Bald keine einzige Fichte mehr: Förster zeichnet düsteres Bild

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Dem Borkenkäfer vielen etliche Fichten zum Opfer.

Nachrodt-Wiblingwerde –"In drei Jahren gibt es keine Fichte mehr": Der Förster zeichnet ein düsteres Bild. Etliche Bäume wurden nun gefällt - in Handarbeit.

Förster Christof Schäfer ist kein Mann der großen Übertreibungen. Er ist Realist. Umso erschreckender seine Einschätzung: „Spätestens in drei Jahren wird es in Nachrodt-Wiblingwerde keine Fichte mehr geben.“ 

Am Wochenende fielen die letzten in Veserde. Den kompletten Samstag war die K 24 zwischen Veserde und Hohenlimburg für den normalen Verkehr gesperrt. Lediglich der Linienbus und der Rettungsdienst durften durch. Am Hang oberhalb der kleinen Straße wurden noch einmal zahlreiche Fichten gefällt. 

8000 Festmeter schon geschlagen

Sie alle waren dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. „Rund um Veserde sind wir damit ziemlich durch. Es gibt wirklich nur noch einzelne Fichten, aber auch die wird es noch treffen“, sagt Christof Schäfer. 

Der Borkenkäfer zwingt die Waldbauern in die Knie – und ein Ende ist auf Gemeindegebiet noch lange nicht in Sicht. Noch stehen im Revier von Christof Schäfer etwa 400 Hektar Fichten. „Ich denke, dass auch die spätestens in den nächsten zwei Jahren absterben werden – eher schneller.“ 

8000 Festmeter Käferholz wurden in diesem Jahr bereits geschlagen. Am Ende, so Schäfer, werde der Verlust noch größer sein als bei Kyrill. Damals fielen 50 000 Festmeter in der Gemeinde – allerdings in einer Nacht. 

Harvester dringend benötigt

„Wir bräuchten dringend einen Harvester“, erklärt der Förster. Mit so einem Holzvollernter könne man schneller und effizienter arbeiten. Aber es gibt in Nachrodt-Wiblingwerde zwei große Probleme: Die Hanglagen und die vielen kleinen Gebiete. „Aktuell gibt es überall diese Problematik. Die Harvesterfahrer suchen sich dann natürlich die attraktiveren und einfacheren Gebiete raus.“ 

Derzeit arbeiten drei Teams auf Gemeindegebiet. Eines davon sind die Arbeiter rund um Klaus Peter Rolf. Sie waren am Wochenende an der K24 im Einsatz. Mühsam musste jede Fichte einzeln von Hand gefällt, mit einem Trecker aus dem Hang gezogen und von Hand die Äste abgesägt werden. „Das ist mühsam. Das Frustrierende: Die Käfer fressen schneller als wir sägen können“, sagt Christof Schäfer. 

Coronavirus erschwert Arbeit

Bei Kyrill sei die Lage eine andere gewesen. Damals sei das Holz von vielen Selbstwerbe-Unternehmern abgenommen worden. Also von Firmen, die große Kontingente gekauft und dann auch selbst aufgearbeitet und abtransportiert haben. Das Holz aus dem Gemeindegebiet ging damals fast komplett in die Papierindustrie. 

Auf den großen Flächen rückten damals gleich mehrere Harvester und Waldarbeiterkolonnen an. Zudem gab es damals kein Corona. Viele ausländische Waldarbeiter saßen zu Beginn der Pandemie in ihren Heimatländern fest. 

Die großen Mengen an Käferholz europaweit drücken zudem die Preise. „Mit Mühe und Not decken die Erlöse die Kosten. Und die Aufbereitung muss von den Waldbesitzern vorfinanziert werden. Das heißt, sie müssen zum Teil 10 000 Euro vorstrecken, das ist für viele echt hart. Der einstige Brotbaum der Bauern erzielt keine Erlöse mehr“, sagt Christof Schäfer. 

Alternativen zu Fichten pflanzen

Der Förster appelliert an die Waldbauern, auch an die Wiederaufforstung zu denken. Gerade fürs Klima sei es wichtig, Bäume zu haben. Er empfiehlt Douglasie oder Lärche. „Das sind Arten, die den neuen Witterungsbedingungen angepasst sind“, erklärte Schäfer. 

Man dürfe nicht vergessen, dass die heimischen Sägewerke auf Nadelholz angewiesen sind. „Einen Dachstuhl kann man schlecht aus Buchenholz bauen."

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