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Fast 55.000 Festmeter Holz geschlagen: Borkenkäfer sorgt für Rekordjahr

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Von: Lydia Schmitz-Machelett

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Borkenkäfern macht die Kälte nicht viel aus, sofern die Tiere sich in den Waldboden zurückziehen konnten.
Der Borkenkäfer hat auch in den Wäldern in Nachrodt-Wiblingwerde für massive Schäden gesorgt. © Peter Dahm

„Wir sind nicht irgendwo im Geschehen – wir sind mittendrin.“ Christian Hülle, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nachrodt-Wiblingwerde blickte im Rahmen der Jahreshauptversammlung auf ein Rekordjahr zurück.

Nachrodt-Wiblingwerde - 54 732 Festmeter Holz wurden 2021 geschlagen. Zum Vergleich: Bei Kyrill waren es 41 000 und die Folgen bereits verheerend. Fichten gibt es so gut wie gar nicht mehr in der Gemeinde. Schuld ist der Borkenkäfer.

„Die FBG Nachrodt-Wiblingwerde hatte mehr als 470 Hektar Fichtenbestände. Davon waren mehr als 370 Hektar 20 bis 100 Jahre alt. Diese sind quasi komplett weg. Es werden mehr als 350 Hektar Kahlfläche entstehen“, erklärte Förster Christof Schäfer. Jeden Tag ist er im Einsatz gegen den Borkenkäfer. Dazu zähle unter anderem auch das Monitoring. Auffällig sei, dass auch dort noch Borkenkäfer gezählt werden, wo es kaum noch Fichten gibt – und zwar tausende.

Käfer befällt jetzt auch Douglasie und Lärche

„Es fällt auf, dass die Käfer auch Douglasie und Lärche befallen. Natürlich schaden sie dem Baum, aber die Larven des Käfers können sich dort offensichtlich nicht entwickeln, sodass es zumindest keine Massenvermehrung mehr gibt“, erklärte der Experte.

Allerdings gebe es gerade bei der Douglasie das Problem, dass der Borkenkäfer offensichtlich in einigen Beständen einen Pilz mit eingeschleppt habe. „Die Bäume sehen zum Beispiel in Brenscheid wirklich nicht gut aus. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt“, sagte Christof Schäfer.

Verkehrssituation ein großes Problem

Ein weiteres großes Problem sei die Verkehrssituation. Die Abfuhr des Holzes sei teilweise schwierig. „Ganz ehrlich: Es ist durch die ganzen Straßensperren derzeit leichter, Holz nach China zu transportieren als ein paar Kilometer lenneaufwärts zu den heimischen Sägewerken“, sagte Christian Hülle.

Sprachen deutliche Worte bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nachrodt-Wiblingwerde: Christof Schäfer, Ernst-Ulrich Pühl und Christian Hülle.
Sprachen deutliche Worte bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nachrodt-Wiblingwerde: Christof Schäfer, Ernst-Ulrich Pühl und Christian Hülle. © Machelett, Lydia

Zudem gehe es nun natürlich auch darum, die entstandenen Kahlflächen wieder zu bewalden. Seitens des Forstamts werden Mischwälder mit mindestens vier verschiedenen Baumarten empfohlen. Für die Wiederaufforstung können die Waldbesitzer unter bestimmten Voraussetzungen Fördergelder beantragen.

Auch Wege werden instand gesetzt

Doch nicht nur die Wälder werden wieder instand gesetzt, sondern auch die Wege. Die Folgen des Starkregens im vergangenen Jahr sind auch heute noch allgegenwärtig. „Eigentlich wurde die komplette Infrastruktur im Wald zerstört“, sagte der FBG-Vorsitzende Ernst-Ulrich Pühl. Doch die Waldbesitzer können aufatmen.

Wie bereits berichtet, ist der Wiederaufbau von flutgeschädigten Waldwege über die Kommunen zu 100 Prozent förderfähig.

Massive Kritik an „direkter Förderung“

Das Wort Förderung sorgt allerdings nicht nur für gute Laune. Im Bereich „direkte Förderung“ äußerte Hülle massive Kritik. Die direkte Förderung ermöglicht Waldbesitzern eine bewusstere Wahl ihres Dienstleisters. Die finanzielle Unterstützung bezieht sich auf die Ausführung von Maßnahmen der Wirtschaftsplanung, der biologischen und technischen Produktion, sowie der Steigerung der Biodiversität im Wald. Einige Anträge hat Hülle für seine Mitglieder bereits eingereicht.

Das schnell versprochene Geld blieb allerdings bislang aus. Stattdessen sei es ein Kampf gegen einen Bürokratiewahnsinn. „Meine Kritik bezieht sich explizit nicht auf unser Regionalforstamt, sondern auf das Landesamt“, betonte Hülle und legte los: „Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, dass man mit Wald und Holz in diesen Zeiten keine Daten und Dokumente digital übermitteln kann. Gleichzeitig sind die Fristen sehr eng, sodass ich manche Sachen aufgrund der Fristen mehrmals bearbeiten und neu einreichen musste.“ Bis jetzt sei zudem noch kein Cent auf dem Konto der FBG eingegangen.

„Eine absolute Frechheit“

„Das ist eine absolute Frechheit. So kann man nicht arbeiten, das ist ein Trauerspiel“, schimpfte der Geschäftsführer.

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