75 Eltern interessiert an Tipps zum Schutz ihrer Kinder

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Petra Reinwald gab den Eltern Empfehlungen, wie sie ihre Kinder vor Übergriffen schützen können.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Das Thema ist offenbar wichtig: 75 Mütter und Väter hatten sich für eine Informationsveranstaltung in der Grundschule Nachrodt angemeldet. Zum Thema „Ansprechen von Kindern – Handlungshilfen für Eltern“ hatte Schulleiter Johannes Illerhaus Kriminaloberkommissarin Petra Reinwald eingeladen, die sich schwerpunktmäßig mit der Verhinderung von Straftaten beschäftigt – speziell jener durch „sexualisierte Gewalt“.

Es gab viel Allgemeines zum Thema zu hören, aber auch einen ernsten Hintergrund für die derzeitigen Aufklärungsmaßnahmen: Im Sommer gab es mehrere Entführungsversuche von Kindern durch einen oder mehrere unbekannte Täter in Iserlohn-Hennen und Menden-Bösperde. Das ist nicht sehr weit weg von Nachrodt. Schulleiter Johannes Illerhaus erinnerte darüber hinaus an einen Mann, der vor einigen Jahren Kinder auf Nachrodter Spielplätzen ansprach. Reinhard Raffenberg, zuständiger Bezirksbeamter in Nachrodt, konnte glücklicherweise von keinem aktuellen Ereignis berichten.

Petra Reinwald verblüffte die Eltern mit einer Frage: „Warum sollen die Kinder stark werden?“ Die erhoffte Antwort lautete, dass Eltern mit zunehmendem Alter ihrer Kinder nicht mehr deren ständige Begleiter sein können. So wie die Kinder durch Verkehrserziehung fit für den Schulweg gemacht werden, müssten die Eltern deshalb in einer angemessenen Sprache mit ihren Sprösslingen auch über andere Gefahren reden. „Aufgeklärte, informierte, selbstbewusste Kinder haben ein geringeres Opferrisiko“, betonte die Expertin. Wichtig sei dabei ein familiäres Klima, in dem die Kinder von ihren Erlebnissen – vor allem auch unangenehmen oder angstauslösenden – ohne Furcht erzählen. „Glauben Sie dem Kind“, appellierte Reinwald an die Eltern. Die Kinder müssten dabei unterstützt werden, ihren Gefühlen und Bedürfnissen zu trauen. Nur so könnten sie ein eigenes Sensorium entwickeln, möglichen Gefahren zu begegnen oder aus dem Weg zu gehen.

Dass das nicht so einfach ist, machte schon eine Frage an das Publikum deutlich: „Kann man eigentlich erkennen, ob ein Mensch gut oder schlecht ist?“ Die Antwort kam prompt und einhellig: „Nein!“ Ein grundsätzliches kindliches Misstrauen hat deshalb gute Gründe. Ein Zeitungsartikel machte am Ende der Veranstaltung deutlich, dass das leider nicht etwa nur für Fremde gilt: Er berichtete von einem sexuellen Missbrauch von Jungen durch ihren Betreuer.

Petra Reinwald gab einige Empfehlungen, die als tägliches Handwerkzeug der Abwehr von Gefahren durch Fremde taugen: Kinder sollen einen Sicherheitsabstand zu fremden Fahrzeugen halten, sie sollen selbstbewusst genug sein, um Aufforderungen und Zurufe fremder Erwachsener zu ignorieren, und ihnen soll bewusst sein, dass ihre Eltern hinter ihnen stehen, wenn sie „nicht nett und höflich“ auf die Ansprache durch Fremde reagieren. Die Sätze „Stopp, lassen Sie mich in Ruhe!“ und „Hilfe, lassen Sie mich sofort los“, kann man zuhause durchaus mal üben. Ein gutes altes Rezept ist auch das Weglaufen in Richtung der drei „L“, die als Formel gut gemerkt werden können: „Licht, Lärm, Leute“. Hilfreich sind auch gute familiäre Absprachen, auf deren Grundlage die Eltern die Wege ihrer Kinder und deren mögliche Verspätungen jederzeit nachvollziehen können.

Wegen des großen Interesses kündigte Schulleiter Johannes Illerhaus an, dass in diesem Schuljahr für die schulische Prävention erneut das Theaterstück „Mein Körper gehört mir!“ gezeigt werden soll. Es ist für Kinder der dritten und vierten Klassen gedacht. - Thomas Krumm

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