borkenkäfer und der Buchdrucker massiv zu. Sehr kleine Tierchen eigentlich, und doch braucht es nur etwa 150 von ihnen, um einen großen Baum zum Absterben zu bringen, berichtet Förster Franz-Josef Stein. Vitale Bäume können sich durchaus gegen die Schädlinge wehren, indem sie einen kräftigen Harzfluss in Gang setzen. Für die durch Trockenheit geschwächten Fichten aber ist das keine Option mehr. Fast 57 Prozent der Gemeindefläche von Nachrodt-Wiblingwerde (29 Quadratkilometer) sind mit Wald bestanden. Das sind rund 1630 Hektar.

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