Erzieherinnen-Engpass

Eltern übernehmen Betreuung im Kindergarten Wiblingwerde

+
Dosenwerfen beim Fest zum 40-jährigen Bestehen des Kindergartens Wiblingwerde. Damals waren alle noch guter Dinge. Das sieht im Moment anders aus.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Mädchen und Jungen wollen nicht mehr gern in den Kindergarten? Es geht drunter und drüber in der evangelischen Einrichtung Wiblingwerde? Eltern übernehmen die Betreuung, weil Erzieherinnen langzeitkrank sind? So schlimm, wie es sich anhört, soll es laut Träger nicht sein.

„Wir wissen selber, wie schnell sich Dinge ‘rumsprechen“, sagt Pfarrerin Dr. Tabea Esch. In der vergangenen Woche gab es eine Informationsveranstaltung vom Kindergarten und Elternbeirat. Die Eltern sollten nicht per Brief erfahren, wie die aktuelle Situation im Kindergarten ist. Fakt ist: Drei Erzieherinnen sind ausgefallen. Und es ist nicht vorhersehbar, wann sie wiederkommen. „Wir haben händeringend Erzieherinnen gesucht. Und wir haben in allen Einrichtungen über die Winterperiode solch einen großen Ausfall aufgrund von Krankheiten gehabt, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagt Merle Fokkert, Vorsitzende des Leitungsausschusses des Trägerverbundes der Tageseinrichtungen für Kinder im Kirchenkreis Iserlohn.

21 Einrichtungen gehören zum Verbund und selbst die daraus resultierende Möglichkeit der Vertretungen untereinander ist an ihre Grenzen gestoßen. Der Trägerverbund schaltete auch Radiospots, um Erzieherinnen zu finden. Vergeblich. Erzieherinnen sind aktuell rar gesät, und „unterjährig“, also im laufenden Kindergartenjahr, ist keine Fachkraft zu finden.

"Das ist alles nicht so, wie wir es uns wünschen." - Merle Fokkert, Trägerverbund

Um die Aufsichtspflicht zu gewährleisten, springen jetzt Mütter ein. Das ist wohl durchaus möglich. „Man kann Personen einsetzen, die man für fähig und vertrauenswürdig hält“, sagt Merle Fokkert. In Wiblingwerde konnte eine fachnahe Mutter eingestellt werden, die eine Heilerzieherin-Ausbildung hat. Eine weitere Mutter steht ihr zur Seite, eine dritte ist ehrenamtlich im evangelischen Kindergarten tätig. „Sie haben natürlich keinen Arbeitsvertrag als Erzieherin“, sagt Merle Fokkert, ist aber froh, eine vorübergehende Lösung gefunden zu haben.

„Es kann natürlich jetzt sein, dass bestimmte Angebote ausfallen müssen.“ Das gilt offensichtlich zum Beispiel für die Vorschulkinder. „Das ist alles nicht so, wie wir es uns wünschen, aber der Problematik geschuldet“, sagt Merle Fokkert. Sie als auch Pfarrerin Tabea Esch verstehen die Sorgen der Eltern und die aktuelle Verunsicherung. „Wenn ich Mutter wäre, würde ich auch gern wissen, wer zuständig ist und wie es weitergeht, aber ich denke, dass alles gut geregelt ist“, sagt Tabea Esch. Für das neue Kindergartenjahr soll Licht am Horizont sein.

Apropos Kindergärten: In Wiblingwerde gibt es nicht genug Plätze. Im Ü3-Bereich stehen Vormerkungen für 13 Kinder an, im U3-Bereich warten gar 16 Kinder. „Auf dem Gemeindegebiet ist eine hundertprozentige Versorgung im U3-Bereich aufgrund der Nachfragen notwendig. Um diesem Anspruch nachzukommen, müssen weitere Ü3-Plätze für das kommende Kindergartenjahr geschaffen werden“, heißt es in einer Vorlage für die Ratssitzung am kommenden Montag.

Die U3-Kinder hätten zwar ebenfalls einen Rechtsanspruch, aber „das Jugendamt des Märkischen Kreises teilte mit, dass in diesem Bereich nicht alle Kinder versorgt werden können.“

Eine kurzfristige Lösung wäre die Schaffung weiterer Kindergartenplätze über Zusatzplätze. Dies dürfte aber für den evangelischen Kindergarten Wiblingwerde in der aktuellen Notsituation sicher nicht unproblematisch sein.

„Es haben einige Kindergärten mitgeteilt, dass Zusatzplätze unter der Voraussetzung geschaffen werden können, dass die Kommune den Trägeranteil für diese Plätze zu 100 Prozent übernimmt“, schreibt die Gemeindeverwaltung. Welche Kindergärten diese Zusage gemacht haben, ist nicht bekannt. Insgesamt könnten demnach zehn Plätze sofort geschaffen werden.

Eine mittelfristige Lösung könnte die Schaffung einer weiteren Kindergartengruppe für zehn bis zwölf Kinder, altersgemischt U3 und Ü3 sein. Um diese Idee zu diskutieren, sollen weitere Gespräche mit dem Jugendamt des Kreises, den Trägern sowie mit den Kindergartenleitungen geführt werden.

Wenn die Gemeinde den Trägeranteil für die sofort zu schaffenden Plätze übernimmt, benötigt sie als Stärkungspaktkommune, die keine freiwilligen Leistungen übernehmen darf, die Zustimmung des Märkischen Kreises als Kommunalaufsicht und die Zustimmung der Bezirksregierung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare