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Eklat bei Mieterversammlung: Otto Mattke rausgeworfen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Mieterversammlung für die Bürger vom Nachrodter Feld in der Sekundarschule. Otto Mattke (Mitte) wurde später von Rechtsanwalt Armin Speckmann rausgeworfen.
Mieterversammlung für die Bürger vom Nachrodter Feld in der Sekundarschule. Otto Mattke (Mitte) wurde später von Rechtsanwalt Armin Speckmann rausgeworfen. © Fischer-Bolz, Susanne

Eklat bei der Mieterversammlung: Rechtsanwalt Armin Speckmann, der sich mit den Bürgern vom Nachrodter Feld in der Sekundarschule getroffen hatte, setzte Otto Mattke vor die Tür. Der „Zickenkrieg“ hat einen Hintergrund.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Ich hatte einen kurzen Dialog mit meinem Nachbarn und hatte wohl gegrinst. Dies schnappte Herr Speckmann als Angriff auf und fing an, mich vor versammelter Mannschaft anzugreifen“, erzählt Otto Mattke sichtlich betroffen. „Ja, das stimmt“, gibt Armin Speckmann den Rauswurf zu. Otto Mattke gehöre nicht zum Kreis seiner Mandanten. „Als ich etwas erzählt habe, hat er gemeint, blöd herumlachen zu müssen. Da habe ich ihn angezickt. Er hat zurück gezickt und dann habe ich ihn rausgeschmissen.“ Es habe dafür auch stehenden Applaus gegeben.

Beschwerdebrief an das Wohnungsbauministerium

Hintergrund des „Zickenkriegs“ ist ein Vorfall, der ein paar Wochen zurückliegt. „Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass Otto Mattke einen Beschwerdebrief an das Wohnungsbauministerium geschrieben und es so dargestellt hat, als würde niemand etwas für die Mieter tun und alle Mieter würden in kalten Wohnungen sitzen, wo das Wasser aus den Wänden läuft. Damit hat er auch die Mitarbeiter der Gemeinde vorgeführt. Und das stimmt ja alles nicht“, erzählt Armin Speckmann. Otto Mattke wohnt nicht im Nachrodter Feld, aber sein Vater und seine Lebensgefährtin. „Er weiß doch genau, was ich alles tue und was wir alles erreicht haben“, so Armin Speckmann. Und dann setze sich Otto Mattke auch noch in die Versammlung und benehme sich entsprechend daneben.

Delegation im Nachrodter Feld

Tatsächlich hat Otto Mattke eben diesen Brief geschrieben. Er hatte nämlich eine Delegation gesehen, die sich das Nachrodter Feld angeguckt hat. „Ich habe erfahren, dass die Landesregierung der Gemeinde wohl offeriert hat, dass sie hier am Zuge ist und handeln muss. Warum die Gemeinde dies den betroffenen Mietern nicht mitteilt, liegt wohl daran, dass sie in der Vergangenheit ihre Zuständigkeit geleugnet hat. Nach dem Besuch der Delegation sah es auf einmal ganz anders aus“, so Otto Mattke, der übrigens durchaus ein Recht darauf hat, bei den Mieterversammlungen dabei zu sein. Er hat eine Generalvollmacht von seinem Vater Fritz Mattke, der in der Siedlung wohnt. Doch: Die Delegation, die Otto Mattke gesehen hat, war nicht von der Landesregierung. Es war eine Veranstaltung zum Thema „Wissenstransfer zu verwahrlosten Immobilien“. 35 Angestellte aus öffentlichen Verwaltungen in ganz NRW hatten mehrere Städte besucht und waren auf Einladung des Ordnungsamtsleiters Sebastian Putz auch nach Nachrodt gekommen.

Rechtsanwalt Armin Speckmann (links) und der neue Hausmeister für das Nachrodter Feld, Martin Kühnel, hoffen, dass jetzt bessere Zeiten anbrechen.
Rechtsanwalt Armin Speckmann (links) und der neue Hausmeister für das Nachrodter Feld, Martin Kühnel, hoffen, dass jetzt bessere Zeiten anbrechen. © Fischer-Bolz, Susanne

Seit 2017 haben sich elf Modellkommunen im Rahmen der „AG Problemimmobilien“ auf der Arbeitsebene zum Umgang mit problematischen Immobilien ausgetauscht. Um auch andere, kleinere Kommunen an diesem Austausch teilnehmen zu lassen, wurden zwischen November 2021 und Sommer 2022 insgesamt zehn kleine Gemeinden in NRW auf deren Wunsch hin von Mitgliedern der AG Problemimmobilien konkret beraten. Dabei wurden Tipps gegeben, welche Möglichkeiten des Intervenierens bestehen und hilfreich sein können. Man hat sich in Nachrodt übrigens neben dem Nachrodter Feld auch das Krekelhaus angeguckt.

„Herr Mattke steht mit seiner Meinung ganz schön alleine da“

„Ich bin durch Zufall auf einen Erfahrungsaustausch gestolpert, vom Forum Stadt und Region. Das ist kein Landesunternehmen. Ich habe von dem Treffen ganz viel Wissen mitgenommen“, sagt Sebastian Putz. Es sei aber niemand vom Ministerium gekommen und habe die Gemeinde aufgefordert, im Nachrodter Feld tätig zu werden. Dass die Immobilien vom Nachrodter Feld in einem schlechten Zustand sind, dass der Vermieter nicht zu erreichen ist und dass die Nerven der Mieter blank liegen, steht außer Frage. „Aber wir sind immer von uns aus tätig geworden. Und mehr als einmal. Herr Mattke steht mit seiner Meinung ganz schön alleine dar“, so Sebastian Putz.

Stellungnahme

Nach dem Brief von Otto Mattke an das Wohnungsbauministerium ist Sebastian Putz aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben. Die Nachricht von Otto Mattke wurde weitergeleitet und gefragt, was denn wohl los sei in Nachrodt. „Für mich stehen einige Unwahrheiten in dem Brief von Otto Mattke“, sagt Sebastian Putz. „Er unterstellt Untätigkeit, er sagt, die Gemeinde tue nichts. Und das können wir zweifelsfrei widerlegen.“ Ein sehr ausführliches Antwortschreiben ging sodann an das Wohnungsbauministerium.

Aktueller Stand am Nachrodter Feld

Aktueller Stand der Dinge am Nachrodter Feld: Die Mieter zahlen ihre November-Mieten – und alle folgenden – jetzt an die neue OK-Hausverwaltung, die der Immobilienbesitzer Caeser eingesetzt hat. „Die Hausverwaltung hat sehr ernsthaft mit ihrer Arbeit begonnen“, sagt Rechtsanwalt Armin Speckmann. Die Zahlungen an die Stadtwerke wurden geleistet. Auch Öl wurde gekauft. Allerdings muss bei zwei Häusern die Heizungsanlage ausgetauscht werden. Das Treuhandkonto, das Rechtsanwalt Armin Speckmann eingerichtet hatte, nachdem Caesar die Nebenkosten nicht an Versorger weitergeleitet hatte und die Wasserversorgung eingestellt werden sollte, ruht nun. 80 000 Euro sind noch auf diesem Treuhandkonto. Dieses Geld bleibe zunächst dort, „und wir gucken, wie sich das alles entwickelt. Wenn ein Notfall eintreten sollte, und sei es der Kauf einer neuen Heizungsanlage, dann haben wir Geld genug“, sagt Armin Speckmann. Er ist zudem froh, dass es auch einen neuen Hausmeister gibt, nämlich Martin Kühnel. Er stellte sich den Mietern vom Nachrodter Feld bei einem Treffen in der Sekundarschule vor und verteilte auch Flyer. Aufträge für ihn gab es gleich mehrere.

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