Explosion in Walzwerken Einsal: Zweiter Verhandlungstag mit Zeugen

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Zweiter Verhandlungstag mit Zeugen (Symbolbild)

Nachrodt-Wiblingwerde - Einen ganztägigen Großeinsatz von 110 Feuerwehrleuten verursachte am 23. Juli 2015 eine Explosion in der Strahl- und Beizhalle der Walzwerke Einsal. Am zweiten Verhandlungstag hatte die 1. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Hagen erstmals Zeugen geladen.

Vermutlich waren Wasser und alkalische Lösungsmittel in einen Kunststofftank mit Resten von hochreaktivem Wasserstoffperoxid gelangt und hatten die Reaktion ausgelöst. 

Die Walzwerke verklagten die mit den Reinigungsarbeiten betraute Firma und deren vor Ort tätigen Subunternehmer auf Schadensersatz. Ihrer Ansicht nach hätte der verwendete Fettlöser nicht in einem derart „empfindlichen Bereich“ eingesetzt werden dürfen, in dem sich neben dem Wasserstoffperoxidtank auch Salzsäure und Schwefelsäure-Tanks befanden. Die beklagte Reinigungsfirma verweist darauf, dass es keinen entsprechenden Hinweis seitens des Sicherheitsbeauftragten der Walzwerke gegeben habe. 

Zeugen sollen Ereignisse aufklären

Am zweiten Verhandlungstag hatte die 1. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Hagen erstmals Zeugen geladen, um die Ereignisse aufzuklären. Dabei machte der Sicherheitsbeauftragte der Walzwerke deutlich, dass die beiden mit den Reinigungsarbeiten beschäftigten Männer vermutlich ihre Haut retteten, als sie auf ein Zischen in einem der Behälter reagierten und sich aus dem Gefahrenbereich entfernten, bevor der Plastiktank explodierte. Da solche Reinigungsarbeiten regelmäßig in den Werksferien erledigt werden, war es kein Zufall, dass sich ansonsten niemand in gefährlicher Nähe zum Explosionsort befand. 

Es entstand allerdings erheblicher Sachschaden. Die Prozessgegner bemühten sich in einer sehr sachlichen und konstruktiven Atmosphäre um eine Klärung, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Dabei zeigte sich, dass viele Faktoren zusammengekommen waren, die in ihrem Zusammenspiel noch nicht vollständig aufgeklärt sind. Der Sicherheitsbeauftragte der Walzwerke hatte offenbar seine Pflicht getan und auf die Gefahren der wartungsbedingt entleerten Tanks hingewiesen, in denen sich noch Reste der hochreaktiven Flüssigkeiten befanden. 

Nach seinen Angaben war er gar nicht auf die Idee gekommen, dass die beiden Reinigungskräfte an diesem Ort etwas Anderes einsetzen könnten als einen Hochdruckreiniger und Wasser. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Männer das mit Wasser machen und hielt es für überflüssig darauf hinzuweisen, dass nur mit Wasser gereinigt werden darf.“ Die Anwälte der beteiligten Fremdfirmen hingegen wiesen kritisch auf eben diesen Umstand hin, dass die Reinigungskräfte nicht ausdrücklich vor dem Einsatz alkalischer Lösungsmittel gewarnt worden waren. 

Der Mann, der die Arbeiten durchgeführt hatte, erschien nicht

Noch nicht befragt werden konnte der Mann, der die Arbeiten vor Ort durchgeführt hatte. Der Zeuge hatte sein Nichterscheinen mit einem medizinischen Attest gerechtfertigt. Vor allem aber ist der genaue Hergang des Unglücks noch nicht abschließend geklärt. Der Sicherheitsbeauftragte sagte zwar einerseits, dass der Wasserstoffperoxidbehälter trotz der Wartungsarbeiten „vollständig geschlossen“ gewesen sei. 

Er räumte aber an anderer Stelle ein, dass er nicht sagen könne, „die Dosiertanks sind zu 100 Prozent dicht“. Irgendwie müssen Wasserstoffperoxid und das durch die Luft wirbelnde Wasser mitsamt dem darin gelösten alkalischen Lösungsmittel zueinander gefunden haben, um miteinander derart heftig zu reagieren. Zu den technischen und chemischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Unglück stellen, soll nun ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben werden. Anschließend werden sich die Parteien im Landgericht wiedersehen.

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