1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Es wird frostig: Rundumschlag beim Energiesparen

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Das Flutlicht im Mestekämper-Stadion soll aus Spargründen am besten nicht eingeschaltet werden, was so nicht möglich sein wird.
Das Flutlicht im Mestekämper-Stadion soll aus Spargründen am besten nicht eingeschaltet werden, was so nicht möglich sein wird. © Fischer-Bolz, Susanne

Es wird frostig in Nachrodt-Wiblingwerde. Das Energiesparpaket umfasst Sporthallen, Schulen, das Jugendzentrum, die Bücherei, die Straßenbeleuchtung und vieles mehr.

Nachrodt-Wiblingwerde – 19 Grad. Und kein Grad mehr. Das ist die Marschroute in den Büros der Verwaltungsmitarbeiter. Wer am Schreibtisch sitzt und arbeitet, den überfällt durchaus manchmal das Schnattern. „Heißer Tee hilft“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Flure und Sanitärbereiche sind in den Containern, die gerade als Ersatzquartiere dienen, nicht beheizt. Die Mitarbeiter sollen bei ausreichend Tageslicht auch unbedingt das Licht ausschalten und alle Gerätschaften bei Dienstende ausschalten. Denn Energie sollen ja nicht nur alle Bürger daheim, sondern auch alle Unternehmen und Einrichtungen sparen. Deshalb gibt es jetzt auch Sparmaßnahmen in den Sporthallen, Schulen, im Jugendzentrum und in der Bücherei. Hierfür hat sich die Verwaltung sowohl an den Empfehlungen des Schulministeriums NRW als auch an der Energieeinsparverordnung NRW orientiert. Doch so einfach ist die Umsetzung nicht.

Sporthallen

In den Sporthallen werden Schilder angebracht, die auf die sparsame Nutzung von Wasser, kürzeres und Temperatur bewusstes Duschen sowie das Ausschalten des Lichts hinweisen. Für Sporthallen werden seitens des Schulministeriums NRW folgende Heizeinstellungen empfohlen: . Als Nutzungstemperatur für die Sporthalle: 17 Grad, Hallen und Zusatzsporträume: 20 Grad, Duschräume: 24 Grad, Umkleideräume: 22 Grad, Toiletten: 15 Grad, Treppenräume, Flure: 12 Grad. Die Verwaltung hat die Temperatur in den Sporthallen auf 17 Grad eingestellt. Bei ruhigen Trainingseinheiten wie beim Yoga dürfte es dann kalt auf dem Boden werden. Der Toilettenbereich wird der Temperatur der Halle angepasst und mit 17 Grad beheizt. Es muss aber nicht kalt geduscht werden. „Wenn nur kaltes Wasser kommt, dann bekommen wir eventuell ein Legionellenproblem. Dann können lieber drei Leute warm duschen“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat während der Sitzung des Rates. Die Sporthallen werden offengehalten, solange es geht. Außerdem werden alle Außenbeleuchtungen angepasst. Dies kann aber zu einem Abschalten oder zeitlich eingeschränktem Beleuchten führen.

Mestekämper Stadion

Im Wilhelm-Mestekämper-Stadion sollte das Spielen unter Flutlicht vermieden oder nur ein Teilbereich des Platzes beleuchtet werden. Das klingt nur in der Theorie vielversprechend, ist aber eigentlich kaum umsetzbar, wie Jan Schröder, Vorsitzender der SpVgg, sagt. Zwar sind die Spiele in der Regel sonntags im November bereits um 14.30 Uhr, ab Dezember sogar ab 14.15 Uhr, aber das Training unter der Woche findet abends statt. „Da kommen wir nicht daran vorbei, auch das Licht anzumachen“, sagt Jan Schröder. Die Trainingszeiten könnten auch nicht vorverlegt werden, da die vielen Jugendmannschaften im Stadion Fußball spielen. Allein 150 Kinder trainieren bei der SpVgg. „Ich kann auch den Jungs nicht sagen, dass sie nur einmal in der Woche zum Training kommen dürfen, weil wir Strom sparen müssen“, so Jan Schröder. Fußball werde nun mal draußen gespielt. Allerdings sei es natürlich eine Selbstverständlichkeit, dass man darauf achte, sorgsam mit dem Flutlicht umzugehen, es sofort auszuschalten, wenn das Training beendet sei und es nicht noch eine halbe Stunde leuchten zu lassen. „Keiner nutzt das übermäßig“, weiß der SpVgg-Vorsitzende. Ob das Flutlicht auf LED umgerüstet werden kann, fragte Sonja Hammerschmidt (UWG) im Rat an. Eine Lampe sei auch defekt. „Wir haben das schon mal überprüft. Das ist nicht wirtschaftlich, der Aufwand ist zu groß, weil dann am ganzen Mast etwas gemacht werden muss. Vielleicht wird es auch aufgrund der erhöhten Energiepreise irgendwann doch wirtschaftlich“, so Birgit Tupat. Die Verwaltung werde das noch einmal prüfen.

So wirklich warm ist es auch in den Klassenräumen nicht.
So wirklich warm ist es auch in den Klassenräumen nicht. © Privat

Schulen

Wirklich warm ist es auch nicht in den Schulen. Für Klassenräume oder andere, für pädagogische Zwecke genutzte Räume ist eine Mindesttemperatur von 20 Grad vorgesehen. Dies gilt auch für die Mensa oder die Aula. „Das werden wir dann sehen, wie es in der Praxis funktioniert“, sagt Carsta Coenen, Leiterin der Grundschule Nachrodt-Wiblingwerde. Da man es ja ohnehin gewöhnt sei, immer zu lüften, sei es auch jetzt so gar nicht warm in den Klassen. Die Schulen werden übrigens auch gebeten, verzichtbare Elektrogeräte abzuschalten beziehungsweise auf einen bedarfsgerechten Betrieb umzustellen. Und: In den Schulen werden die WC-Bereiche mit feststellbaren Thermostaten versehen. Aber wie sieht es an den Wochenenden aus? „Können, wenn niemand in den Schulen ist, die Temperaturen heruntergefahren werden“, wollte Ronny Sachse (SPD) wissen. „Das ist der Plan, aber wir sprechen noch mit den Heizungsbauern“, so die Bürgermeisterin.

Bücherei/Jugendzentrum

Die Bücherei, das Jugendzentrum und das Jugend- und Kulturheim werden analog auf 20 Grad eingestellt. „Mir reicht das“, sagt Büchereileiterin Gaby Beil. Sie friert nicht so schnell, sagt sie. „Und die Leute, die in die Bücherei kommen, bleiben ja nicht so lange, als dass es für sie zu kalt werden könnte“, meint sie schmunzelnd.

Umrüstung

Alle gemeindeeigenen Gebäude werden auf die Umrüstung auf LED-Beleuchtung geprüft. Es wird auch geguckt, ob die Anzahl der Straßenlaternen reduziert werden kann. „Der größte Teil der Straßenbeleuchtung ist noch nicht auf LED umgestellt. Oft gibt es zwei Leuchtkörper. Vielleicht könnte man zu einer bestimmten Uhrzeit einen Leuchtkörper abschalten. Dafür haben wir aber noch keine Rückmeldung“, so Tupat. Interessant ist auch die Frage, wann die Straßenbeleuchtung startet. „Funktioniert es mit einer Zeitschaltuhr oder ist sie dämmerungsgesteuert?“, wollte Matthias Lohmann wissen, der die Beleuchtungszeit generell als recht lang empfindet und Einsparpotenzial sieht. „Die Straßenzüge sind unterschiedlich gesteuert“, berichtete Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz. Es gibt Dämmerungsschalter und teilweise sogenannte Astrouhren, die einen kalendarischen Verlauf haben und „mal besser, mal schlechter funktionieren“. Eine Anfrage beim Bauhof läuft, denn „auch ich habe es schon erlebt, dass die Lampen brannten, obwohl es schon taghell war“, so die Bürgermeisterin und ergänzte schmunzelnd: „Wo sitzt denn der Dämmerungsschalter? Unter irgendeinem Eimer?“

Ein Baum

Auf Weihnachtsbeleuchtung soll nicht verzichtet werden, obwohl: Es gibt nur einen Weihnachtsbaum im Nachrodter Feld und die Außenbeleuchtung auf dem Schulhof der Sekundarschule. Diese ist bereits mit einer LED-Lichterkette ausgestattet. Die Beleuchtungszeit wird aber eingeschränkt – und zwar von 17 bis 20 Uhr.

Amtshaus

Das Amtshaus wird weiterhin geringfügig beheizt, um Schimmelbildung vorzubeugen. Es steht leer und die Sanierung soll bald beginnen. An der Schmidtstraße 2 (ehemalige Apotheke) wird ebenfalls nur minimal geheizt. Dort ist unter anderem der Server der Gemeindeverwaltung untergebracht. Es wurde Hydrometer aufgestellt, um die Luftfeuchtigkeit einzuschätzen und Schimmelbildung vorbeugen zu können. Zur besseren Temperaturkontrolle sollen weitere Thermostate für die gemeindeeigenen Gebäude angeschafft werden.

Auch interessant

Kommentare