Einwanderer aus dem Urlaubsparadies

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Noureddine Karboule kam vor 40 Jahren aus Tunesien und fühlt sich mittlerweile wohl im Sauerland. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Lass Dir ruhig Zeit“, sagen Tanja Kreft und Saskia Rentsch und fügen schmunzelnd hinzu: „Eine Weile kommen wir ja auch mal ohne Dich klar.“ Gemeint ist ihr tunesischer Arbeitskollege Noureddine Karboule, der sich bereit erklärt hatte, dem Altenaer Kreisblatt ein ganz persönliches Interview zu geben.

Auf der Insel Djerba, wo seit den 1970er Jahren jährlich bis zu eine Million Deutsche ihren Urlaub verbringen, wurde Noureddine Karboule 1950 geboren, als Tunseien noch unter französischer Herrschaft stand. Hier wuchs er auf, hier besuchte er die Schule und hier absolvierte er nach der Unabhängigkeitserklärung seine Ausbildung zum Hotelfachmann in einem namhaften Hotel auf der Sonneninsel. Dieses Haus konnte sich über zahlreiche Stammgäste freuen, die im Laufe der vielen Besuche auch Karboule kennen und schätzen lernten. Während seiner Tätigkeit trat ein deutsches Ehepaar an ihn heran und fragte, ob er sich vorstellen könne, auch einmal in Deutschland zu arbeiten. Karboule reizte die Herausforderung, er sagte zu und wurde so zum Einwanderer aus dem Urlaubsparadies. Das Ehepaar stammte aus Letmathe und vermittelte ihm eine Anstellung im damaligen Hotel Schloss Hohenlimburg. Anfang 1972 trat Karboule seine neue Stellung an. Doch schon ein Jahr später erhielt er ein Angebot des Hauses Ellebrecht-Willms in Letmathe. Dort war Karboule fast auf den Tag genau 30 Jahre lang tätig, bis das Restaurant geschlossen werden sollte.

Karboule bemühte sich daher sofort um eine neue Arbeitsstelle. Und wieder war es das Letmather Ehepaar, das den entscheidenden Tipp gab. „Versuche es doch mal bei Holzrichter“, rieten sie dem Tunesier, der längst im Sauerland heimisch geworden war. Dem Hinweis folgte umgehend die Tat. Karboule setzte sich telefonisch mit dem damaligen Inhaber des Veserder Schlosshotels, Werner Holzrichter, in Verbindung. Dieses kurze Telefonat führte zu einem Vorstellungsgespräch, und als der Nordafrikaner das Schlosshotel verließ, hatte er seinen Arbeitsvertrag praktisch in der Tasche. Karboule trat am 1. April 2003 seinen Dienst im Hotel in Veserde an und ist seitdem dort ununterbrochen tätig.

„Besser hätte ich es nicht treffen können“, resümiert er. „Mit meinen Arbeitskollegen verstehe ich mich blendend und die Geschäftsleitung ist super.“ Karboule ist auf fast allen Veranstaltungen im Hause Holzrichter zu finden. Ob nun exklusives Bankett, Hochzeiten oder auch Jubiläen. Er wirkt immer unauffällig, ist aber doch nicht zu übersehen. Das mag vielleicht an seinem Markenzeichen liegen: der schwarzen Weste. Karboule ist ein Mann, der irgendwie auffällt, aber doch im Hintergrund agiert.

Bei den Gästen des Schlosshotels ist er nicht nur geachtet, sondern ausgesprochen beliebt. Das liegt ganz offensichtlich an seiner ruhigen, verbindlichen und sehr freundlichen Art. Karboule ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Seine spätere Ehefrau Faouzia lernte er schon als Kind kennen. Sie wohnte in seinem Heimatdorf auf der Insel Djerba, war also praktisch seine Nachbarin. Der jetzt 62-jährige Karboule lebt mit seiner Familie seit 40 Jahren in Deutschland, seine Töchter wurden auch hier geboren. Doch was tut er, wenn er irgendwann einmal in den Ruhestand geht? Geht es zurück nach Tunesien? „Ich weiß es nicht“, sagt Karboule äußerst nachdenklich. „Die eine Hälfte meiner Familie wohnt auf Djerba, die andere hier in Deutschland. Meine Frau und ich werden wohl irgendwie pendeln.“ Doch an Ruhestand denkt Karboule noch lange nicht. Und das hofft auch das Haus Holzrichter. ▪ hb

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