SPD fliegt auseinander: Susanne Jakoby tritt zurück

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Susanne Jakoby gibt den Fraktions- und Parteivorsitz ab. Ihr Stellvertreter Gerd Schröder bittet um Bedenkzeit.

Nachrodt-Wiblingwerde - Fliegt die SPD auseinander? Susanne Jakoby legt den Fraktionsvorsitz nieder und tritt auch als Parteivorsitzende zurück. Und auch Matthias Lohmann kehrt der Fraktion den Rücken. Ob die beiden eine eigene, offene Fraktion bilden, ob sich noch weitere Ratsmitglieder dazu gesellen werden und ob sich vielleicht die Frage stellt, welche Fraktion dann die „wahre“ SPD ist, ist noch offen. Nur der Eklat ist eine Tatsache.

 Fakt ist: Es gibt zwei Lager in der SPD. Und es brodelte schon seit vielen Monaten. Vor einer Woche lief dann das Fass über. I-Tüpfelchen war augenscheinlich der Austritt von Christiane Lange, die zur UWG wechselte. Teile der SPD-Fraktion forderten den Rücktritt von Susanne Jakoby. Es gab eine Patt-Situation. Vier Ratsmitglieder für, vier gegen die Vorsitzende.

 „Meine Entscheidung steht. Aus dieser geteilten Fraktion gehe ich raus“, erklärte Susanne Jakoby gestern im AK-Gespräch, an dem auch Gerd Schröder teilnahm. Ob er auch das Handtuch wirft? „Ich muss noch um Bedenkzeit bitten. Es ist eine schwierige Situation“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Die Entscheidung, wie es überhaupt weitergeht, ist noch nicht gefallen.

 An der Fraktionssitzung am Donnerstag nahm Susanne Jakoby nicht teil, „um den Eklat nicht weiter zu forcieren.“ Ihr war in den letzten Wochen und Monaten vorgeworfen worden, Teile der Fraktion nicht mitzunehmen, im Alleingang zu handeln. Manche fühlten sich gar gemobbt.

„Auf der einen Seite wird mir vorgeworfen, dass ich die Fraktion nicht mitnehme und alleine agiere, auf der anderen Seite sagt man, dass ich zu wenig mache, zu wenig einbringe. Dass es Treffen und Absprachen in kleiner Runde an der restlichen Fraktion vorbei gegeben hat, stimmt so nicht. Aber das Misstrauen gibt es schon länger. Und es kann nicht mehr eingefangen werden.“

Apropos Misstrauen: Offensichtlich fühlten sich einige SPD-Mitglieder vom Ausschluss-Antrag von Matthias Lohmann überfahren, glaubten an stille Absprachen. „Aber auch wir wussten davon nichts“, so Jakoby und Schröder. Gerd Schröder vergleicht die Situation mit einer langen Ehe. „Da werden die kleinsten Kleinigkeiten auf die Waage gelegt und es summiert sich dann.“

Es gibt Fraktionsmitglieder, die nicht mehr mit Susanne Jakoby sprechen. Seit 2006 ist sie Fraktionsvorsitzende, seit Anfang der 1990er Jahre im Rat. „Ich kann in der Konstellation nicht mehr weiter arbeiten. Alles andere wird später entschieden“, sagt die Sozialdemokratin, die nicht im Traum daran denkt, ihr Parteibuch abzugeben. Aber fast erleichtert scheint sie zu sein, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist. „Es ist schon lange nicht mehr so, dass mir die Arbeit Freude macht.“

Übrigens: Seit Herbst scheiterten die Versuche, einen neuen Fraktionsvorstand zu wählen, weil „nie alle Ratsmandatsträger anwesend waren. Aber auch das wird mir vorgeworfen, dass es nie zu dieser Wahl gekommen ist.“

 Offiziell ist der Rücktritt noch nicht. Und so wird am Montag während der Ratssitzung (17 Uhr Zur schönen Aussicht) die „Sitzordnung“ wie immer sein. „Mit viel Klebstoff kann man die Sache kitten. Aber ich weiß nicht, ob es so viel Klebstoff gibt“, sagt Gerd Schröder zum Scherbenhaufen. Er möchte nicht den Begriff Realitätsverlust nennen, aber „es läuft in die Tendenz“, so Schröder zur Annahme einiger, jetzt könne man gut weiter arbeiten. „Fraktion und Partei werden nicht mehr so sein, wie sie waren. Und ich bedaure die Entwicklung sehr“, sagt Gerd Schröder und ergänzt: „Es muss irgendwann entschieden werden, wer die wahre SPD ist.“

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