Eltern sollen offen sein für Erziehungsexperimente

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Heidrun Geck diskutierte im Fibs mit Müttern über Erziehungsprobleme.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wie funktioniert Erziehung? Warum lernen Menschen? Und welche Rolle nehmen die Eltern bei der Entwicklung der Kinder ein? Diesen Fragen gehen derzeit mehrere Mütter des Evangelischen Familienzentrums Fibs nach. Antworten erhielten sie von der Psychologischen Beraterin Heidrun Geck.

Die Iserlohnerin Heidrun Geck leitet im Fibs derzeit den Kursus „Starke Eltern – starke Kinder“. An fünf Nachmittagen geht es darum, den Eltern aufzuzeigen, wie sie entscheidenden Einfluss auf das Leben ihrer Kinder nehmen können. „Wir lernen aus Liebe zu jemandem oder weil sie Angst vor Konsequenzen haben“, nannte die Expertin zwei Gründe, die das menschliche Handeln bestimmen. Der dritte Weg, das Lernen durch Verstehen, sei der beste, aber zugleich auch der schwierigste. „Das dauert Jahre, und Eltern sind in dieser Zeit die Trainer ihrer Kinder“, betonte Geck, dass Väter und Mütter eine Menge Geduld aufbringen müssen.

Was in der Theorie einleuchtend erscheint, ist in der Praxis oft sehr viel schwieriger: Eltern wollen ihrem Kind erklären, warum sie ein bestimmtes Verhalten von ihm fordern, doch der Nachwuchs will es einfach nicht begreifen. Dabei seien lange Erziehungsmonologe in solchen Situation fehl am Platz, erklärte Heidrun Geck. „Das rauscht an den Kindern vorbei, sie schalten einfach ab.“ Weil Kinder bis zum Alter von etwa zehn Jahren noch das kognitive Verständnis fehle, seien klare Worte und kurze Sätze in dieser Entwicklungsphase die bessere Wahl. Dabei sei es durchaus angebracht, auch Verständnis für die Kinder zu zeigen, die die Regeln der Eltern nicht ohne weiteres akzeptieren wollen. „Kinder dürfen auch murren und schmollen und sich sogar auf den Boden werfen“, gestattet Geck durchaus Wutausbrüche. „Sie werden aber allmählich lernen müssen, mit ihren Gefühlen anders umzugehen.“

Dabei können und müssen ihnen die Eltern helfen: Einerseits durch eine starke innere Haltung, aber auch durch vorbildhaftes Verhalten. Beide färbe auf die Kinder ab. Für wichtig hält Heidrun Geck eine gute Eltern-Kind-Beziehung. „Wenn die stimmt, läuft die Erziehung wie von selbst“, versicherte sie. Deshalb lohne es sich, an diesem Vertrauensverhältnis zu arbeiten.

Doch in manchen Familien stören äußere Einflüsse ein harmonisches Zusammenleben. Die können durchaus von den Großeltern kommen, die den Kindern zu viel durchgehen lassen und damit die Erziehungsversuche der Eltern torpedieren. Für Heidrun Geck sind solche Fälle gar nicht einmal selten. Sie empfiehlt, mit Oma und Opa klare Regeln zu vereinbaren, wer in welchen Situationen das letzte Wort hat. „Dabei darf es durchaus vorkommen, dass bei den Großeltern andere Regeln gelten als zuhause“, sagte sie. Kinder seien durchaus in der Lage, das zu akzeptieren.

Patentlösungen für eine erfolgreiche Kindererziehung hat auch Heidrun Geck nicht. Doch sie rät den Eltern, ihr eigenes Verhalten immer auch einmal mit den Augen des Kindes zu sehen. „Und nehmen Sie alles nicht zu ernst, sehen Sie Erziehung eher wie ein Spiel“, ermuntert sie Eltern, offen zu sein für das eine oder andere pädagogische Experiment. - Volker Griese

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