Widerstand gegen Windkraftpläne formiert sich

Riesige Windkraftanlagen plant ein Investor zwischen Veserde und Hohenlimburg. Jetzt treten beiderseits der Gemeindegrenze Kritiker des Vorhabens auf den Plan. Foto: dpa

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Die Diskussion um die Erweiterung der Vorrangzone für Windkraftanlagen bei Veserde reißt auch nach der Einwohnerversammlung vom Montagabend nicht ab. Im Amtshaus liegen mittlerweile die ersten Einsprüche schriftlich vor, auch in der Nachbarstadt Hagen regt sich Widerstand.

„Uns liegen eine gemeinsame, von mehreren Personen aus Veserde unterzeichnete Erklärung und zwei Einzeleinsprüche aus Veserde und Hohenlimburg vor“, sagte Bürgermeisterin Birgit Tupat gestern im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt. Gut möglich, dass noch weitere hinzukommen, denn auf Antrag der Stadt Hagen hat die Gemeinde die Frist für Stellungnahmen, die eigentlich an diesem Montag ablaufen würde, bis Mitte Februar verlängert. Auch die Untere Landschaftsbehörde hat sich bisher noch nicht geäußert, wird das aber bestimmt noch nachholen. Die Fristverlängerung gilt nach Tupats Worten übrigens für alle Beteiligten: „Wir werden nichts in den Papierkorb werfen, was bis dann noch kommt“, versicherte sie, dass alle Stellungnahmen in das Verfahren einfließen sollen, das mit einem Beschluss des Rates im März die nächste Stufe erreichen wird.

Widerstand gegen die Nachrodt-Wiblingwerder Windkraft-Pläne regt sich nicht nur in der Doppelgemeinde selbst, sondern seit einigen Tagen auch in der Nachbarstadt Hagen: Lokalpolitiker aus Hohenlimburg lehnen das Vorhaben, zwischen Veserde und Katernberg eine 23,5 Hektar große Vorrangzone für die Errichtung von Windkraftanlagen auszuweisen, rigoros ab. 185 Meter hoch sollen die Windräder in den Himmel ragen, die ein Investor auf der Fläche nahe der Gemeindegrenze errichten lassen will. Die seien dann bis ins Hohenlimburger Zentrum zu sehen, befürchten Kritiker aus der Nachbarstadt, die auch herausgefunden haben, dass die gewaltigen Windmühlen näher an der Hohenlimburger Innenstadt stehen würden als an Veserde.

Bezirksvertreter Frank Schmidt, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft „Bürger für Hohenlimburg“, beispielsweise lehnt den Bau der Windräder an der Stadtgrenze strikt ab. Er befürchtet, „dass solch monströse Anlagen das Ortsbild beeinträchtigen“. Peter Leisten, CDU-Fraktionssprecher in der Bezirksvertretung, sieht einen „gewaltigen Eingriff in die Kulturlandschaft des Nahmertals“ rund um das Hohenlimburger Schloss. Und SPD-Ratsfrau Ramona Timm-Bergs sieht in Windrädern der geplanten Größe sogar eine Gesundheitsgefahr. Immerhin habe der Hagener Umweltausschuss schon vor Jahren beschlossen, keine weiteren Windkraftanlagen auf Hagener Stadtgebiet mehr zu genehmigen. Und nun seien Anlagen von immenser Größe nur einen Steinwurf hinter der Stadtgrenze geplant.

Die Hohenlimburger Politiker sind aber auch sauer auf die eigene Stadtverwaltung, der sie vorwerfen, die Angelegenheit verschlafen zu haben. Nach der Beschlussfassung durch den Gemeinderat im November hat die Gemeinde auch die Stadt Hagen von dem Vorhaben unterrichtet, dort ist der Vorgang aber offensichtlich (noch) nicht an die Politiker weitergereicht worden. Thomas Bleicher, Pressesprecher der Stadt Hagen, führt das auf die Feiertage im Dezember zurück. Durch die gewährte Fristverlängerung hat Hagen nun zumindest Zeit gewonnen. In der nächsten Woche soll das Thema in der Hohenlimburger Bezirksvertretung diskutiert werden.

Doch was würde eigentlich passieren, wenn die Vorrangzone aus welchen Gründen auch immer nicht ausgewiesen wird? Bürgermeisterin Birgit Tupat erwartet dann Einzelanträge von Investoren, möglicherweise verteilt über das ganze Gemeindegebiet. Über solche möglicherweise privilegierten Bauvorhaben hätte dann der Märkische Kreis als Baugenehmigungsbehörde zu entscheiden, die Gemeinde hätte wenig Möglichkeiten sie zu verhindern. Würde ein solches Bauvorhaben abgelehnt, drohte der Gemeinde eine Klage – mit ungewissem Ausgang. „Ein Gericht würde dann sicherlich die Frage stellen, wo die Gemeinde der Windkraft in substanzieller Weise Raum geschaffen hat“, vermutet Bürgermeisterin Tupat. Branchenkenner gehen davon aus, dass der Streitwert sich schnell auf mehrere Millionen Euro belaufen könnte.

Weil sich die Diskussionen derzeit wohl vor allem an der Höhe der geplanten Anlagen entzünden, suchen Politiker nach einem Kompromiss. In einer interfraktionellen Runde haben Vertreter von CDU, SPD und UWG in dieser Woche wohl eine Höhenbegrenzung für neue Anlagen ins Gespräch gebracht. Für die vorhandene Windkraftzone bei Veserde gibt es die bereits, hier dürfen Anlagen nicht höher als 100 Meter sein. Bürgermeisterin Birgit Tupat hält eine solche Regelung auch für die geplante Erweiterungszone für denkbar, warnt aber auch vor den Risiken: „Das könnte dazu führen, dass Investoren dann mehrere kleinere Anlagen bauen wollen, die Anzahl der Windkraftanlagen also zunimmt“, gibt sie zu bedenken. Gleichwohl gelte es, diese Option im Hinterkopf zu behalten. - Volker Griese

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