Fahrgefühl wie in den 50er Jahren

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Eine gewisse Affinität zum „Schrauben“ sollte jeder Isetta-Fahrer mitbringen. Das zeigte sich auch am Wochenende wieder beim Isetta-Treffen am Telegraphen bei Veserde.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Eher durch Zufall hat Helga und Ulrich Woitkowski vor 25 Jahren das Isetta-Virus gepackt. Bei einer Motorrad-Messe in den Dortmunder Westfalenhallen stand eines der Rollermobile als Dekoration an einem Ausstellungsstand. Doch Woitkowskis Blick blieb immer wieder dran hängen. „Dort hat es zwischen uns gefunkt“, erinnert sich das Paar an die Begegnung mit dem historischen Sympathieträger der Automobilgeschichte zurück.

„Wir liebäugelten schon immer mit einem Oldtimer“, begründen die Woitkowskis ihre Entscheidung nach einem „Probesitzen“, ihre Freizeit künftig an und in einer Isetta zu verbringen. Noch am selben Tag bestellte Ulrich Woitkowski am Messestand seine erste Isetta. „Der Standbetreiber hatte noch eine zweite, allerdings in Einzelteilen. Die musste ich dann selber zusammengebaut. Ein hartes Stück Arbeit, das sich aber voll und ganz lohne.

Auch seine zweite Isetta bekam das Paar nicht an einem Stück. Vor drei Jahren gönnten sich die Woitkowskis eine Isetta 600. „Sie war 40 Jahre lang in der ehemaligen DDR gelaufen“, erzählt Ulrich Woitkowski. Auch den Wagen aus Cottbus musste Woitowski erst noch fahrtüchtig machen. „Den Fehler zu finden, ist manchmal richtig schwierig.“ Doch jeder Isetta-Fahrer wisse: Hier gilt „lerning by doing“.

„Mit einer Isetta zu fahren, bedeutet Fahrgefühl pur“, kennt Ulrich Woitkowski die Vorzüge des in Italien konstruierten und ab 1955 von BMW optimierten Wagens. Er weiß aber auch: „Früher wurde sie als Schlaglochsuchgerät beschimpft.“ Bis an den Gardasee reisten die Woitkowskis mit ihrer ersten Isetta – allerdings wurde das „Schätzchen“ dabei auf einem Anhänger zum Urlaubsort transportiert. So, wie teilweise auch zu den nationalen Isetta-Treffen, die die Woitkowskis nicht nur fleißig besuchen, sondern deren Gastgeber sie auch immer mal wieder sind.

Seit 2002 trifft sich im Zwei-Jahres-Rhythmus am Telegraphen bei Veserde eine Isetta-Gemeinschaft, die sich im Laufe der Jahre auf Veranstaltungen zusammengefunden hat. Mittlerweile sind Freundschaften entstanden, die so weit reichen, dass die Woitkowskis jetzt zum wiederholten Male überredet wurden, ein Isetta-Treffen auszurichten. „Es ist jedesmal mit einer Menge Arbeit verbunden“, sagen Helga und Ulrich Woitkowski, die ihren Gästen am Freitag und Samstag nicht nur einen Treffpunkt bieten wollen, sondern auch ein attraktives Rahmenprogramm. So wurde wieder Ausflüge in die nähere Umgebung unternommen, Frühstücke organisiert und am „Dänischen Grill“ gefachsimpelt. „Bei uns bedeutet das, dass der Gastgeber den Grill zur Verfügung stellt, die Gäste ihr Fleisch und Würstchen aber selbst mitbringen“, verrät Ulrich Woitkowski. Als Anerkennung für ihre erneuten Mühen bedanken sich die Isetta-Fahrer bei ihrem Gastgeberpaar mit einem großen „Herzlich Willkommen“-Banner, das in zwei Jahren sicherlich wieder über der Einfahrt am Telegraphen die Besucher begrüßen wird. ▪ Susanne Riedl

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