Elite-Stute Polaris steht jetzt im Militärmuseum

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Polaris (vorne) in der Ausstellung „Tiere und Militär“ im neu eröffneten Militärhistorischen Museum in Dresden. Die Trakehner-Stute hat ihre letzten Lebensjahre auf dem Hof Waldemey bei Wiblingwerde verbracht. J

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Polaris, die hoch dekorierte Trakehner-Stute von Angelika Hummel aus der Waldemey bei Wiblingwerde hat drei Jahre nach ihrem Tod eine neue ehrenvolle „Tätigkeit“ aufgenommen. Sie steht ausgestopft im gerade neu eröffneten Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.

Das Trakehner-Pferd mit den markanten Elch-Schaufeln als Brandzeichen, das einst als bestes Soldatenpferd der Welt galt, hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg stark verändert. Die alte Trakehner-Linie, die Angelika Hummel züchtet, entspricht dagegen in Größe und Aussehen noch dem klassischen Kavalleriepferd, das in den beiden Weltkriegen zum Einsatz gekommen ist. Dieser Pferdetyp ist heute am Markt nicht mehr gefragt und deshalb sehr selten geworden, es dominiert inzwischen der moderne Sportpferde-Typ. Aber das Bundeswehr-Museum wollte bei seinen Exponaten historisch genau sein. Deswegen hatte das Museum schon zu Polaris’ Lebzeiten Interesse angemeldet. Als die Stute altersbedingt getötet werden mußte, reiste der Museums-Präparator eigens aus Dresden an, um eine Totenmaske anzufertigen und danach das tote Pferd mitzunehmen.

Zur Museums-Neueröffnung hatte Angelika Hummel eine Ehren-Einladung erhalten. „Aber das diesjährige schöne Herbstwetter sorgte für trockene, tragfähige Böden und auf Waldemey stand das Mistfahren an, erklärte die Züchterin, dass ihr einfach die Zeit für die weite Fahrt nach Dresden fehlte. In den arbeitsärmeren Wintermonaten will sie den Besuch bei ihrer alten Stammstute aber nachholen.

Polaris steht in der Dauerausstellung im Themenbereich „Tiere und Militär“. Dabei werden Echtpräparate präsentiert, deren Äußeres annähernd den historischen Tieren entspricht, die beim Militär im Einsatz waren. Polaris verkörpert ein Militärpferd aus dem Ersten Weltkrieg, das mit einer Gasmaske ausgerüstet ist.

Der Stammbaum der Trakehner-Rappstute Polaris ist einer der ältesten in der deutschen Warmblutzucht. Die mütterliche Linie weist seit Beginn der Abstammungs-Aufzeichnung im Jahre 1775 in ununterbrochener Reihenfolge 16 Generationen Mutterstuten in Rappfarbe aus. Die Lebensgeschichte der direkten Vorfahrten der Polaris zeigt den Wandel im Stellenwert des Pferdes in der Neuzeit: Vom Kriegspferd über das elitäre Sportpferd zum Familienmitglied.

Polaris’ Urgroßvater Lapis machte als Kriegspferd im Kavallerie-Regiment Mitte den gesamten Russlandfeldzug mit – 6000 Kilometer auf zumeist unbeschlagenen Hufen. Die Großmutter, die legendäre Rappstute Polarfahrt gehörte zu den wenigen Mutterstuten des Hauptgestüts Trakehner in Ostpreußen, die auf der Flucht vor der Roten Armee unter abenteuerlichen Umständen bei Kriegsende Westdeutschland erreichten. Sie wurde später zweimal DLG-Gesamtsieger-stute im Nachkriegs-Deutschland und galt als selten erreichte Vollendung des Zuchtzieles. Der Großvater Burnus war in den 1950-er Jahren Vielseitigkeitspferd unter dem später weltbekannten westfälischen Dressurreiter Dr. Rainer Klimke. Polaris-Vater Habicht war internationales Military-Pferd unter Martin Plewa, einst Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter und heute Leiter der westfälischen Reit- und Fahrschule. Polaris-Mutter Polaria war eine hochprämierte Mutterstute im Gestüt Rantzau des Grafen von Baudissin-Zinzendorf in Schleswig-Holstein.

Polaris selbst wurde als Zweijährige zum Verkauf angeboten. Allerdings unerschwinglich teuer für die spätere Besitzerin Angelika Hummel. Über eine Elite-Auktion wurde Polaris schließlich zu einem noch höheren Preis einem großen hessischen Gestüt zugeschlagen. Als einige Jahre später das Gestüt in eine finanzielle Schieflage geriet, war aus der strahlend schönen Polaris eine klapprige, dürre Mähre geworden. Angelika Hummel kratzte alle verfügbaren finanziellen Mittel zusammen und holte Polaris heim auf ihren Hof nach Niederbayern. Fortan war Polaris Familienmitglied, Reitpferd und Zuchtstute und schenkte zehn Fohlen das Leben. 1999 kauften die Eheleute Dr. Karl-Heinz Lindenlaub und Angelika Hummel den Hof Waldemey bei Wiblingwerde und Polaris zog mit ihren Kindern um ins Sauerland. Topfit wurde Polaris noch mit 24 Jahren mit einem 1. Preis auf der Trakehner-Landesstutenschau Westfalen ausgezeichnet.

Heute leben noch die letzten beiden Töchter von Polaris bei ihrer Züchterin auf Hof Waldemey. Die braune Polarfee und die nachtschwarze Polarwacht sind wichtiger Gen-Pool für die traditionelle Trakehner-Zuchtlinie und verdienen ihr Futter als Kutsch- und Reitpferde.

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