Solides Fundament für das lebenslange Lernen

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20 Hauptschüler erhielten am Freitag ihre Abschlusszeugnisse.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Genau 20 Schülerinnen und Schüler haben am Freitagnachmittag in der Albert-Schweitzer-Hauptschule ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Dass sie zu einer aussterbenden Art zählen, darauf ging der stellvertretende Bürgermeister Michael Schlieck ein.

Schulleiter Rüdiger Grote ging auf die Entwicklung dieser zehnten Klassen ein, die im Jahr 2007 mit nur 14 Schülern gestartet, zwischenzeitlich auf 22 angewachsen war und nun am vorläufigen Ende der Schullaufbahn angekommen ist. Von den 20 Abschlussschülern werden elf eine weiterführende Schule besuchen und neun eine Ausbildung beginnen. „Das freut mich umso mehr, als ihr offenbar einen nahtlosen Übergang und somit Neuanfang beginnen könnt“, sagte Grote. Der Schulleiter verdeutlichte auch, dass die Zehntklässler an der Hauptschule das notwendige Rüstzeug für ihr weiteres Leben erhalten haben: Neun Schüler erreichten die Fachoberschulreife, davon fünf sogar mit der Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. Alle anderen erlangten den Hauptschulabschluss. „Wir haben Euch ein Fundament verschafft, auf dem Ihr getrost aufbauen und von dem Ihr Euch in alle Richtungen orientieren könnt“, sagte Grote. Angestrebte Ziele zu erreichen, setze Einsatzbereitschaft voraus, gab er seinen scheidenden Schützlingen aber auch mahnende Worte mit auf den Weg und zitierte den Pädagogen Ignaz Anton Demeter: „Die größten Meister sind diejenigen, die nie aufhören Schüler zu sein.“

Den griechischen Philosophen Heraklit bemühte Aysun Aggül, die für die Schüler sprach. „Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen“, hatte der Denker aus Ephesos gesagt. „Ich denke, dass in jedem von uns Flammen der Bildung entzündet worden sind“, sagte die Schülerin. Jeder habe es nun aber auch selbst in der Hand, dass diese Flammen nicht erlöschen, drückte sie mit anderen, blumigeren Worten aus, was auch der Schulleiter zuvor schon gesagt hatte: Das Lernen hört niemals auf.

Der stellvertretende Bürgermeister Michael Schlieck nahm die Zukunft der Albert-Schweitzer-Hauptschule in den Blick. Durch die Gründung der Sekundarschule im vergangenen Jahr ist sie zum Auslaufmodell geworden, doch Schlieck warb um Verständnis für diese nach seiner Auffassung unausweichliche politische Entscheidung. „Wenn überall so gut gelehrt worden wäre wie hier an dieser Schule, würde es diese Schulform noch lange geben“, war er sicher, dass das Aussterben der Hauptschule vermeidbar wäre.

Mit einem Fotorückblick auf die vergangenen sechs Schuljahre und einem amüsanten Quiz, bei dem die Lehrer Scherzfragen beantworten mussten, trugen die Abschlussschüler selbst zur Gestaltung ihrer stilvollen Entlassfeier bei, die am Abend mit einem gemeinsamen Essen endete.

Bereits am Freitagmorgen hatten die Hauptschüler ihre Schule „gestürmt“. Eine auf einem Treckeranhänger aufgebaute Musikanlage lieferte heiße Rhythmen zum Tanzen und Spielen. In den Pausen bezogen die Zehntklässler auch die Schüler der Sekundarschule ein. Den Lehrern der Hauptschule servierten sie in der Lehrküche ein reichhaltiges Frühstück. ▪ Volker Griese

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