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Zweite Felssprengung an B236: So lief alles ab 

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Nach der eigentlichen Sprengung wurden die Befestigungsseile der Schutzmatten durchgeschnitten, die nacheinander auf die Straße fielen. Das war fast noch spektakulärer als die eigentliche Sprengung, da jede Matte 1,6 Tonnen wiegt.
Nach der eigentlichen Sprengung wurden die Befestigungsseile der Schutzmatten durchgeschnitten, die nacheinander auf die Straße fielen. Das war fast noch spektakulärer als die eigentliche Sprengung, da jede Matte 1,6 Tonnen wiegt. © Popovici, Cornelius

„Wie sieht es bei euch aus? – „Bei uns ist alles ready.“ Über Funk fragt Sprengmeister Sven Stadler alle Posten ab. Er hat eine Tröte in der Hand, mit der er sehr eindringlich das Signal für die Sprengung an der B236 in Nachrodt geben wird. Doch plötzlich sind irgendwelche Passanten oben an der Ehrenmalstraße. Abbruch. Kurze Verzögerung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sven Stadler zählt von drei runter. Und drückt auf den Knopf. Es knallt. Laut. Kurz. Und jede Menge zerbröseltes Gestein fliegt vom Felsen wie ein kleiner Wasserfall auf die gesperrte Bundesstraße. Wenig später fallen auch die Schutzmatten herunter – und das ist fast noch spektakulärer. Denn die sind so schwer, dass es richtig rumst.

Alle Zünder durchgelaufen

Wichtiges Gerät: die Tröte. Sprengmeister Sven Stadler gibt damit Signale kurz vor der Sprengung und im Anschluss für die Entwarnung.
Wichtiges Gerät: die Tröte. Sprengmeister Sven Stadler gibt damit Signale kurz vor der Sprengung und im Anschluss für die Entwarnung. © Popovici, Cornelius

Perfekt gelaufen ist die zweite Sprengung an der B236. Dort müssen die Felsnasen abgetragen werden, die auf die Straße zu stürzen drohen. Jetzt werden sie gezielt ins Nirwana geschickt. Alle Zünder sind durchgelaufen, nichts ist irgendwo schiefgegangen. Durchatmen bei allen Beteiligten – auch bei Polizei, Ordnungsamt und Mitarbeitern der Firma Feldhaus, die den Sprengbereich großräumig abgesichert hatten.

Gelatinöser Sprengstoff

35 Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 52 Millimeter waren mit Gelatinösem Sprengstoff besetzt worden. Der Gelatinöse Sprengstoff, der gern zur Sprengung von Gesteinen und Bauwerken in großem Maßstab eingesetzt wird, eignet sich besonders, weil er von der Detonationsgeschwindigkeit am günstigsten ist. Er reißt das Felsgestein einfach ab. „Vorstellen kann man sich den Sprengstoff wie Knete“, sagt Sprengmeister Sven Stadler. In manchen Bohrlöchern gab es nur pulverförmigen Sprengstoff, eine sogenannte Sprengschnur. In Reihe geschaltet und verbunden fanden Spreng-Verzögerungen im Millisekundenbereich statt. Doch aufgrund eben dieser Verzögerungen, die der staunende Zuschauer überhaupt nicht wahrnehmen konnte, wurden die Erschütterungen für die nahe stehenden Häuser abgemildert. „Wenn man jetzt 20 Kilo auf einmal sprengen würde, hätte man eine wesentlich größere Erschütterung“, so Sven Stadler. Und genau diese besagten 20 Kilo waren auch im Einsatz.

Eine Schutzmatte wiegt 1,6 Tonnen

Damit der abgerissene Fels nicht durch die Gegend flog, waren schwere Sprengstoffmatten angebracht. Jede wurde am Donnerstagvormittag einzeln mit einem Autokran an den Felsen gehoben, wog 1,6 Tonnen und war aus alten Autoreifen zusammengebaut. Kaputt gehen die Matten übrigens trotz Detonation nicht. Sie können wiederverwendet werden.

50 Bohrlöcher, einige fallen wieder zu

Das Bestücken der Bohrlöcher und das Anbringen der Matten dauerte mehrere Stunden. Übrigens: Die Firma Feldhaus hatte 50 Bohrlöcher mit einer maximalen Tiefe von vier Metern vorbereitet, die aber nicht alle benötigt wurden. Manche fielen im Vorfeld auch wieder zu, was nicht ungewöhnlich ist.

„Man geht im Kopf alles durch“

Jede Sprengung ist anders als die andere. „Auch dieser Fels ist oben anders als unten“, sagt Sven Stadler, der auch schon bei Brückensprengungen dabei war. „Das ist dann schon eine andere Nummer.“ Für den Fachmann sind Sprengungen zwar fast alltägliches Geschäft, aber „wenn es ans Abdrücken geht, dann geht man im Kopf alles durch, ob man alles richtig gemacht hat“, erzählt der Sprengmeister der Firma Reisch Sprengtechnik.

Vermessungs-Drohne

Für Freitagmorgen war eine Vermessungs-Drohne bestellt, die detailliert aufnehmen kann, wie viel Felsabschlag die Sprengung ergeben hat. „Ich hatte es mir spektakulärer vorgestellt“, sagt Polier Thomas Kremer von der Firma Feldhaus, der täglich mit sieben Kollgen an der B236-Baustelle arbeitet.

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