Elektromeister Murza wird aktiv gegen Fachkräftemangel

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Mit Serpil Erol (l.) vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und Bürgermeisterin Birgit Tupat (r.) sprach Elektromeister Martin Murza über seine Entscheidung, Julien Godglück einen Ausbildungsvertrag anzubieten.

Nachrodt-Wiblingwerde - Einen Mangel an Facharbeitern beklagen heimische Unternehmen schon seit längerem. Elektromeister Martin Murza geht jetzt aktiv dagegen an. „Wir haben uns entschieden, wieder einmal einen jungen Mann auszubilden“, erklärte er am Dienstag während eines Gesprächs anlässlich der „Woche der Ausbildung“, die die Arbeitsagentur veranstaltet.

Die Vorzeichen, dass sich der Facharbeitermangel in Zukunft noch verstärken könnte, verdichten sich derzeit. Erstmals hat die Agentur für Arbeit in diesem Halbjahr mehr Ausbildungsstellen als Ausbildungsplatzbewerber gemeldet. Der demografische Wandel schlägt also inzwischen voll auf den Ausbildungsstellenmarkt durch. Für die Unternehmen bedeutet das, dass sie möglicherweise nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können – und dass ihnen in Zukunft qualifiziertes Personal fehlen wird.

Martin Murza hat die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Über mehrere Jahre hatte er keinen Ausbildenden mehr eingestellt, seinen Personalbedarf zeitweise mit Leiharbeitern gedeckt. „Damit haben wir aber schlechte Erfahrungen gemacht“, möchte er von diesem Modell inzwischen nichts mehr wissen. Der Elektromeister aus Einsal setzt lieber auf sein Stammpersonal von zwei bis drei festen Mitarbeitern. Indem er dem 17-jährigen Julien Godglück nun auch einen Ausbildungsvertrag anbietet, setzt er außerdem auf die Zukunft. „Wir bilden aus, damit wir später Fachpersonal haben“, begründet Murza, warum er trotz der nicht unbeträchtlichen Kosten nun doch wieder einen Ausbildungsplatz schaffen will.

Auf seinen neuen Azubi aufmerksam geworden ist Martin Murza aber nicht etwa durch die Arbeitsagentur. Die hatte dem Elektromeister zwar auch den einen oder anderen Bewerber vorbeigeschickt, aber der richtige war offensichtlich nicht dabei. Julien Godglück dagegen wählte den direkten Weg: Nachdem er ein Berufspraktikum bei einer Krankenkasse als „langweilig“ empfunden hatte, absolvierte er ein handwerkliches Praktikum bei Elektro Murza. „Ich hätte vorher nicht erwartet, dass das so ein abwechslungsreicher Beruf ist“, sagt der Gymnasiast heute. Anschließend fragte er nach, ob er dort auch eine Berufsausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik machen könne. Martin Murza musste nicht lange überlegen und sagte zu.

Der Elektromeister, dem die Eigeninitiative des jungen Mannes imponiert hat, hält ohnehin nicht viel von komplizierten Einstellungstests, verlässt sich lieber auf seine eigene Wahrnehmung und Intuition. Auch Bürgermeisterin Birgit Tupat konnte bestätigen, dass formelle schriftliche Prüfungen von Bewerbern heute nicht mehr die ganz große Rolle spielen. „Auch wir führen mit den Bewerbern persönliche Gespräche, damit wir uns einen Eindruck verschaffen können“, sagte sie über die Auswahlpraxis im Amtshaus.

Martin Murza ist übrigens überzeugt, dass Julien Godglück die richtige Entscheidung getroffen hat. „Der Handwerker wird nie aussterben“, sagte er über die Zukunftsaussichten im Elektrohandwerk. - Volker Griese

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