Teilweise abgeschnitten

„Es ging ums Überleben“: Brenscheider Mühlen vom Hochwasser hart getroffen 

Gesichert: Etliche Gefahrenstellen rund um die Brenscheider Mühle. in Nachrodt.
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Gesichert: Etliche Gefahrenstellen rund um die Brenscheider Mühle. in Nachrodt. Das Gelände wurde schwer vom Hochwasser getroffen, die Ölmühle ist derzeit nicht erreichbar.

Das Hochwasser hat die Brenscheider Mühlen herbe getroffen: Die Ölmühle ist derzeit nicht erreichbar, auf dem Gelände liegen Leitungen frei. Es gibt keinen Strom.

Nachrodt-Wiblingwerde – Unscheinbar und idyllisch liegt sie da, die Brenscheider Ölmühle. Wer die kleine Straße von der L 692 in Richtung Brenscheider Mühle fährt ahnt nicht, wie es hinter dem historischen Gebäude und den Bäumen aussieht.

Von der einen Seite malerisch – von der anderen katastrophal. Mit ganzer Kraft haben sich die Wassermassen aus Richtung Mesekendahl, Hahn und Sonnenscheid ihren Weg ins Tal gebahnt. Von allen Seiten kam das Wasser. Wege, Leitungen, Wiesen – all das gibt es nicht mehr.

Bach läuft meterbreit über Zufahrt

Es ist unter einer dicken Geröllschicht vergraben. Der sonst so lieblich mäandernde Bach hat sich ein neues Flussbett gesucht und läuft jetzt stellenweise meterbreit über die Zufahrt.

Doch es scheint wie ein Wunder: Die Ölmühle selbst blieb verschont. Kein Schaden. Allerdings ist sie nicht mehr erreichbar. Komplett abgeschnitten von der Außenwelt und sämtlichen Versorgungsleitungen. Von dort floss das Wasser weiter in Richtung Fischteiche, Gaststätte, Kornmühle und Wohnhäuser.

„Nacht, die wir nicht so schnell vergessen“

„Das war eine Nacht, die werden wir so schnell alle nicht vergessen. Unvorstellbare Wassermassen schossen hier entlang. Ohne Feuerwehr und Tiefbauer hätten wir hier im Tal keine Chance gehabt“, erzählt Hans-Otto Camphausen. Der Besitzer lebt etwas unterhalb der Mühle, ihn hat es nicht so schlimm getroffen.

Versuchen die Hoffnung nicht zu verlieren: Hans-Otto Camphausen und seine Ehefrau Barbara.

Aber er ist auch verantwortlich für die Gaststätte und die Kornmühle. Er konnte nur hoffen und beten, dass der Wall, den die Retter errichteten, hält. „Er hat wirklich viel Wasser abgehalten. Das war noch unser Glück“, sagt Hans-Otto Camphausen.

„Es ging ums Überleben“

An den Tagen nach der Flut wurden die Schäden sichtbar. „Der Weg zur Ölmühle war lebensgefährlich. Starkstromleitungen hingen im Wasser. Der Strom musste abgestellt werden. Seither surrt hier ein Aggregat und versorgt uns mit Strom“, berichtet Camphausen. Es werde wohl noch lange dauern, bis die Leitungen alle wieder dort sind, wo sie hingehören und funktionieren.

Starkregen: Die Bilder aus Altena und Nachrodt

An der Elsa-Brandström-Straße in Altena liefen Keller voll.
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Im Eifer des Gefechts wurde bei den Dammbauarbeiten zudem die Wasserleitung zur Gaststätte getroffen. Erst Anfang der Woche konnte eine provisorische Leitung quer über die gesperrte Straße gelegt werden. „Ganz ehrlich: Das ist ein Schaden, den wir niemandem verübeln können. An diesem Tag ging es ums Überleben und um Existenzen. Wer da noch nach Leitungen guckt, macht etwas falsch. Wir sind froh, diesen Damm so schnell bekommen zu haben“, betont der Mühlenbewohner. Durch den Damm blieb die Gaststätte nämlich weitestgehend verschont.

Schwere Schäden in der Kornmühle

Lediglich im Bierkeller stand das Wasser. Die Brenscheider Kornmühle kam nicht so glimpflich davon: „Hier stand das Wasser schon hoch. Ich schätze, so mindestens ein Meter wird es gewesen sein.“ Zum Glück sei dort aber nichts betoniert, wodurch das Wasser quasi durch die Mühle durchgedrückt wurde und weitestgehend von alleine ablief.

„Was von den Backgeräten kaputt ist, weiß ich noch nicht genau. Ich hoffe auch, dass ich nicht den ganzen Putz von den Wänden kloppen muss. Aber auch hier sind wir dank der Retter mit einem blauen Auge davon gekommen“, bedankt sich Hans Otto Camphausen.

Gartenhütte weggerissen

Schlimmer getroffen hat es Familie Rickert, die unterhalb wohnt. Das Wasser stand hoch im Haus, die Keller komplett voll. Eine Gartenhütte wurde weggerissen und ist verschwunden. Ebenso etliche Dinge aus dem Garten. Die Kläranlage an der Brücke hat es auch erwischt. Die Schutzmauer aus Steinen gibt es nicht mehr. Auch dort sind jetzt Experten gefragt.

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