Am Holensiepen

Energiekonzept: So will Gemeinde Nachrodt ihre Gebäude heizen

In der Lennehalle sind ab dem 1. April Schnelltests möglich
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Die Lennehalle hat den größten Energiebedarf.

Wie können die Gebäude der Gemeinde Nachrodt am Holensiepen sinnvoll mit Energie versorgt werden? Ein gemeinsames Kesselhaus für Lennehalle, Sekundarschule und Co. ginge, wäre aber nicht effektiv. Untersuchungen brachten weitere Ergebnisse.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ein Kesselhaus für alle Gebäude? Können Sekundarschule, Gartenhallenbad, Turnhalle und Lennehalle gemeinsam durch eine zentrale Wärmeerzeugungs-Anlage versorgt werden? Können sie schon. Nur würde es eine extrem kostspielige Angelegenheit. Und gewonnen wäre nichts. Im Gegenteil.

Auf 48 Seiten mit vielen Tabellen, Zahlen und Formeln sind die Untersuchungsergebnisse der Firma Enotherm verewigt. Dass das Energiekonzept dennoch verständlich für die Mitglieder des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses war, ist Kai Schild zu verdanken, der im Rahmen eines sehr interessanten Vortrags die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfasste.

Sanierung des Gartenbads: Fördergelder ein Thema

Ausschlaggebend dafür, was energetisch möglich ist, sind die baulichen Zustände der Gebäude, die sehr unterschiedlich sind. Die Außenwände, das Flachdach und die Fenster der Sekundarschule wurden saniert. Aktuelle Standards stehen hier gegen den Komplex der Lennehalle, der in den 1970er Jahren erbaut wurde und der bis auf das Steildach, das nach Kyrill erneuert wurde, unsaniert ist. Die Lennehalle benötigt deshalb auch am meisten Energie.

Für das Gartenhallenbad ist eine große Sanierung geplant, die finanziell gefördert wird. Die Sanierungsbausteine sind im Förderantrag festgelegt. Geplant ist unter anderem der Einbau eines Blockheizkraftwerks (BHKW). Das erzeugt Strom, keine Wärme. Wärme ist dabei das „Abfallprodukt“.

Zentrale Versorgung nicht rentabel

Ob bei einem Umbau auf eine zentrale Versorgung aller gemeindeeigener Gebäude am Holensiepen die finanzielle Förderung für das Gartenbad ins Wanken geraten könnte, weil die Planungen dann verändert werden müssten, ist eine Frage, die Kai Schild aufwarf, die aber zunächst nicht geklärt wird.

Denn eine zentrale Versorgung hat ohnehin kaum Chancen auf Realisierung. Zu viel spricht dagegen. „Wir reden nicht darüber, welchen Energiebedarf die Gebäude haben, sondern wie wir ihn decken, welche Möglichkeiten wir haben, die Energie bereitzustellen“, so Kai Schild.

Zu wenig Leistung für zu viel Geld

Der Stand der Dinge: In der Sekundarschule gibt es eine Wärmeerzeuger-Einheit, bestehend aus zwei Gaskesseln, wobei einer Baujahr 1996 ist. Die Lennehalle wird über einen recht aktuellen Brennwertkessel versorgt, „allerdings ist er schwierig zu erhalten, weil dort größere Anbaumaßnahmen vorgesehen sind“, so Kai Schild. Hallenbad und Turnhalle haben zwei sehr alte Gaskessel. „Ein Wunder, dass die noch so gut funktionieren“, findet Kai Schild. Doch sie sind bald ohnehin Geschichte.

Ein Kesselhaus für eine zentrale Versorgung könnte vor der Sekundarschule errichtet werden. Bei einer zentralen Versorgung wären ein Blockheizkraftwerk, zwei Gas-Brennwertkessel mit einer thermischen Leistung von je 168 kW sowie zwei Wärmepumpen mit einer thermischen Leistung von je 47 kW notwendig.

Nahwärmenetz sinnvoll für viele Gebäude sinnvoll

Der Bau des Kesselhauses würde etwa 400 000 Euro kosten. Hinzu kommen noch die Gebäudeverbindungen mit sämtlichen Rohrleitungen. Dafür stehen 38 5000 Euro im Raum. Und selbst wenn das Kesselhaus nicht vor der Sekundarschule gebaut würde, sondern in einem Raum des Gartenhallenbades, was eventuell möglich wäre, würden die hohen Baukosten für die Verteilleitungen bestehen bleiben.

„Ein Kesselhaus führt natürlich nicht dazu, dass in den Gebäuden an Technik nichts mehr steht, sondern dass die Wärmeerzeuger ausgelagert werden und sich in den Gebäuden die Übergabestellen befinden“, so Kai Schild. Einen Vorteil hätte das Kesselhaus: Die Wartungskosten wären geringer. „Da hat ein Nahwärmenetz natürlich Vorteile, da man weniger Erzeuger hat, die an einem zentralen Ort sind“, sagt Kai Schild.

Hohe Investitionen und Energieverluste

Allerdings: Es sind gar nicht so viel weniger Komponenten als bei der aktuellen, dezentralen Versorgung. „Ein Nahwärmenetz ist viel effektiver, wenn ich möglichst viele Gebäudeerzeuger ersetze, 20 oder 30 Wohnhäuser an ein Netz anschließe. Dann hab’ ich zwei statt 30 Erzeuger“, erklärte Kai Schild. Ein Kesselhaus in Nachrodt würde indes nicht so klare Vorteile bieten.

Aber auch eine dezentrale Lösung muss für die Zukunft ausgerüstet werden. Dabei rechnet man bei der Sekundarschule mit Kosten in Höhe von 35 000 Euro, für die Lennehalle mit 70 000 Euro (Wärmepumpe und Kessel). Dies ist letztlich also wesentlich günstiger.

Fazit: Die Erstellung einer zentralen Versorgung würde sich definitiv nicht rechnen. Die Investitionen sind erheblich, es gibt Energieverluste durch die vielen benötigten Leitungen und kaum andere Einsparmöglichkeiten.

Gute Strom- und Gaspreise in der Gemeinde

Übrigens: Unschlagbar günstig sind die Preise, die „Nachrodt-Wiblingwerde für Gas und Strom bezahlt“, wie Kai Schild meint, der auch den Einsatz alternativer Energieträger untersuchte. Doch zwei Cent für Erdgas, sechs Cent für Strom seien konkurrenzlos günstig. „Ein anderer Energieträger wird es sehr schwer haben, einen vernünftigen Wettbewerbspreis zu bieten.“

Wenn es nun auch so gut wie sicher ist, dass die Gebäude am Holensiepen nicht gemeinsam versorgt werden, so werden sie doch weiterhin gemeinsam untersucht. Denn das Thema Photovoltaik auf den Dächern ist nach einigen Jahren wieder auf der Agenda. Ein Thema, das die Ratsherren Matthias Lohmann und Sebastian Brinker im Ausschuss zur Sprache brachten. Die Untersuchungen stehen an.

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