Aggressiver Gartenbesucher beschäftigt die Feuerwehr

Ein Feuerwehrmann entlässt die Ringelnatter am Lenneufer in die Freiheit.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Zu einem ungewöhnlichen Einsatz musste die Freiwillige Feuerwehr am Donnerstag ausrücken. Anwohner des Eschenwegs in Opperhusen hatten die Feuerwehr um Hilfe gebeten, weil in ihrem Garten eine Schlange gesichtet worden war.

Drei Einsatzkräfte rückten mit einem Fahrzeug an und staunten nicht schlecht, als sie sich einem etwa 1,20 Meter langen und fünf Zentimeter dicken und sehr aggressiven Reptil gegenüber sahen, das jede Möglichkeit des Angriffs nutzte. „Wie dem Körper der Schlange anzusehen war, musste sie jedoch kurz vorher gefressen haben. So war die Chance unwahrscheinlich, dass sie eine der Einsatzkräfte verschlingen wollte“, beschrieb Gemeindebrandinspektor Michael Kling die Situation mit einem Augenzwinkern.

Die Einsatzkräfte legten die Schlange mit etwas Mühe und mit Hilfe von zwei Greifern in eine belüftete Kunststoffkiste und nahmen sie zunächst mit zum Feuerwehrgerätehaus. Dort wurde sie zweifelsfrei als eine – allerdings sehr große – Ringelnatter identifiziert. Ringelnattern kommen in der hiesigen Gegend natürlich vor und sind für den Menschen ungefährlich, auch wenn sie beißen sollten. Sie werden auf der Roten Liste bedrohter Arten auf der Vorwarnstufe geführt. Das bedeutet, dass verschiedene Faktoren könnten eine Gefährdung in den nächsten zehn Jahren herbeiführen könnten. Ringelnattern sind deshalb geschützt. Die Feuerwehr entschied sich deswegen, die Ringelnatter an einer ruhigen Stelle nahe der Lenne auszusetzen, da dies am ehesten ihrer gewohnten Umgebung entspricht.

Ringelnatter

Ringelnattern sind lange und schlanke Schlangen. Männchen erreichen in Deutschland meist Gesamtlängen um 75 Zentiimeter, Weibchen sind oft 85 bis 140 Zentimeter lang. Zu erkennen ist eine Ringelnatter an zwei gelben oder orangefarbenen, halbmondförmigen Flecken an ihrem Hinterkopf. Auf der meist grauen, teilweise auch bräunlichen oder grünlichen Oberseite befinden sich oftmals vier bis sechs Reihen kleiner schwarzer Flecken. Die Pupillen sind rund. Ringelnattern sind sehr scheu. Wenn sie nicht fliehen können, lassen sie ihren Körper größer erscheinen und zischen den Angreifer an.

Anschließend konnten die Bewohner des Hauses dann auch über den glücklichen Ausgang der Umsiedlung und über die Identität ihres tierischen Gastes informiert werden. „Lobend erwähnen muss man den umsichtigen Umgang der Anwohner mit dem Reptil“, so Michael Kling. Die Verluste im Garten der Anwohner hielten sich übrigens in Grenzen. Lediglich werden ein oder zwei Fische im Gartenteich vermisst, die vermutlich der hungrigen Schlange zum Opfer gefallen sind.

Für die Anwohner, in deren Garten es sich die Schlange gemütlich gemacht hatte, war der Feuerwehreinsatz übrigens kostenfrei. „Wenn sich – wie in diesem Fall – die Menschen bedroht fühlen, ist das für die Feuerwehr eine technische Hilfeleistung“, begründete Michael Kling. Auch für die Feuerwehr sei nicht sofort klar gewesen, dass es sich um ein eigentlich harmloses Reptil handelte. „Menschen halten ich ja heutzutage die ungewöhnlichsten Haustiere. Es hätte deshalb auch eine ausgebüxte Viper handeln können – und dann wäre es wirklich gefährlich gewesen“, so der Gemeindebrandinspektor. ▪ Volker Griese

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare