Fatih Çevikkollu im Interview

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NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪   Die Karriere des türkischstämmigen deutschen Kabarettisten Fatih Çevikkollu ist eine Erfolgsgeschichte.

Unsere Journalistin Yasmin Alijah interviewte den Künstler am Rande seines Auftritts. Er verriet ihr, wie alles anfing und wie er zur Schauspielerei kam: „Zufällig. Eigentlich hatte ich Musik gemacht, gerappt und deutsche Hip-Hop-Texte geschrieben. Dann suchte 1993 ein Jugendturniertheater einen Schauspieler und so fing alles an“. Unterstützung durch das Elternhaus hatte der 1972 in Köln geborene Comedian, der als erster zugelassener Türke an der Ernst-Busch-Schule in Berlin Schauspiel studierte, eher weniger. „Die Schauspielausbildung war hart, mit viel Kritik verbunden, aber es macht wahnsinnig Spaß, Sinnvolles auf die Bühne zu bringen“. Wenn er vom Theater spricht, glänzen seine Augen, und ist er voll in seinem Element. „Ich will Leute berühren, zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringen. Es macht viel Spaß, Stücke zu entwickeln“. Die Antwort auf die Frage, was ihm dabei besonders wichtig sei, kam prompt: „Ich möchte Gefühle auslösen, eine sinnliche Erfahrung vermitteln. Eine rein intellektuelle Beteiligung des Publikums ist mir zu wenig“. Während er anfangs autobiographische Stücke schrieb, sei das neue Programm gespickt mit gesellschaftspolitischen und kultursoziologischen Inhalten. „Das ist neu. Das ist anders geworden als in Fatihland“. Çevikkollu geht weiter. „Es gibt viel zu sagen“. Aufgeregt vor seinen Auftritten ist er nicht: „Ich freue mich auf die Menschen. Ich freue mich auf den Kontakt mit dem Publikum. Lediglich am Anfang, wenn ich ein neues Programm vorstelle, bin ich aufgeregt, weil die Frage, ob es ankommt bei den Menschen, ob es verstanden wird, noch nicht beantwortet ist“. Das ist auch der Grund, warum es ihn mehr auf die Bühne zieht als vor die Kamera: „Bühne ist Echtzeit. Du siehst in dem Moment, wo du sprichst, ob es ankommt. Beim Fernsehen ist immer Technik dazwischen“.

Ob er zwischen den Kulturen fühlt? „Nein, wenn ich türkisch spreche, bin ich Türke. Wenn ich deutsch spreche, bin ich Deutscher. Beide Herzkammern funktionieren zu einhundert Prozent“. Çevikkollus Familie stammt aus Mersin/Adana. Doch in Köln-Nippes ist er ebenso zu Hause: „Heimat ist da, wo ich mich wohl fühle“. Çevikkollu liebt beide Orte.

Er ist mehrfach prämiert worden. Den Kleinkunstpreis Prix Pantheon 2006, in 2007 den Kabarettpreis „Sprungbrett“, Fernsehpreise erhielt er ebenfalls: „Preise sind Werbeträger. Sie machen einen bekannt, schüren aber auch die Konkurrenz unter Kollegen. Das ist nicht so schön“. Er möchte lieber Newcomer im „No Maganda Club“ in Aachen und Dorsten fördern: „Diese Arbeit begann im Friseursalon meines Bruders. Hier stellen wir eine Mixshow zusammen, können Sachen ausprobieren und haben viel Spaß zusammen“. Das gefällt ihm bis heute. ▪ Yasmin Alijah

Rezension des AuftrittsÔ

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