50 Jahre und kein bisschen leise

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Hans-Jürgen Hohage, Annegret Klatt, Sonja Hammersch midt, Petra Triches und Peter Joergens (v. links) freuen sich auf das UWG-Jubiläum.

Die Geburtsstunde war am 7. Mai 1969. In wenigen Tagen kann die Unabhängige Wählergemeinschaft also auf ihr 50. Jubiläum anstoßen. Doch da bereits zwei große Feste zum Hundertjährigen in Nachrodt-Wiblingwerde anstehen (SPD und SpVgg), verschieben die Unabhängigen um ihre Vorsitzende Sonja Hammerschmidt die Party auf den 25. April 2020. Letztlich kommt es „auf ein paar Tage“ auch nicht an. Geheime Kommandosachen, Absprachen, Klüngel: All das lehnen die UWG-Mitglieder auch heute noch ab. Peter Joergens, Gründungsmitglied der UWG, die damals noch UBG (Bürgergemeinschaft) hieß, erinnert sich noch gut an die Anfänge, als „liebe nette Leute im Rat blindlinks der Verwaltung folgten.“ Gemeindedirektor Heinz Krüger gab den Ton an, vieles wurde abgenickt. Und genau das wollten „die mündigen Bürger, die Neugierigen und Kritischen“ nicht. Mehr Bürgernähe – das war die Hauptforderung. Joergens, der von Rektor Wilhelm Hainmüller für die politische Arbeit bei der Unabhängigen Bürgergemeinschaft überzeugt wurde, war in seinen Anfängen „Mauerblümchen im Sportausschuss“. Später gestaltete er Jahrzehnte die Geschicke der Gemeinde mit, auch lange Zeit als Fraktionssprecher, und hat sich erst vor Kurzem aus der aktiven Arbeit zurückgezogen. Dass die UWG heute aus seiner Sicht der Bürgermeisterin nahe steht, schmeckt ihm nicht. Die UWG war und ist bei politischen Debatten im Gemeinderat nicht selten das Zünglein an der Waage. Und: Gleich bei der ersten Wahl 1969, bei der sie antrat, konnte sie ihr Anliegen, die absolute Mehrheit der SPD zu brechen, erreichen. Doch es ging nicht darum, eine Anti-SPD-Koalition zu bilden, sondern „überhaupt ein Gegengewicht zu den Parteien zu sein.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Und es gibt bei uns nach wie vor keinen Fraktionszwang“, sagt Petra Triches, Fraktionssprecherin der UWG stolz, die den Job mit großem Engagement und Gelassenheit macht, nachdem sie ins kalte Wasser geworfen worden war, als Johannes Illerhaus 2016 nach vielen Jahren den Fraktionsvorsitz abgab. Unabhängigkeit: Das ist das Zauberwort der UWG. Unabhängig ist jedes Mitglied in seinen Entscheidungen, unabhängig von jedweder Partei. Für Sonja Hammerschmidt ist es die Arbeit vor Ort, die sie liebt und schätzt. „Politisch interessiert war ich eigentlich nie“, gibt sie zu. Aber zu helfen, die örtlichen Probleme zu lösen, habe einen ganz anderen Stellenwert. "Karl-Hermann Draheim war so ein Glücksfall für uns" Um sich an vielen Stellen einbringen zu können, benötigt man gute Leute. „Karl-Hermann Draheim war so ein Glücksfall für uns“, sagt Peter Joergens. Aber die Liste der Persönlichkeiten, die für die UWG tätig waren oder sind, ist ohnehin lang – darunter Wilhelm Hainmüller (Fraktionsvorsitzender von 1969 bis 1978), Prof. Karl-Heinz Isken (1978 bis 1979), Dieter Danz, Ewald Pühl, Kurt Nowak oder Armin Melzer. Zwei Mal war die UWG zweitstärkste Fraktion im Rat. Heute ist sie mit sechs Ratsmitgliedern vertreten – Sonja Hammerschmidt, Hans-Jürgen Hohage, Annegret Klatt, Christiane Lange, Petra Triches und Walter Voß. Dabei gab es einen stürmischen Aufwind im vergangenen Jahr, als innerhalb einer Woche gleich vier neue Mitglieder begrüßt wurden – darunter Christiane Lange. Sie hatte sich von der SPD abgewandt. Von den zwischenmenschlichen Problemen bei den Sozialdemokraten wollten die Unabhängigen aber nicht profitieren: „Wir haben keine Abwerbung gestartet“, sagt Petra Triches. Hat man sich bei der UWG tatsächlich lieb? „Ja“, lacht Sonja Hammerschmidt. „Wir diskutieren natürlich auch, sind nicht immer einer Meinung, aber es gibt kein Hauen und Stechen.“ Das ist auch der Grund, warum sich Hans-Jürgen Hohage bei der UWG wohlfühlt. Einst war er CDU-Mitglied, doch die politische Heimat hat er bei den Unabhängigen gefunden: „In guter Kameradschaft untereinander sorgt die UWG für Kontinuität und ist zuverlässiger Anwalt für alle Bürger und Bürgerinnen dieser Gemeinde“, schrieb er schon 1994 bei seiner Kandidatur im Wahlbezirk 10 (Bürgerhaus Wiblingwerde“). Geändert hat sich daran nichts – nur, dass Hans-Jürgen Hohage bei der nächsten Kommunalwahl nicht mehr antreten wird. „Irgendwann muss Schluss sein“, blickt er auf sein Alter von 72 Jahren. „Das ist der Lauf der Dinge.“ Übrigens: Folgende Ziele haben sich die UWG’ler aktuell und langfristig auf die Fahnen geschrieben: Erhalt der Eigenständigkeit der Gemeinde (keine Auslagerung von Aufgaben der Kernverwaltung auf Dauer); finanzielle und ideelle Unterstützung der Tageseinrichtungen für Kinder, Verkehrsberuhigung vor den KiTa- und Schulgebäuden; Kontrolle der Gebührenbelastung für Bürger; Unterstützung offener, vereins- und kirchengebundener Kinder- und Jugendarbeit sowie weitere Vernetzung der vorhandenen Angebote; Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (Unterstützung des Bürgerbusses); Schnelle Fortführung der Neuplanung der Brücke.

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