In den Glaskasten passt ein Sarg

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Helmut Kruse, Rainer Nowak und Dieter Wilke mit der neuen Errungenschaft.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Schön ist es hier – und gepflegt“, sagt Helmut Kruse beim Gang über den Wiblingwerder Friedhof. Keine Frage, für den Bestatter aus Nachrodt zählt er mit zu den Schönsten der Region. Gemeinsam mit Dieter Wilke, der für das Bestattungsunternehmen Vosloh und Muth bei Bestattungen im Höhendorf hilft, und Rainer Nowak vom Presbyterium präsentiert er die neue Kühlung in der Leichenhalle.

„Wir haben als Kirchengemeinde im vierstelligen Bereich investiert, um uns für die Zukunft im Bereich Friedhof aufzustellen“, erzählt Rainer Nowak und schiebt den durchsichtigen Kühlkasten aus einem der Abschiedsräume in den Vorraum der Leichenhalle. In den großen Glaskasten passt genau ein Sarg. „Es geht darum, den Angehörigen einen würdevollen und hygienischen Rahmen für das Abschiednehmen zu geben“, erklärt Nowak.

 Im Sommer bei höheren Temperaturen sei es kaum möglich, einen Sarg in dem Raum zu lagern. Sofort entstehen äußerst unangenehme Gerüche. „Bei Hitze geht das schnell. Meist riecht es schon nach einigen Stunden. In der Kühlung lagern die Särge mit den Leichen bei 10 bis -2 Grad Celsius. So können die Angehörigen auch im Sommer am Sarg trauen – solange sie möchten“, erzählt der Presbyter.

Der Friedhof in Wiblingwerde.

 Bestatter Kruse erklärt zudem, warum nicht nur im Sommer eine solche Kühlung wichtig sein kann: „Bei Verstorbenen, die zuvor sehr krank waren und beispielsweise gewisse Medikamente genommen haben, entstehen ebenfalls schnell Leichengerüche. Das ist für die Angehörigen kaum zumutbar. So eine geruchsdichte Lösung ist super.“

 Extra Kosten für die Nutzung der Kühlung fallen für die Angehörigen übrigens nicht an. Das sei im Presbyterium so beschlossen worden. „Wir wollen damit kein Geschäft machen, sondern den Trauernden einfach einen würdigen Rahmen bieten“, betonte Nowak. 

Zudem bemerken die Wiblingwerder bereits jetzt wachsendes Interesse an ihrem Friedhof. Der kurze Weg zwischen Kirche und Friedhof, die gepflegte Anlage ohne große Steigungen und die allgemeine Beschaffenheit sorge für eine große Nachfrage. „In den meisten Fällen geht es um Urnenbeisetzungen. Dafür schaffen wir immer mehr Fläche“, sagt Nowak.

 Es sei wichtig, sich auf veränderte Wünsche frühzeitig einzustellen und jedes Jahr neu zu kalkulieren. Große Familiengrabstätten gibt es beispielsweise immer weniger. Viele Angehörige wählen nur eine Tafel mit dem Namen des Verstorbenen auf der Wiese. „Die Angehörigen sind oft weit weg. Die aufwendige Pflege einer Grabstelle ist somit nicht zu stemmen – das ist ein Argument, das wir immer wieder hören – und natürlich ist es auch eine Kostenfrage“, berichtet Nowak.

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