Winterdienst läuft „wie geschmiert“ / Wiesenbesitzer haben Kummer

Freud und Leid nah beieinander

Man muss nicht zweimal hinschauen, um die Reifenspuren zu erkennen. Die Wiesenbesitzer sind entsetzt.
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Man muss nicht zweimal hinschauen, um die Reifenspuren zu erkennen. Die Wiesenbesitzer sind entsetzt.

Es könnte am Wochenende wieder winterlich werden. Der strömende Regen aufhören und eine weiße Pacht vom Himmel fallen. Dann fahren Glück und Unglück im selben Schlitten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Wetterfrösche sind sich nicht einig. Wenn am Wochenende die weiße Pracht wieder locken sollte (Samstag bedeckt und windig bei 0 Grad, Sonntag fünf Sonnenstunden), werden sich Besucher wieder auf die Schlittenwiesen in Wiblingwerde und Umgebung stürzen, begeistert die Hänge runterbrausen. Wenn noch etwas von den Wiesen übrig ist und das Wetter mitspielt. Vielleicht regnet es auch nur. Am wahrscheinlichsten ist, so die Prognosen, dass die Kaltluft sich von Nordosten erneut bis in den Süden und den Westen ausbreitet und das damit das Wochenende erneut winterlich verläuft.

„Von Vermüllung will ich gar nicht sprechen“

Das ist dann Glück für die einen. Unglücklich darüber sind die Wiesenbesitzer. Sie sind vielerorts nur noch verzweifelt. Heiko Cordt erzählt von einem beliebten Ausflugsziel am Windrad: „Die Wiese gehört Thomas Dresel, es ist nur meine Jagd. Die Leute parken alles zu, fahren über die Fläche und von der Vermüllung mag ich gar nicht sprechen.“

Nachts, so erzählt der Jäger, wird mit Kopflampen gerodelt. Weil Schlittenfahren in Coronazeiten fast das einzige Highlight ist, hat er durchaus Verständnis für die Besucher. „Man frist den Ärger in sich hinein“, sagt er. Im ersten Lockdown und auch jetzt seien die Wälder zudem überlaufen. „Da wird am Windrad geparkt, wo überhaupt keine Stellfläche ist, die Hunde laufen frei herum und unser Wild bekommt überhaupt keine Ruhe mehr. Aber das müssen wir wohl durchhalten“, meint Heiko Cordt, dem besonders die Rücksichtslosigkeit einiger Besucher zu schaffen machen. „Die Leute sollen wenigstens ihren Müll mitnehmen und bei Dunkelheit wieder fahren“, appelliert er an die Vernunft. Und schauen, wo sie parken: „Bei uns auf dem Hof wurde ein Feuerlöschbehälter zugeparkt. Düsseldorfer Kennzeichen. Die Leute kommen von überall her.“ Was aus den Wiesen wird, weiß er noch nicht. „Wenn den ganzen Tag Schlitten gefahren wird, geht schon einiges kaputt. Wir haben noch keinen Frost drunter, alles ist matschig, wir werden im Frühjahr sehen, was passiert ist.“

Beschwerden halten sich in Grenzen

Unterdessen läuft der Winterdienst in der Gemeinde wie geschmiert. „Wir sind zufrieden. Wir haben genug Salz bestellt und heute noch mal 100 Tonnen nachgeordert“, sagt Robert Groppe, Chef des Baubetriebshofes. Die Beschwerden, so sagt er, halten sich „wirklich in Grenzen.“ Über die App, die auch eine Mängelmeldung ermöglicht, kommt so gut wie kein Winterdienst-Kummer. „In der Regel werden kaputte Laternen gemeldet“, erzählt Robert Groppe und spricht schmunzelnd von gar 90 Prozent aller Nachrichten, die sich nur um Straßenbeleuchtung drehen. Die Nachrichten über die App landen bei der Gemeindeverwaltung, die sie dann – wenn es den Baubetriebshof betrifft – weiterleitet. „Von uns gibt es also keine Rückmeldung an die Bürger“, so Robert Groppe.

Streuwagen dreht bei Rennerde

An der Streckenführung beim Winterdienst wurde nichts geändert. „Das scheint alles gut zu harmonieren. Wir haben einen neuen Streuer und auch einen neuen Schneeflug im Einsatz“, erzählt Robert Groppe und spricht von einer soliden Technik. Er hinterfragt die Prozesse, möchte in seinem ersten Jahr als Chef zunächst gucken, wo es vielleicht knacken könnte. „Aber ich habe nichts Negatives gehört.“

Dass die Bürger beim Winterdienst ganz genau hingucken, hat Robert Groppe natürlich schon gemerkt. Als letztens kurz vor Rennerde der Streuwagen drehte, gab es direkt eine Rückmeldung „Warum wurde nicht weitergestreut?“ Die einfache Antwort: Es musste erst Salz nachgeladen werden. „Niemand denkt darüber nach, dass so ein Tank endlich ist“, sagt Robert Groppe. Und so fuhr der Streuwagen an Häusern vorbei, ohne zu streuen. Bei ergiebigem Schnee wird übrigens nicht ständig Salz auf die Straßen gebracht, weil man es wenig später wieder wegschiebt und neu salzt. „Wir könnten es uns einfach machen und durchsalzen. Aber da hat die Natur nun wahrlich nichts davon.“ Bis 7 Uhr morgens ist alles geräumt: Das ist das Ziel. Entsprechend früh sind die Bauhof-Mitarbeiter unterwegs.

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