Kaukasische Bayerin fühlt sich wohl im Sauerland

Auch im bayerischen Dirndl macht Elvira Stroh eine gute Figur. Dabei stammt sie eigentlich aus dem Kaukasus. - Foto: Bröer

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Der Weg zur stellvertretenden Leiterin des Sozialdienstes des Alten- und Pflegeheimes Nachrodter Hof kann lang sein. Im Fall von Elvira Stroh war im wahrsten Sinn des Wortes lang, denn sie sie 1988 in einem kleinen russischen Dorf am Kaukasus geboren. Heute lebt und arbeitet die 25-Jährige in Nachrodt.

Elvira Stroh war gerade anderthalb Jahre alt, als sie mit ihren Eltern Russland verließ und zogen nach Rothenburg ob der Tauber. Hier in Mittelfranken ging die kleine Elvira auch zur Schule und lebte bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Rothenburg. Die Familie hatte jedoch Verwandte in Nachrodt. Cousine Lilia überredete Elvira Stroh, doch auch ins Sauerland zu ziehen, hier die Schule zu beenden und eine Ausbildung zu beginnen. Elviras Eltern waren vom Wunsche ihrer Tochter, nach Nachrodt zu ziehen, zunächst wenig begeistert. Denn mit dem Umzug ins Sauerland wäre natürlich auch die Tatsache verbunden gewesen, dass sie ihre Tochter nur noch selten sehen würden. Doch auch Elvira Strohs Tante riet zu diesem Schritt und versprach gleichzeitig, die junge Frau „unter ihre Fittiche“ zu nehmen.

So zog dann Elvira Stroh von Rothenburg aus nach Nachrodt zu Tante und Cousine. Bereut hat sie diesen Schritt bis heute nicht. Sie besuchte zunächst eine Schule in Plettenberg wo sie auch das Fachabitur ablegte. Danach folgte ein Studium zur Diplom-Sozialpädagogin, welches sie mit Erfolg abschloss. Nach Beendigung ihres Studiums musste Elvira Stroh zunächst eine Arbeitsstelle finden. Die fand sie dann vor etwa zwei Jahren im Senioren- und Pflegeheim Nachrodter Hof. Und dort ist sie mittlerweile in leitender Funktion tätig. Inzwischen wohnt sie auch nicht mehr bei Tante und Cousine, sondern verfügt über eine eigene kleine Wohnung.

Die eigene Wohnung einzurichten, sei gar nicht so einfach, erinnert sich Elvira Stroh, die von ihren Freunden „Elly“ gerufen wird. „Die Möbel waren zwar schnell gefunden“, sagt sie. Doch ihr fehlten die Bilder an den Wänden. Sie besann sich daher auf ein fast vergessenes Hobby vergangener Teenagerzeiten und malte ihre Bilder selbst. „Das ist mehr so abstrakt“, sagt sie, „aber mir gefällt’s“.

Nachrodt ist zu ihrer neuen Heimat geworden und Elvira Stroh fühlt sich hier sehr wohl. Aber ein bisschen was von einer Bayerin steckt immer noch in der jungen Frau, die mehr als die Hälfte ihres Lebens im flächengrößten Bundesland verbracht hat. Das zeigte sich anlässlich des Oktoberfestes, das im Alten- und Pflegeheim gefeiert wurde. Dort konnte man Elvira Stroh in einem feschen Dirndl bewundern. Doch noch etwas fiel auf und das wies sie eindeutig als echte Bayerin aus: Bei der Verabschiedung „knickste“ sie bei der Handreichung. „Das habe ich mir so angewöhnt“, erklärte Stroh schmunzelnd. „Das gehört zur Verabschiedung einfach dazu, wenn man ein Dirndl trägt.“ - Hartwig Bröer

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