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Energie sparen: „Vorschläge funktionieren in Praxis nicht gut“

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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So schön sieht das fertige Bad im Stübchenstück 11 aus. Markus Kaiser freut sich über die sanierte Wohnung.
So schön sieht das fertige Bad im Stübchenstück 11 aus. Markus Kaiser freut sich über die sanierte Wohnung. © Susanne Fischer-Bolz

„Das ist ein heißes Eisen und es gibt keine einfache Lösung.“ Markus Kaiser, Vorstand der Nachrodt-Wiblingwerder Baugenossenschaft, beschäftigt sich auch in seinem Urlaub auf Fehmarn mit dem Thema, das alle umtreibt: dem Energiesparen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Nachdem Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia entschieden hat, in Häusern mit einer zentralen Gasheizung die Temperatur in der Nacht auf 17 Grad zu reduzieren, sehen auch Nachrodt-Wiblingwerder Mieter kalte Tage und Nächte auf sich zukommen. Doch so ist es nicht.

51 Mehrfamilienwohnhäuser mit 288 Wohnungen gehören zur Baugenossenschaft. Grundsätzlich, so sagt Markus Kaiser, könne man natürlich durch so eine Maßnahme Energie sparen, aber das sei erstens nicht neu und müsse zweitens sehr individuell gesehen werden. „Das geht natürlich nur da, wo keine Menschen wohnen, die zum Beispiel in der Schichtarbeit tätig sind und nachts nach Hause kommen.“ Markus Kaiser ist auch Vorstand der Lüdenscheider Wohnungsgenossenschaft, der 900 Wohnungen in der Bergstadt gehören. Wo es unproblematisch war, wurde bereits allerorts eine Temperatur-Absenkung in den Häusern durchgeführt, allerdings nicht erst gestern. „Das ist ein alter Hut, keine neue Erkenntnis“, sagt Markus Kaiser. Energiesparen sei schon immer im Interesse der Mieter gewesen. Laut Rechtsprechung muss 20 Grad Raumtemperatur zu jeder Tageszeit erreicht werden. „Ich kann nicht hergehen und sagen, dass es auch tagsüber nur 17 oder 18 Grad gibt“, sagt Markus Kaiser, und setzt ohnehin auf ein Miteinander mit den Mieter: „Wenn Lischen Müller mit 82 Jahren zu Hause ist und friert, dann kann ich das nicht machen. Das muss man immer mit jedem Mieter absprechen.“

Zu Hause: Da möchte man sich wohlfühlen, nicht unbedingt „mit Pelz“ vor dem Fernseher sitzen. „Aber es ist die Frage, ob wir uns den Komfort zukünftig noch leisten können. Ob wir ihn bezahlen können und wollen“, sieht Markus Kaiser durchaus besorgt in die Zukunft. Es gebe ganz tolle Vorschläge zum Energiesparen, nur funktioniere es in der Praxis nicht gut. „Zumindest nicht als anständiger Vermieter“, so der Vorstand der Baugenossenschaft. Aktuell wird ein Newsletter für die Mieter herausgebracht – mit generellen Tipps zum Energiesparen. Es geht darin nicht nur ums Heizen, sondern auch ums Duschen und um die Beleuchtung beispielsweise.

„Jeder kann sich überlegen, was er einsparen kann und ob er jeden Tag vielleicht drei Mal duschen muss“, so Markus Kaiser. Es gehe aber irgendwann auf die Lebensqualität. Momentan gibt es noch gute Nachrichten für die Nachrodter, denn bis zum September gelten noch garantiert die alten Gaspreise vom letzten und vorletzten Jahr.

„Wir haben also noch keine Kostenexplosion. Dann aber werden wir auf jeden Fall unsere Mieter anschreiben, damit sie ihre Vorauszahlungen anpassen und nicht hinterher hintenrüberfallen“, sagt Markus Kaiser und ist sich sicher, dass das Thema Energiesparen auch nach hinten losgehen kann. Dann nämlich, wenn Mieter so weit die Temperatur senken, dass Feuchtigkeit und Schimmelbildung in den Wohnungen auftreten können. „Das ist die Kehrseite der Geschichte“, weiß Markus Kaiser. „Je kälter es draußen wird, umso problematischer kann es werden.“

Tipps der Baugenossenschaft zum Energiesparen

Tipps der Baugenossenschaft zum Energiesparen: Lassen Sie Ihre Fenster im Winter nicht dauerhaft auf Kipp-Stellung geöffnet. Das ist ein echter Energiefresser. Besser ist Stoßlüften (bei komplett geöffnetem Fenster), auch nach dem Duschen, Baden oder Kochen für jeweils fünf bis zehn Minuten. Dann hat der Schimmel keine Chance zu entstehen. Die Raumtemperatur sollte dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. Jeder Raum sollte mit dem dafür vorgesehenen Heizkörper beheizt werden. Alle Türen zu nicht genutzten, kühleren Räumen geschlossen halten. Das spart rund drei Prozent Energie. Bis zu sechs Prozent Energie kann gespart werden, wenn die Temperatur nachts um zwei bis drei Grad abgesenkt wird. „Achten Sie jedoch auf eine ausreichende Außenwandtemperatur von 16 Grad, um Schimmelbildung vorzubeugen“, so die Baugenossenschaft, und rät: „Nutzen Sie LED-Energiesparlampen. Die Anschaffungskosten sind zwar etwas höher, aber Sie sparen dafür jeden Tag Energie. Zudem halten sie zehnmal länger. Sie besitzen mit ihrer kalt-weißen bis warm-weißen Lichtfarbe die höchste Energieeffizienz, da sie weniger Energie verbrauchen, als herkömmliche Glühlampen. Schalten Sie die „Festtags-Beleuchtung“ aus. Sie benötigen nur Licht in dem Zimmer, in dem Sie sich befinden. Arbeiten Sie beim Kochen mit der Restwärme und einem Schnellkochtopf. Schalten Sie die Herdplatte etwa 10 bis 15 Minuten vor Ende der Kochzeit aus. Kochen Sie immer mit Deckel. Hierdurch können Sie die Hitze reduzieren und sparen 65 Prozent Energie. Wenn Sie kochendes Wasser benötigen, erhitzen Sie das Wasser besser mit dem Wasserkocher.“

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