Bei der Feuerwehr ist kein Platz für Helden

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Der 23-jährige Dominik Koch (M..) ist ein Feuerwehr-Seiteneinsteiger. Der ausgebildete Industriekaufmann entschied sich vor etwa einem Jahr für den Feuerwehrdienst. „Das hat sich so ergeben“, erzählt er. „Ich kenne viele aus der Feuerwehr.“ Die Arbeit erschien ihm interessant. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Heroische Selbstdarsteller sind keinesfalls gefragt – vielmehr zählt für die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr die Gemeinschaft. „Oberstes Gebot ist die Teambildung“, erklärt Gemeindebrandinspektor Michael Kling. Derzeit absolvieren in der Doppelgemeinde acht junge Männer die Ausbildung zum Feuerwehrmann.

„Das Team muss sich menschlich gut verstehen und fachlich auf einer Ebene sein. Dann funktioniert auch die Zusammenarbeit“, weiß Kling. Die Männer müssten in der Lage sein, ihre eigenen Ansprüche hinten anstellen zu können, charakterisiert der Gemeindebrandinspektor die Voraussetzungen.

Vor Dominik Koch, Erik Napierkowski, Patrick Kriebel, Björn-Gerrit Hülle, Christian Homann, Christian Pühl, Jan Triches und Sebastian Paeth liegt ein fünfwöchiger Lehrgang mit 80 Unterrichtsstunden bis zur Abschlussprüfung. Mittwochs, samstags und sonntags werden die Feuerwehranwärter auf diverse Notfälle vorbereitet. Neben Rechtsgrundlagen und Brandlehre werden die jungen Männer im Alter von 17 bis 29 Jahren auch auf mögliche Gefahren an den Einsatzstellen geschult. Notfallseelsorge/Einsatzseelsorge sowie erste Hilfe, Fahrzeug- und Gerätekunde, Mechanik, Rettungstechniken, Unfallverhütung, Brandbekämpfung und einfache Technische Hilfe gehören ebenfalls in den Unterrichtsblock. Nach dem Lehrgang erfolgt zusätzlich noch die Ausbildung zum Sprechfunker; im Frühjahr 2012 erfolgt die Truppmannausbildung. Die Ausbildung endet mit einem 30-Fragen-Katalog sowie einer praktischen Übung mit Einsatzauftrag.

„Wir haben das schönste Ehrenamt der Welt“, ist Kling überzeugt. Dennoch hat auch die Feuerwehr Nachwuchsprobleme. „In den vergangenen sieben Jahren ist die Zahl der Einsatzkräfte um etwa zehn Prozent gesunken“, so der Gemeindebrandinspektor. Die Gründe sieht Kling zum einen im demografischen Wandel, zum anderen im Aspekt der zunehmenden Zahl auswärtiger Arbeitsstellen: „Gerade tagsüber fehlen uns Einsatzkräfte.“ Viele Feuerwehrmitglieder würden zwar in Nachrodt-Wiblingwerde wohnen, jedoch in Dortmund, Hagen oder Siegen arbeiten. Dieser Trend habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt. „Abends entspannt sich die Lage dann wieder etwas.“ Momentan kann die Freiwillige Feuerwehr im Gemeindegebiet auf 68 Einsatzkräfte zurückgreifen. Um die Truppe zu verstärken, veranstalten die Blauröcke daher vermehrt Werbeaktionen. Bei einer der letzten konnten vier neue Feuerwehranwärter gewonnen werden. Ein weiterer Teil komme zwar aus der Jugendfeuerwehr, doch die meisten stehen mit 17 Jahren vor der Entscheidung: Abitur oder Ausbildung und Einstieg ins Berufsleben? Da bleibe oftmals kaum noch Zeit für andere Dinge, weiß Kling.

Am aktuellen Grundausbildungslehrgang nehmen vier ehemalige Jugendfeuerwehrler teil. „Die anderen vier sind Seiteneinsteiger.“ Bis noch vor ein paar Jahren habe es eine Altersgrenze für Quereinsteiger gegeben. „Das ist heute aber nicht mehr so“, erklärt Kling. Zwar zähle ein 38-Jähriger sicherlich nicht mehr zu denjenigen, die als erste in ein brennendes Haus gehen, doch ein guter Feuerwehrmann zeichnet sich letztlich nicht nur dadurch aus. Die Arbeit der Blauröcke habe sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert. „Feuer löschen macht nur noch etwa 30 Prozent unserer Arbeit aus“, so Kling. Die Tendenz gehe seit einiger Zeit verstärkt zur technischen Hilfeleistung. ▪ sr

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