Ghalia kann ihre Familie in die Arme schließen

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Endlich zusammen: Ghalia (links) ist mit ihrem Bruder und seiner Familie aus dem Irak geflüchtet. Jetzt durften ihren Eltern und Geschwister auch nach Deutschland einreisen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wer strahlt am meisten? Mama Fahima, Papa Ali Murad? Oder doch Ghalia, die endlich ihre Eltern und Geschwister in die Arme schließen kann. Zwei Jahre hat sie auf ihre Familie gewartet. Zwei Jahre des Bangens und Hoffens, aber niemals des Vergessens. Die Fluchterlebnisse haben sich tief in ihre Seele gebrannt.

„Wir haben in Bulgarien im Gefängnis gesessen. Es war alles schlimm. Wir wussten nie, was morgen kommen würde“, erzählt die heute 18-Jährige im fast fließenden Deutsch. Sie floh mit ihrem Bruder und dessen kleiner Familie aus dem Irak. Über die Balkanroute schafften es die Flüchtlinge nach Nachrodt, wo sie „nie mehr wieder wegwollen.“

Dass Mama und Papa endlich auch in Deutschland sind, ist für Ghalia das größte Geschenk. Als Minderjährige hatte sie den Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. „Der Familiennachzug bekommt dann den gleichen Status wie der bereits hier lebende Flüchtling“, sagt Birgit Schulte-Pinto, die in der Gemeinde der Fels in der Bandung für alle Flüchtlinge und Flüchtlingsangelegenheiten ist. Sie freut sich sehr für Ghalia, die „ihre Mama doch sehr vermisst hat.“ Unterstützung bekam das Mädchen immer von ihrer „Patin“ Brigitte Sommer.

Auch andere Familien hatten Glück: Ein Flüchtling aus dem Irak konnte seine Frau und acht Kinder wiedersehen. Bei einem anderen sind zwei Kinder gekommen, der Rest der Familie ist noch in der Türkei.

Nahezu verdoppelt hat sich nach einem Bericht der „Heilbronner Stimme“ im Vorjahr der Nachzug von Familienangehörigen zu in Deutschland lebenden minderjährigen Flüchtlingen. Danach wurden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres rund 5800 Visa für Familienangehörige erteilt. Von Anfang 2015 bis Mitte 2017 erteilte das Auswärtige Amt insgesamt rund 102000 Visa zum Familiennachzug für Syrer und Iraker.

Auf der Suche nach einer neuen Regierungskoalition war auch der Familiennachzug ein großes Thema. Union und SPD wollen für Flüchtlinge mit einem nachrangigen Schutzstatus den Familiennachzug jetzt in begrenztem Umfang zulassen – „geordnet und gestaffelt.“

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