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Auch Bürgermeisterin legt Druckverband an

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Von der Wichtigkeit überzeugt: die Verwaltungsmitarbeiter
Von der Wichtigkeit überzeugt: die Verwaltungsmitarbeiter © Fischer-Bolz, Susanne

Wann war denn Ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs? Kurz vor der Führerscheinprüfung? Ersthelfer sind in jedem Betrieb gesetzlich vorgeschrieben. Bei der Nachrodt-Wiblingwerder Verwaltung haben gleich alle mitgemacht.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Wenn man fragt, wer Ersthelfer sein möchte, gucken alle verlegen an die Decke. Vor der alleinigen Verantwortung haben doch viele Angst. Aber dass die Ausbildung jetzt für alle Verwaltungsmitarbeiter angeboten wurde, kam gut an“, erzählt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Und auch sie selbst nahm teil – an der Ersthelferausbildung bei Jörg Schindler. Neun mal 45 Minuten waren für die Intensivausbildung angesetzt, zu der sich die Verwaltungsmitarbeiter in der Aula der Grundschule trafen.

„Man kann nichts falsch machen“

Das ganze Programm – von der Theorie bis zum Anlegen des Druckverbandes, von der stabilen Seitenlage, der Nutzung des Defibrillators bis zur Herz-Lungen-Wiederbelegung – wurde unterrichtet. Jörg Schindler erklärte, „dass jede Minute zählt und jede Hilfe besser ist als gar keine“. Man könne nichts falsch machen – außer, man tue gar nichts. Immer im medizinischen Notfall zuerst: die 112 wählen und der Rettungsleitstelle die wichtigsten Informationen übermitteln. Die ersten Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes muss der Ersthelfer überbrücken, sie können über Leben und Tod entscheiden.

Jede Notfall-Situation ist anders

Da jede Notfall-Situation anders ist, ist es wichtig, einige grundsätzliche Verhaltensweisen zu kennen. Bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung: Immer die stabile Seitenlage anwenden. Hat der Bewusstlose keine Atmung, wird sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen. Dabei gilt im Wechsel: 30 Mal Herzdruckmassagen, zwei Mal Atemspende. Die Person – wenn möglich – auf eine harte Unterlage legen, Brustkorb freimachen, Handballen auf die Mitte des Brustkorbes legen. Drucktiefe: fünf bis sechs Zentimeter, Frequenz: 100 bis 120 Mal in der Minute. Dabei hilft ein Lied im Kopf, wie „Staying Alive“ oder „Atemlos“ von Helene Fischer. Die Wiederbelebung ist extrem anstrengend, so dass man sich im besten Fall mit einem anderen Helfer abwechselt. Es gilt: So lange weitermachen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

„Das Gerät sagt, was man tun soll“

Der Einsatz eines Defibrillators, den es in vielen kleinen Dörfern in Nachrodt-Wiblingwerde gibt, kann ebenso Leben retten. 20 Prozent der Herzinfarkt-Patienten sterben am Kammerflimmern – ohne Defibrillation besteht kaum eine Überlebenschance. „Das Gerät sagt, was man tun soll, und auch, wie die Pads aufgebracht werden solen“, erzählt Birgit Tupat und glaubt, dass man als Helfer in der Not möglicherweise sehr viel ruhiger und besonnener handeln kann als man es selbst für möglich hält. Nicht alle Notfälle sind direkt lebensbedrohlich und doch ist auch dort schnelle Hilfe wichtig, wie beispielsweise beim Asthmaanfall, bei dem der Ersthelfer den Oberkörper des Patienten hoch lagert, Frischluft zuführt und Atemanweisungen gibt.

Ersthelfer im Betrieb

Ersthelfer im Betrieb sind gesetzlich vorgeschrieben. Ihre Anzahl richtet sich dabei nach Betriebsgröße und dem potenziellen Unfallrisiko. Um als betrieblicher Ersthelfer zu fungieren, muss der Betreffende einen entsprechenden Erste-Hilfe-Kurs besucht haben und diesen alle zwei Jahre auffrischen. Zu den Aufgaben der Ersthelfer zählen die Erstversorgung des Verletzten nach einem Arbeitsunfall, die Alarmierung des Rettungsdienstes, die Weitergabe relevanter Informationen an den Rettungsdienst sowie die regelmäßige Prüfung des Erste-Hilfe-Materials. Geregelt ist dies im Arbeitsschutzgesetz und in der Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Konkret heißt es hier: In Betrieben mit zwei bis 20 anwesenden Beschäftigten ist mindestens ein Ersthelfer Pflicht. In Betrieben mit mehr als 20 anwesenden Beschäftigten sind im Verwaltungsbereich bereits mindestens fünf Prozent sowie in sonstigen Betrieben, zum Beispiel im Bereich Produktion, mindestens zehn Prozent der anwesenden Beschäftigten als Ersthelfer im Betrieb Pflicht.

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