Ramadan: „Jeder fastet für sich selber“

Mahmut Sisman (l.) und sein Kunde Abidin Demirhindi erklärten die Regeln der muslimischen Fastenzeit und des Ramadan aus ihrer Sicht. Foto: Krumm

Nachrodt-Wiblingwerde - Vorbei ist die Fastenzeit seit Sonntagabend für Muslime in aller Welt. Mit dem Sonnenuntergang endete der Fastenmonat Ramadan. Ab Montag feiern Muslime auch in Nachrodt-Wiblingwerde das dreitägige Fest des Fastenbrechens.

Es beginnt mit einem Morgengebet in der Moschee, zu dem sich die Gläubigen nach dem Sonnenaufgang um 6.39 Uhr versammeln.

„Zuckerfest“ heißt das Fest des Fastenbrechens auch, weil es Süßigkeiten und Schokolade für die Kinder gibt, erklärt Einzelhändler Mahmut Sisman, der seinen Obst- und Gemüsemarkt an der Hagener Straße, direkt neben der Moschee betreibt. Als beliebtes Süßgebäck für die Erwachsenen hat er vor allem Baklava und die dafür nötigen Zutaten im Angebot: Dünner Blätterteig wird mit gehackten Walnüssen, Mandeln und/oder Pistazien gefüllt und noch warm in eine Siruplösung eingetaucht. Traditionell wird es mit einem sehr starken Mokka genossen.

Während der Fastenzeit stärken sich Muslime nach Sonnenuntergang vor allem mit Datteln und Fladenbrot. Mahmut Sisman erklärt noch einmal die Grundregel: Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang dürfen Muslime „nichts schlucken und nichts kauen“, und wer diese Anweisung ganz strikt einhalten will, darf auch nicht schwimmen gehen – wegen des Wassers, das man dabei unwillkürlich immer mal wieder schluckt. Zuckerkranke, Kinder und Schwangere sollen überhaupt nicht fasten. Kindern muss man nicht unbedingt mit Gezuckertem eine Freude machen. Beim Rundgang der Kinder durch die Gemeinde sei eine kleine finanzielle Spende eine Alternative zum Süßkram.

Ein Anlass, "um an die armen Leute zu denken"

Überhaupt sei es ganz wichtig, anderen eine Freude machen, erklärt der Einzelhändler. Auch den Hunger, den die Fastenden verspüren, deutet er in diesem Zusammenhang: Er sei ein Anlass, „dass man auch mal an die armen Leute denkt“ – weniger in Deutschland, wo Muslime keine bittere Armut litten, sondern anderswo.

Und Mahmut Sisman erzählt die Geschichte von einem Dutzend Muslimen aus Nachrodt, die eine Flugreise in ein afrikanisches Land unternahmen, um dort Arme an der Freude des Fastenbrechens zu beteiligen. „Vor dem Ende der Fastenzeit wird gespendet, damit auch die Armen sich etwas kaufen können.“ Ein Fest der Solidarität und Barmherzigkeit. Und der Versöhnung: „Wer miteinander Streit hat oder nicht miteinander redet, hat an diesem Feiertag Gelegenheit, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zu beenden.“ Wichtig ist auch die spirituelle Dimension des Fastens: „Das Fasten gibt der Seele Nahrung“, lautet die prägnante Formulierung von Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster.

Fastengebot eine persönliche Angelegenheit

Mahmut Sisman sieht das Fastengebot in der Zeit des Ramadan als eine sehr persönliche Angelegenheit an. „Jeder fastet für sich selber.“ Und jeder Einzelne müsse für sich die Erfahrung machen, dass ihm diese Zeit des Verzichts gut tue. Innerhalb der Gemeinde werde deshalb auch kein moralischer Druck auf jene ausgeübt, die sich an die Gebote des täglichen Verzichts nicht halten wollen oder können. Nicht allen Berufstätigen tut der lange Verzicht auf Nahrung gut. Umgekehrt gelte für jene, die nicht fasten, aber auch, dass sie die Widerstandskräfte der Fastenden nicht über Gebühr strapazieren sollen: „Wer isst, der bleibt für sich und steht nicht auf der Straße.“ Doch ab heute gelten alle Einschränkungen nicht mehr: „Jeder soll essen, was er mag“, erklärt Mahmut Sismans Kunde Abidin Demirhindi die sympathische Grundregel für das Ende des Fastens.

Und Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide benennt die spirituelle Dimension als Auswirkung des Verzichts: „Wie neu geboren ist der Mensch nach der Fastenzeit.“

Von Thomas Krumm

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