Waldbauern spüren die Nachwirkungen von Kyrill

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Forstoberinspektor Christof Schäfer legte die Zahlen des Wirtschaftsjahres 2012 vor. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Nachwirkungen von Orkan Kyrill bringen den heimischen Waldbesitzern noch immer Verlustgeschäfte: Viel Geld wird derzeit auf dem Markt für Fichtenholz gezahlt, doch jene Bestände hatte der Orkan eben vor wenigen Jahren fortgeweht.

Die nach dem Unwetter wiederaufgeforsteten Bäume werden erst in einigen Jahren Ertrag bringen. Wie der Holzpreis dann aussieht, lässt sich aktuell nicht prognostizieren.

86 bis 96 Euro kostet der Festmeter dicke Fichte aktuell. „Schade, dass wir davon nicht mehr haben”, seufzte Ernst Ulrich Pühl, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft, am Montagabend vor 34 Kollegen im Schlosshotel Holzrichter. Die Zahlen legte Forstoberinspektor Christof Schäfer auf den Tisch: „Schwaches“ Lärchen- oder Douglasienholz wird aktuell zwischen 49 und 62 Euro pro Festmeter gehandelt. Die Eiche, je nachdem ob sie stark oder schwach ist, bringt einem Waldbesitzer zwischen 49 und 70 Euro. Die Buche ist momentan zu Preisen zwischen 58 und 63 Euro begehrt, als Laubindustrieholz und Brennholz ist diese Art zwischen 40 und 50 Euro wert.

In Anbetracht dessen, dass der Laubwaldbestand nahezu 50 Prozent des Gebiets der Forstbetriebsgemeinschaft Nachrodt-Wiblingwerde ausmacht, plädiert Christof Schäfer dafür, das Augenmerk nun auf die teilweise recht vernachlässigten Bestände zu richten. Der Förster spricht sich für Naturverjüngung aus, um Licht in die Bestände zu bringen. „Das ist besser, als sich auf Stockausschläge zu verlassen“, sagte er am Montag.

Buchstäblich sind die Waldbesitzer wieder auf einem guten Weg: Durch Befestigung, Instandsetzung und neue Schotterschichten ist es sowohl für die Nutzfahrzeugfahrer, als auch Fußgänger wieder angenehm, die Waldwege zu benutzen. Fördergelder von 8127 Euro hat die Forstbetriebsgemeinschaft in diese Maßnahme investiert.

Im vergangenen Jahr hatte sich die Gemeinschaft der Waldbauern erst spät zu Wiederaufforstungsmaßnahmen entschlossen, weil die Witterungsbedingungen bis Mai zu wenig Erfolg versprachen. 21 Hektar wurden aufgeforstet und nachgebessert, genau 66 320 Pflanzen wurden gesetzt. Kulturpflege wurde auf 37 Hektar Waldfläche betrieben, wobei Füllhölzer nach Möglichkeit erhalten blieben.

Viel Arbeit machte der Fegeschutz aus: Douglasie, Lärche und Küstentanne wurden durch das Anbringen von Schafwolle gegen den gierigen Biss von Rehböcken geschützt. Insbesondere die Douglasie ist eine leckere „Zwischenmahlzeit“ für die scheuen Waldbewohner: „Ein Bock kann pro Tag eine davon schaffen. Da sind die Bestände schneller weg, als wir gucken können – wenn wir nicht handeln”, so Schäfer. Die Wolle sei gratis zu bekommen, müsse jedoch von Hand gewickelt werden. Das kostet Zeit. Einem weiteren Schädling, dem Rüsselkäfer, der in Wäldern beträchtlichen Schaden anrichten kann, rückte die Forstbetriebsgemeinschaft auf einer Fläche von vier Hektar zu Leibe. ▪ Ina Hornemann

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