Felsbrocken lösen sich

Felsbrocken stürzen auf Straße im MK: Hang muss gesichert werden

Die Barrieren am Felshang in Nachrodt werden um 30 Meter verlängert.
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Die Barrieren am Felshang in Nachrodt werden um 30 Meter verlängert.

Der Hang in Nachrodt bekommt ein Netz. Noch in diesem Jahr. Und die Absperrung wird noch einmal 30 Meter Richtung Ehrenmal verlängert. Brocken hatten sich gelöst.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Wir beobachten diesen Hang schon seit einigen Jahren, weil immer mal wieder kleinere Steine auf dem Gehweg lagen. Aber das war alles unauffällig, keine Gefahrenstelle“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding. 2018 wurde der Hang von Höhenkletterern geräumt. Alles war gut – bis Dienstag (9. Februar).

Aufmerksam auf die Problematik wurde René Hülle vom Baubetriebshof bei Kontrollen. Kleinere Brocken hatten sich vom Felsen gelöst. Daraufhin wurden Barrieren aufgestellt, wenig später dann ein Geologe der Ingenieurgruppe PTM hinzugezogen. Der Bewuchs, so der Fachmann, sollte nicht entfernt werden. Im Gegenteil. Das Wurzelwerk sorgt vielmehr für Stabilität. Die plötzlichen Probleme sind, so sagt Dirk Röding, aufgrund der langen Regenperiode und dem anschließenden Frost entstanden.

Viele Hänge werden gesichert

Der Gehweg wird nicht gesperrt. Aber die Absperrung zum Felsen wird verlängert. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird zudem ein zwei Meter hoher Maschendrahtzaun errichtet. Im Herbst wird der Fels erneut untersucht, dann wird das Steinschlagschutznetz angebracht.

Der Fels selbst sieht sehr zerklüftet aus. Fakt ist: Es handelt sich um devonischen Sandstein mit untergeordneten Einlagerungen von schiefrigem Schluff- und Tonstein. Unter Schluff versteht man laut Mineralien-Atlas in den Geowissenschaften ein unverfestigtes Sedimentgestein (Feinböden) und Sedimentgesteine, die zu mindestens 95 Prozent aus Komponenten mit einer Korngröße von 0,002 Millimeter bis 0,063 Millimeter bestehen. Dieses Korngrößenintervall nimmt damit eine Mittelstellung zwischen dem gröberen Sand und dem feineren Ton ein und bildet einen wichtigen Anteil an den Böden, die umgangssprachlich als Lehm bezeichnet werden.

Gefühlt gibt es mittlerweile allerorts Hangsicherungsmaßnahmen, müssen Straßen gar monatelang gesperrt werden – wie beispielsweise zwischen Herdecke und Wetter, wo derzeit Fangschutzzäune auf einer Länge von 965 Metern errichtet werden. Auch in Werdohl wird an der Hangsicherung gearbeitet. In der Doppelgemeinde befindet sich unter anderem ein 480 Meter langer Fangzaun am Bahntunnel.

B 236: Provisorium aus Schutzgitter

Das Material zur Felssicherung musste mit dem Hubschrauber transportiert werden. Auch in beiden Rechtskurven der Serpentinen wurden die Hänge vernetzt. Es stehen zudem noch eben solche Arbeiten am Felsen zwischen Rastatt und der früheren Metzgerei Böhland an. Im Moment lebt man dort noch mit einem Provisorium aus Schutzgittern. Da auf der gegenüberliegenden Seite der lang ersehnte Radweg gebaut werden soll, wurden die Arbeiten am Felsen erst einmal auf Eis gelegt.

Dass sich die Fels-Problematik immer mehr verschärft, kann Günther Mörchen von der Ingenieurgruppe PTM nicht unbedingt bestätigen. „Man macht sich mittlerweile mehr Gedanken, ist vorsichtiger geworden. Früher hat man es teilweise ignoriert, wenn ein Stein ‘runtergefallen ist. Man hat ihn zur Seite geräumt. Heute ist man sensibler“, sagt der Diplom-Ingenieur.

Viele Felsen sehr verwittert

Und das sei gut und richtig so. Der Stein selbst müsse immer bewertet werden – auf seine Witterungsempfindlichkeit beispielsweise. „Es ist wie im eigenen Garten. Es gibt Steine, die nach zwei Wintern zerfallen, und andere, denen die Witterung nichts ausmacht“, so Günther Mörchen. Die Frage ist auch immer, wie der Fels gelagert ist.

Verläuft er hangparallel zum Gehweg oder zur Straße? Ein Fels ist nie kompakt, es gibt immer Fugen. Problematisch wird es, wenn die Oberfläche witterungsempfindlich ist und zur Straße einfällt. Bei einer reinen Witterungsempfindlichkeit bei einer grundsätzlich stabilen Situation reichen kurze Anker, in den Felsen gebohrt, um zu unterbinden, dass sich Steine lösen und eine Gefahr darstellen.

Wasser mag keinen Widerstand

„In Nachrodt haben wir in vielen Bereichen einen hohen Verwitterungsgrad. Steine sind herausgebrochen. Hinzu kommen teilweise Felsüberhänge“, so Günther Mörchen zur Situation am scharfen Eck. Ein Stück Fels ist unten bereits weggebrochen. Zudem gibt es enge und viele Kluftzonen, „die dann zu allem Überfluss auch Wasser führen“, erklärt Günther Mörchen.

Wasser suche immer den Weg des geringsten Widerstandes, laufe zum Teil oberflächig, versickere aber auch. Und durch das Gefrieren gibt es eine Volumenänderung, würden die Kluftzonen immer breiter, was schließlich einen Verlust der Festigkeit bedeute. Ein Fels ändert sich nicht von heute auf morgen, nicht von einem Jahr aufs andere. Es ist eine Generationenfrage.

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